Kurzpässe Hoeneß erbost, italienische Clubs wollen Geld für Interviews

Dieter Hoeneß hat die Mobbingvorwürfe des Pantelic-Beraters zurückgewiesen und seinerseits das Ende der Ruhe verkündet. Die Clubs der Serie A wollen sich von Fragenstellern bezahlen lassen. Chelsea-Trainer Luiz Felipe Scolari reagiert mit Galgenhumor auf das drohende Champions-League-Aus.


Hamburg - Manager Dieter Hoeneß von Hertha BSC Berlin hat die Mobbing-Vorwürfe des Beraters von Stürmer Marko Pantelic zurückgewiesen. "Die Vorwürfe des Mobbings sind absurd. Ich hätte das nicht für möglich gehalten", sagte Hoeneß einen Tag vor dem Bundesligaspiel der Hertha gegen den 1. FC Köln (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE): "Mit der Ruhe ist es jetzt vorbei."

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Hoeneß machte nicht Pantelic, sondern direkt dessen Berater Wolfgang Müllenbrock für den Wirbel verantwortlich. "Er vertritt einen Hertha-Angestellten und muss sich im Klaren darüber sein, was er sagt", meinte Hoeneß. Der Vertrag des Hertha-Stürmers läuft im Sommer 2009 aus, eine Verlängerung wird immer unwahrscheinlicher.

Müllenbrock hatte Herthas Trainer Lucien Favre im Umgang mit Pantelic einen schlechten Stil vorgeworfen. "Ich habe den Eindruck, dass Marko gemobbt wird. Es ist wenig wahrscheinlich, dass er weiter unter einem Trainer spielt, der wenig Sympathien für ihn hegt", hatte der Anwalt gesagt. Von einem endgültigen Bruch zwischen Spieler und Club wollte Müllenbrock am Donnerstag aber nichts wissen: "Das ist Quatsch. Ich hoffe, dass Herr Hoeneß uns zu einem Gespräch einlädt und Marko in Berlin bleiben kann."

Die italienischen Fußball-Clubs entwickeln immer neue Strategien zur Bekämpfung der Krise. So sollen künftig TV-Kanäle für Interviews mit Spielern und Trainern zahlen. Das Projekt wird von den Clubchefs der italienischen Spitzenclubs diskutiert, die sich Interviews schon ab 2010 honorieren lassen wollen. Eine entsprechende Klausel soll in ein neues Gesetz zur Vermarktung der Fernseh-Übertragungen ab 2010 integriert werden, berichtete die italienische Tageszeitung "La Repubblica" am Donnerstag. Jeder Club soll selbst entscheiden, wieviel die Interviews kosten sollen.

Die Vereine würden davon zweifach profitieren: Sie würden nicht nur ihre Kassen auffüllen, sie hätten auch weniger Probleme, ihre Trainer zu überzeugen, Interviews zu geben. Liga-Chef Antonio Matarrese hatte von den Coaches und den Clubchefs kürzlich Respekt vor den Medien verlangt.

In einem Brief an die Präsidenten der italienischen Erst- und Zweitligisten hatte Matarrese für ein korrektes Verhalten gegenüber den Medien und vor allem den TV-Sendern appelliert, die zum Großteil die Clubs finanzieren. Matarrese kritisierte somit indirekt Star-Trainer José Mourinho von Meister Inter Mailand, der immer wieder seine Aversion gegen Interviews zeigt. Matarrese ist jedoch gegen die Bezahlung von Interviews. Er befürchtet heftige Proteste von Seiten der Medien.

Nach den durchwachsenen Leistungen des FC Schalke in den vergangenen Wochen gerät zunehmend auch die Einkaufspolitik des Clubs in die Kritik. Dabei wächst der Druck auf Manager Andreas Müller, der seit dem Ausscheiden von Rudi Assauer vor zweieinhalb Jahren zwar nicht allein über die Transfers des FC Schalke 04 entscheidet, aber als Hauptverantwortlicher gilt. "Ich stelle mich der Kritik. Und natürlich müssen wir uns ganz klar hinterfragen, ob all unsere Transfers richtig waren", sagte Müller.

Der 45-Jährige räumt inzwischen Fehler und Fehlgriffe ein. "Insgesamt bin ich mit der Transferbilanz sehr zufrieden. Aber in drei, vier Fällen haben wir falsch gelegen", gesteht Müller, ohne jedoch die Namen der "Flops" zu nennen. Gemeint sind vor allem wohl Carlos Grossmüller, Vicente Sanchez, Zé Roberto und Albert Streit, die nun den Personal-Etat belasten, aber nicht spielen. Am Abend (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) trifft der FC Schalke im Uefa Cup auf Manchester City.

Mit Galgenhumor hat Trainer Luiz Felipe Scolari seinen Ärger über die verpasste vorzeitige Qualifikation des FC Chelsea für das Achtelfinale der Champions League überspielt. "Wenn wir uns nicht qualifizieren, wäre es wohl besser, wenn ich wieder zurück nach Brasilien gehe", sagte der Brasilianer Scolari nach dem 1:1 bei Girondins Bordeaux.

Chelsea muss nun am 9. Dezember zum Abschluss der Vorrunde gegen den rumänischen Meister CFR Cluj, der 1:3 gegen den AS Rom verlor, gewinnen, um sicher das Achtelfinale zu erreichen. Die Roma führt in der Gruppe A mit neun Zählern vor Chelsea (8 Punkte), Bordeaux (7) und Cluj (4). Im Falle eines Sieges von Bordeaux in Rom und eines Unentschiedens von Chelsea wäre trotzdem der AS für das Achtelfinale qualifiziert. Die Italiener haben den besseren direkten Vergleich gegenüber dem Scolari-Team.

"Ich bin sehr verärgert, weil wir normalerweise gerade bei Standardsituationen sehr stark sind. Seitdem ich hier bin, war es das erste Gegentor nach einer Ecke", sagte der 60-Jährige zum späten Ausgleich für Bordeaux von Alou Diarra (82.).

goe/sid/dpa



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