Kurzpässe Kießling fällt aus, harte Sanktionen gegen Nürnberg

An die Fans des 1. FC Nürnberg dürfen für zwei Auswärtsspiele keine Stehplatzkarten verkauft werden. Bayer-Torjäger Kießling wird gegen Schalke 04 fehlen, DFB-Torwarttrainer Köpke wehrt sich gegen Kritik von BVB-Keeper Weidenfeller. Turins Torwart brach sich vor Ärger die Hand.

Leverkusens Stürmer Kießling gegen den BVB: Kein Einsatz im Spitzenspiel gegen Schalke
dpa

Leverkusens Stürmer Kießling gegen den BVB: Kein Einsatz im Spitzenspiel gegen Schalke


Hamburg - Harte Strafe gegen den 1. FC Nürnberg: An die Fans des Bundesligisten dürfen erstmals in der DFB-Sportgerichtsgeschichte bei zwei Auswärtsspielen keine Stehplatztickets und nur personalisierte Sitzplatzkarten verkauft werden. Dazu hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes am Montag den Verein nach Gewaltausbrüchen während des Spiels am 27. Februar beim VfL Bochum verurteilt.

Der Sportgerichtsvorsitzende Hans E. Lorenz teilte mit, dass der Sanktionswert bei etwa 100.000 Euro liege. In der Begründung hieß es: Wegen des unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger in Bochum wird der FCN zu einem Teilausschluss seiner Fans bei den Auswärtsspielen in Freiburg am 17. April und in Hamburg am 1. Mai verurteilt. Der FCN muss Freiburg und dem HSV Schadensersatz in Höhe des entsprechenden Stehplatzkontingents zahlen. Darüber hinaus spendet der Club in diesem Jahr und 2011 je 20.000 Euro an das Jugendamt Nürnberg zur Förderung des örtlichen Fanprojekts.

"Wir haben das Urteil so akzeptiert und gehen nicht in Berufung. Der wirtschaftliche Schaden sowie die fehlende Unterstützung schmerzt uns sehr, allerdings war es für uns wichtig, zumindest einem Teil unserer Fans die Möglichkeit zu geben, unsere Mannschaft im Abstiegskampf auch auswärts zu unterstützen", sagte Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader. Lorenz führte aus, dass es einen Trend zu Zuschauerausschreitungen der Gäste-Fans gebe, das Sportgericht aber bislang stets mit Heimspielsanktionen reagiert habe. "Deshalb wollen wir mit der neuen Form der Sanktion das Übel an der Wurzel packen und gezielt den Auswärts-Fan treffen", so Lorenz.

Die Verhandlung gegen den 1. FC Köln wurde derweil vertagt und wird am kommenden Montag fortgesetzt. Das entschied das Gremium am Montagabend nach dreieinhalbstündiger Sitzung. Im Fall des FC werden vom Sportgericht Vorkommnisse aus insgesamt fünf Auswärtsspielen der vergangenen Monate verhandelt. Bei allen Spielen sind laut DFB-Mitteilung im Kölner Zuschauer-Block pyrotechnische Gegenstände wie Knallkörper oder bengalische Feuer gezündet worden.

Bayer Leverkusen muss im Spitzenspiel am kommenden Samstag gegen den Tabellenzweiten Schalke 04 (18.30 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf Torjäger Stefan Kießling verzichten. Der Nationalstürmer zog sich bei der 0:3-Niederlage Leverkusens am Samstag bei Borussia Dortmund einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zu. Sturmpartner Eren Derdiyok laboriert an einer Oberschenkelverhärtung. Dem Einsatz des Schweizers soll aber nichts im Wege stehen.

DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke wehrt sich unterdessen gegen die Kritik von Borussia Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller. Dessen Berater Michael Becker hatte nach dem Sieg des BVB gegen Leverkusen die Spielauswahl Köpkes kritisiert. "Eigentlich will ich das gar nicht kommentieren. Aber ich war beim Spiel in Frankfurt, Hansi Flick hat die Partie in Dortmund beobachtet", sagte Köpke, dessen Antwort die Gemüter im Weidenfeller-Lager jedoch nicht beruhigte.

"Diese Aussage von Andreas Köpke bestätigt nur, dass eine aktuelle Leistungskontrolle bei der Nationalmannschaft offenbar nicht mehr stattfindet. Das ist unerfreulich und nicht korrekt", sagte Becker. "Wenn ich schon zu Beginn des Schuljahres weiß, wer Klassenbester wird, dann brauche ich auch keine Prüfungen mehr zu schreiben."

Die Krise beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin sorgt jetzt sogar für körperliche Schäden: Torhüter Antonio Chimenti hat sich am Sonntag nach dem 0:1 bei Sampdoria Genua in seinem Ärger über das Gegentor die Hand gebrochen. Nach dem Schlusspfiff schlug der Italiener in der Kabine gegen einen Tisch und zog sich dabei die Verletzung zu. Genua-Stürmer Antonio Cassano hatte den 39-jährigen Chimenti, der hinter den verletzten Gianluigi Buffon und Alex Manninger nur die Nummer drei bei Juventus ist, beim Siegtor für Samdoria zuvor mit einem Schuss aus knapp 40 Metern schlecht aussehen lassen. Am Donnerstag im Spiel beim SSC Neapel soll nun Buffon ins Tor zurückkehren. Juventus droht derzeit als Tabellensechster die Qualifikation für den Europapokal zu verpassen.

Der designierte neue DFB-Schiedsrichterchef Herbert Fandel steht einer schnellen Rückkehr von Referee Michael Kempter kritisch gegenüber. "Die Frage sollte man erst beantworten, wenn etwas Zeit vergangen ist", sagte Fandel im SWR. "Die Qualität ist ohne Frage da, aber es muss erst Zeit vergehen, dann kann man darüber befinden." Kempter hat seit Bekanntwerden des Falls Amerell kein Spiel mehr als Schiedsrichter geleitet.

Seine Berufung zum neuen Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichterausschusses knüpfte Fandel an Bedingungen. "Wenn jemand ein führendes Amt übernehmen will, dann hat er konkrete Vorstellungen", sagte der designierte Nachfolger von Volker Roth. "Für mich ist wichtig, dass keine Verbandsinteressen, sondern nur der Sachverstand entschieden werden."

klu/fsc/dpa/sid

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fjr 23.03.2010
1. Krawallmacher und Kriminelle
Solange die Vereine die Krawallmacher und Kriminellen in den Fanblocks als "Fans" bezeichnen, und sich nicht von diesen klar und deutlich distanzieren, indem sie die Worte Kriminelle, Idioten und ähnliches benutzen, sind auch letztlich 100.000 Euro Strafe nicht genug, gell Herr Bader. Und wer als Verein die Aufklärung von Straftaten (schwere, vorsätliche gefährliche Körperverletzung, Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz etc.) nicht aktiv betreibt bzw. unterstützt, der sollte aus dem Spielbetrieb komplett ausgeschlossen werden, sagen wir mal für 10 Jahre. Danach kann er ja über die Kreisklasse C wieder anfangen. Aber vielleicht stammen die Krawallmacher bei Auswärtsspielen ja gar nicht aus den Reihen der Anhänger der Auswärtsmannschaften. Schon mal drüber nachgedacht? Wieso kommen denn die in so grosser Zahl mit verbotenen Gegenständen ins Stadion? Und die Auswärtsmannschaft muss blechen - oder kriegt wenn's zu oft vorkommt Punkte abgezogen. Ein Schelm der Böses dabei denkt. Also lieber DFB: Die Heimmannschaft stellt den Ordnungsdienst. Sie hat zu büssen. Und zwar drastisch. Die Auswärtsmannschaft kann ja nichts für Idioten. Oder etwa doch? Warum gibt es eigentlich keine Ausschreitungen beim Eishockey, beim Handball, beim Biathlon?
andale! 23.03.2010
2. Ungleichbehandlung
Die Strafe ist mit Sicherheit gerechtfertigt und hoffentlich werden die Täter ermittelt, damit der Verein nicht für solche Idioten bezahlen muss. Allerdings bin ich mal gespannt, ob der Verein Hertha BSC ebenfalls bestraft wird, und die nächsten 2 Heimspiele ohne die Fans aus der Kurve spielen wird?? Genauso wurde vor dem Derby-Spiel Köln-Gladbach Rauchbomben bei den Gladbach-Anhängern gezündet. Gleiches Vergehen also auch gleiche Strafe? Leider kenne ich die Antwort schon jetzt, es wird NICHTS passieren. Ich verstehe nicht, wieso gegen diese Ungleichbehandlung seitens des DFB, die seit Jahren in der Bundesliga toleriert wird nicht mehr unternommen wird.
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