Kurzpässe Lange Sperre für Naki, lange Gesichter in Spanien

Spitzensteuersatz für ausländische Fußballprofis? Mit Entsetzen reagiert die spanische Profiliga auf die Pläne der Regierung, die hochbezahlten Gast-Kicker stärker zur Kasse zu bitten. Der FC St. Pauli hingegen hat die Sperre für seinen Profi Deniz Naki akzeptiert. Marcello Lippi will keinen Club mehr trainieren.

St.-Pauli-Profi Naki (r.): Drei Spiele gesperrt
dpa

St.-Pauli-Profi Naki (r.): Drei Spiele gesperrt


Hamburg - Deniz Naki vom Zweitligisten FC St. Pauli ist vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) wegen krass sportwidrigen Verhaltens während des Auswärtsspiels bei Hansa Rostock für drei Meisterschaftsspiele gesperrt geworden. Der FC St. Pauli hat die Strafe bereits akzeptiert. Strafmildernd habe sich Nakis deutliche Entschuldigung vom Mittwoch ausgewirkt, teilte der DFB am Mittwoch mit.

Der Stürmer hatte am Montagabend bei der Auswärtsbegegnung der Hamburger in Rostock nach seinem Treffer zum 2:0-Endstand mit einer provozierenden Geste die Stimmung auf den Rängen aufgeheizt. Naki hatte nach seinem Treffer in der 84. Minute in Richtung der Rostocker Fans mit der rechten Hand das Abschneiden des Halses angedeutet.

Naki, der als Zeichen des Triumphes nach dem Abpfiff auch eine St.-Pauli-Fahne in den Rasen gerammt hatte, war am Dienstag von seinem Club für sein Verhalten bereits mit einer Geldstrafe belegt worden, die er einer karitativen Einrichtung zur Verfügung stellt.

"Liga der Stars" vor dem Aus?

Steuerpläne der Madrider Regierung für Profis lassen die Vereine in Spanien um die Zukunft der Primera División bangen. "Das Vorhaben bedeutet für die spanische 'Liga der Stars' das Aus", sagte der Vizepräsident der Profi-Fußball-Liga (LFP), Javier Tebas. Die spanische Regierung will steuerliche Privilegien für ausländische Fußballstars abschaffen und von diesen künftig den normalen Spitzensteuersatz von 43 Prozent des Gehalts verlangen. Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado wies die Befürchtungen am Mittwoch als unbegründet zurück. "Spanien wird auch in Zukunft eine ausgezeichnete Liga haben", sagte sie.

Italiens Nationaltrainer Marcello Lippi will keinen Club mehr trainieren. "Es gibt eine Zeit für alle Dinge im Leben. Ich habe viele schöne und wichtige Spiele erlebt. Ich trainiere aber keinen Club mehr, Champions-League-Spiele werde ich als Trainer nicht mehr erleben", sagte Lippi der Turiner Tageszeitung "La Stampa".

Lippi macht sich über seine Zukunft nach der WM-Endrunde 2010 in Südafrika derzeit keine Gedanken. "Ich bin in den nächsten Monaten noch Nationaltrainer, nach der WM werden wir sehen. Sollte die WM für Italien schlecht laufen, wären die Leute nicht froh, wenn ich auf der Trainerbank bleiben würde. Alle würden meinen Kopf verlangen", so Lippi.

Der schwedische Verband hat Erik Hamren als neuen Nationaltrainer vorgestellt. Der 52-Jährige, der jüngst Rosenborg Trondheim in Norwegen zum 21. Meistertitel geführt hatte, tritt die Nachfolge von Lars Lagerbäck an, dessen neunjährige Amtszeit mit der verpassten WM-Qualifikation im Oktober zu Ende gegangen war. Hamren wird bis zum 31. August 2010 auch weiterhin Rosenborg trainieren, ehe er dann ganz in den Verbandsdienst tritt. Sein Debüt wird er am 18. November im Auswärtsspiel bei Weltmeister Italien geben. Schweden hatte die WM-Teilnahme als Dritter der Gruppe 1 hinter dem Erzrivalen Dänemark und Portugal verpasst.

Platzsperren in Bulgarien

Nach den Ausschreitungen vom Wochenende hat der bulgarische Fußball-Verband BFU Platzsperren gegen die Lokalrivalen Botew und Lokomotive Plowdiw ausgesprochen. Botew, das die Begegnung 1:0 gewonnen hatte, muss seine beiden nächsten Heimspiele auf neutralem Platz austragen. Lokomotive, das bereits in der vergangenen Woche wegen Randale seiner Anhänger mit einer Platzsperre für ein Spiel belegt worden war, muss eine weitere Heim-Begegnung in einem fremden Stadion ausrichten.

Bei dem Ortsderby war es zu einer wüsten Massenschlägerei gekommen. Nach dem Schlusspfiff waren Spieler und Betreuer beider Teams aufeinander losgegangen, zudem hatten Fans aus beiden Lagern das Spielfeld gestürmt. Insgesamt waren zehn Anhänger vorübergehend festgenommen worden.

goe/sid/dpa



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