Kurzpässe Parma zu verkaufen, Schalke nicht

Wer schon immer einmal einen Fußballverein besitzen wollte, hat nun in Italien die Chance, einen Erstligisten zu ersteigern. Der FC Schalke 04 schließt eine Fremdkontrolle indes aus - auch wenn er die vielen Millionen seines neuen Sponsors gerne annimmt.


Hamburg - Seit gestern ist der spektakuläre Sponsoren-Vertrag des FC Schalke 04 mit dem russischen Erdgas-Riesen Gasprom in Kraft, und schon wehren sich die Verantwortlichen des Clubs gegen Vorwürfe eines drohenden Machtverlusts der Vereinsleitung. "Schalke wird nie ein zweites Chelsea", weist Präsident Gerd Rehberg mögliche Bedenken zurück: "Schalke bleibt ein eingetragener Verein, es ist ausgeschlossen, dass Gasprom die Kontrolle übernimmt."

Neues Schalke-Trikot: Wer hat die Macht?
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Viel lieber sehen die Gelsenkirchener, die mit gut 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten belastet sind, den Deal als große Chance. "Damit gehören wir in Sachen Sponsorship zu den 'Big Guys'. Jetzt müssen wir nicht mehr von der Hand in den Mund leben", sagt Schalkes Finanzvorstand Josef Schnusenberg.

Bis 2012 soll der Verein zwischen 60 und 125 Millionen Euro kassieren. Entsprechend sind die Werbebanden auf dem Trainingsgelände schon vor dem Auftakt der Rückrunden-Vorbereitung am Donnerstagnachmittag mit dem Logo des neuen Hauptsponsors umgerüstet und auch eine Tribüne in der Veltins-Arena nach dem Geldgeber benannt worden. Zum Vergleich: Der bisherige Hauptsponsor (Victoria) hatte seit 2001 jährlich zwischen 6,25 und 7,5 Millionen Euro gezahlt.

Beim FC Parma wird hingegen jemand gesucht, der die Kontrolle übernimmt. Der Vorletzte der Serie A wird versteigert. Morgen werden die Regeln für die Auktion vorgestellt, am darauffolgenden Montag (8. Januar) haben die Kauf-Interessenten Zugang zu den Bilanzbüchern des Clubs. Wie der für den Verkauf des Vereins zuständige Manager des Hauptsponsor heute erklärte, haben die Bieter drei Wochen Zeit, ihre Angebote einzureichen. Jeder Interessent muss sich verpflichten, den Uefa-Cup-Sieger von 1995 und 1999 mindestens zwei Jahre lang nicht weiterzuverkaufen und dem Personal des aktuellen Tabellenvorletzten eine Arbeitsplatzgarantie zu geben.

Der Club, der zuvor AC Parma hieß, war 2004 in Folge des Konkurses des Hauptponsors (Parmalat) als FC Parma neu gegründet worden. Um die Verschuldung des Vereins einzudämmen, waren in den vergangenen Jahren mehrere Spieler verkauft worden, darunter der brasilianische Star-Stürmer Adriano, der im Juni 2003 zu Inter Mailand gewechselt war. Parma wird seit drei Monaten von provisorischen Verwaltern geführt. Für den FC Parma hatte sich auch der frühere Präsident von Real Madrid interessiert. Doch das Angebot des spanischen Baulöwen Lorenzo Sanz war offenbar zu gering. Gefordert wurden damals 27,5 Millionen Euro. Der Einstiegspreis bei der Auktion soll unter dieser Summe liegen.

Die Mehrheit der Bundesliga-Profis glaubt, dass Werder Bremen auch am Saisonende die Nase vorn haben wird. 58,8 Prozent tippten in einer Umfrage des "Kicker" auf den Herbstmeister als neuen Deutschen Meister. 31,0 Prozent erwarten Titelverteidiger FC Bayern München wieder ganz vorn. Besonders negativ überrascht hat nach Auffassung von 76,1 Prozent der Befragten der Hamburger SV. Das Liga-Gründungsmitglied, dessen letztjähriger Erfolgscoach Thomas Doll von den Spielern vom Gewinner zum Verlierer unter den Trainern (56,5 Prozent) erklärt wurde, überwintert zwar auf Abstiegsrang 17. Er wird aber überwiegend nicht als Absteiger erwartet: Der Tabellenletzte FSV Mainz 05 (78,8), der VfL Bochum (51,8) und Energie Cottbus (51,4) gelten hier als erste Anwärter. Der HSV wurde an sechster Stelle genannt.

Damit der Verein in Zukunft noch seltener als Absteiger genannt wird, hat der Hamburger SV sein Betreuerteam um einen Leistungsdiagnostiker erweitert. Manfred Düring wird vom 1. Februar an beim Fußball-Bundesligisten für die Beurteilung des körperlichen Zustands und der Leistungsfähigkeit der Profis zuständig sein. "Wir wollen individueller arbeiten und sehen, auf welchem Stand sich der einzelne befindet", sagte Cheftrainer Thomas Doll. Der 35 Jahre alte Düring, der aus dem oberbayerischen Prien nach Hamburg kommt, reist bereits am Donnerstag mit ins Trainingslager nach Dubai, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Sein Vetrag läuft bis 2009.

fpf/sid/dpa



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