Kurzpässe Pizarro reist ab, Kahn will pilgern

Fußballverbände sind die größten Feindbilder organisierter Fans in Deutschland. Das ist das Ergebnis einer Studie. Auch Bayern-Spieler sorgen für Aufregung: ein Stürmer hat sich mit seinem Nationaltrainer überworfen, ein Torwart will den Jakobsweg gehen.


Hamburg - Der peruanische Nationalspieler Claudio Pizarro vom FC Bayern München ist vorzeitig von seiner Auswahl abgereist und hat sich den Zorn seines Trainers Franco Navarro zugezogen. Vor den zwei Länderspielen Perus gegen Chile hatte Pizarro erklärt, dass er nur beim ersten auflaufen werde, weil er rechtzeitig zu seinem Bundesliga-Club zurückkehren wolle. Navarro gab an, von einer solchen Vereinbarung nichts zu wissen. Pizarro kam erst in der zweiten Halbzeit und erzielte bei der 2:3-Niederlage einen Treffer. Die zweite Partie zwischen den Teams findet am Mittwoch statt.

Bayern-Keeper Kahn: "Ich glaube an die Wiedergeburt"
REUTERS

Bayern-Keeper Kahn: "Ich glaube an die Wiedergeburt"

Der frühere deutsche Nationalspieler Ulli Stielike hat als Trainer der Elfenbeinküste ein gelungenes Debüt gefeiert. Die Mannschaft besiegte in der Qualifikation zur Afrikameisterschaft 2008 die Auswahl Gabuns mit 5:0 (3:0). Kolo Toure vom FC Arsenal war mit drei Treffern der überragende Mann auf dem Platz. Stielike hatte seinen Posten im Land des WM-Teilnehmers Mitte September angetreten. Er ist Nachfolger des nach der WM-Endrunde in Deutschland zurückgetretenen Franzosen Henri Michel.

Die großen Fußballverbände der Welt stehen bei den treuesten Fans von deutschen Vereinsmannschaften nicht sonderlich hoch im Kurs. Eine Studie des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp), die am 12. Oktober in Berlin vorgestellt wird, belegt sogar, dass der DFB, die Uefa und die Fifa zu regelrechten Feindbildern der Ultras geworden sind. Unter der Federführung von Fanforscher Gunter Pilz ließ das Kölner Bundesinstitut die Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball untersuchen. Die Ultras, mit denen sich große Teile der Studie auseinander setzen, sind Fangruppen, die sich über das normale Maß hinaus mit ihren Vereinen identifizieren, sich im Gegensatz zu Hooligans aber nicht durch Gewaltbereitschaft auszeichnen.

Oliver Kahn will nach seinem Karriere-Ende vielleicht einen Pilgermarsch auf dem Jakobsweg unternehmen. Dazu hat ihm der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho ("Auf dem Jakobsweg") geraten. Das Gespräch wurde für die 100. Ausgabe der N24-Talkshow "Was erlauben Strunz" aufgezeichnet. Der Torwart übernahm die Rolle des Moderators Claus Strunz als Einsatz für eine verlorene Wette. Kahn hatte mit Strunz gewettet, dass Deutschland Fußballweltmeister würde. Coelho ermutigte Kahn zu der Pilgerreise, die in schwierigen Lebenssituationen sehr hilfreich sei. "Ich bin sicher, dass Sie einen Weg finden, diese wunderbare Karriere fortzusetzen", sagte er. Kahn antwortete, er könne sich eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg durchaus vorstellen. Er habe schon öfter überlegt, ob er das mal machen sollte. "Ich bin ein sehr gläubiger Mensch, und deswegen glaube ich an die Wiedergeburt", sagte der Torwart.

mig/AP/sid/dpa



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