Kurzpässe Polizei-Gewerkschaft fordert "Schwarze Liste"

"Problemvereine klar benennen": Die Gewerkschaft der Polizei will die Clubs, bei denen es häufiger zu gewalttätigen Zwischenfällen kommt, unter Druck setzen. DFB-Chef Theo Zwanzigers Geisterspiel-Vorschlag findet in Rostock keine Zustimmung. Ein schottischer Verein will sich beschweren.

Polizeieinsatz in Rostock (am Montag): "Vereine unter Druck setzen"
dpa

Polizeieinsatz in Rostock (am Montag): "Vereine unter Druck setzen"


Hamburg - Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat eine "Schwarze Liste" von Clubs gefordert, in deren Umfeld es häufiger zu drastischen Ausschreitungen kommt. Vor dem Hintergrund der jüngsten Fankrawalle am Rande der Zweitligapartie des FC St. Pauli bei Hansa Rostock und der zunehmenden Gewalt bei Fußballspielen insgesamt müssten die Problemvereine "klar benannt werden, damit alle Verantwortlichen geeignete Maßnahmen zur Gewalteindämmung diskutieren können", sagte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg. Die Vereine sollen dadurch unter Druck gesetzt werden, selbst aktiver an der Verbesserung ihres Images zu arbeiten. "Es kann nicht sein, dass wegen einiger schwarzer Schafe das gesamte Fußballgeschehen diskreditiert wird", sagte Freiberg.

Er schlug zudem vor, dass bei den kleinsten Zeichen von Gewalt oder dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern auf den Rängen, Spiele unterbrochen werden und sich Spieler wie Vereinsführungen gegen die Krawallmacher stellen sollen. Wenn dies nicht helfe, müsse das Spiel abgebrochen werden und die nächste Partie ohne Zuschauer stattfinden, sagte Freiberg, der den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zudem darauf hinwies, dass in den unteren Ligen oft das Geld für Sicherheitsmaßnahmen in den Stadien und für Fanprojekte fehle. "Da erwarten wir einen Beitrag vom DFB und von der DFL, die das Geld haben." Er schloss sich damit indirekt den Forderungen der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) an, die eine Saisongebühr von 50 Millionen Euro zur Finanzierung von Polizeieinsätzen ins Gespräch gebracht hatte.

Als "falsches Zeichen" wertet Zweitligist FC Hansa Rostock die Überlegungen von DFB-Chef Theo Zwanziger, als letzte Konsequenz Geisterspiele auszutragen. "Das ist der verkehrte Weg, das wäre eine Kapitulation vor einer Minderheit", sagte Hansa-Sprecher Karsten Lehmann am Donnerstag. Zwanziger hatte Partien vor leeren Rängen nicht mehr ausgeschlossen. "Wenn man spürt, das ist nur mit einer unverhältnismäßigen Zahl von Sicherheitsmaßnahmen überhaupt friedlich zu halten, dann muss man die Frage stellen, ob man dort noch mit Publikum spielen kann", sagte der DFB-Präsident.

Der schottische Meister Glasgow Rangers will nach dem 1:1 (0:0) am 4. Spieltag der Champions League beim rumänischen Titelträger Unirea Urziceni eine Beschwerde bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) einreichen. Die Schotten wollen damit gegen das Vorgehen der rumänischen Polizei protestieren, die nach Ansicht des Clubs zu rabiat mit den mitgereisten Rangers-Fans umgegangen ist. Die Beamten sollen in Bukarest unter anderem mit Tränengas gegen die Anhänger vorgegangen sein. Die rumänische Polizei wies die Vorwürfe zurück und erklärte, dass es zu keinen ernsthaften Zwischenfällen gekommen sei.

Hertha-Trainer Trainer Friedhelm Funkel hat deutliche Veränderungen beim Hauptstadtclub angekündigt. "Wenn man nach elf Spielen nur vier Punkte hat, muss alles auf den Prüfstand", sagte Funkel vor dem Europa-League-Spiel am Donnerstagabend beim SC Heerenveen (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). In der Winterpause will der Coach für "alle Mannschaftsteile" personelle Verstärkungen holen. Dabei fordert der 55-Jährige Zugänge, "die die Bundesliga kennen und der deutschen Sprache mächtig sind". Laut "Bild"-Zeitung sollen die Hertha-Verantwortlichen auch über den ehemaligen Bayern-Stürmer Roy Makaay nachdenken, der jetzt in seiner niederländischen Heimat für Feyenoord Rotterdam spielt.

Verteidiger Matthieu Delpierre vom VfB Stuttgart hat sich während des Champions-League-Spiels am Mittwoch beim FC Sevilla (1:1) einen Mittelhandbruch zugezogen. Das gab der Verein am Donnerstag nach einer Untersuchung durch Mannschaftsarzt Raymond Best bekannt. Aller Voraussicht nach wird der 28-jährige Franzose aber sowohl am Freitag wieder trainieren als auch am Samstag beim Bundesligaspiel des VfB bei Borussia Mönchengladbach mitwirken können. Nach Angaben des Vereins erhält Delpierre zum Schutz seiner Hand eine Karbonschiene.

Der spanische Rekordmeister Real Madrid muss noch für längere Zeit auf den portugiesischen Nationalspieler Cristiano Ronaldo verzichten. Nach Auskunft der Mannschaftsärzte ist an dem verletzten Fußgelenk des Portugiesen keine Besserung festzustellen. Das Sportblatt "Marca" berichtete am Donnerstag, der Weltfußballer des Jahres 2008 falle wenigstens noch für einen weiteren Monat aus. Damit würde Portugal seine Relegationsspiele für die WM-Qualifikation in der kommenden Woche gegen Bosnien-Herzegowina höchstwahrscheinlich ohne seinen Superstar bestreiten müssen.

bka/sid/dpa



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