Kurzpässe Probleme für Siegenthaler, Staatsanwalt ermittelt gegen Derdiyok

HSV-Sportdirektor und DFB-Chefscout in einer Person? In der Bundesliga regt sich Widerstand gegen Urs Siegenthalers Doppelfunktion. Die Staatsanwaltschaft Zürich ermittelt wegen des Verdachts auf Körperverletzung gegen Eren Derdiyok. Der Karlsruher SC war beinahe insolvent.
Schweizer Stürmer Derdiyok: Verdacht auf schwere Körperverletzung

Schweizer Stürmer Derdiyok: Verdacht auf schwere Körperverletzung

Foto: CARL DE SOUZA/ AFP

Hamburg - Seinen neuen Job als Sportdirektor des HSV soll Urs Siegenthaler am kommenden Montag antreten. Mittlerweile wächst aber die Kritik an einer möglichen Doppelbeschäftigung des Schweizers, der auch Chefscout im Team von Nationaltrainer Joachim Löw bleiben soll. "Eine Doppelbeschäftigung von Urs Siegenthaler wäre der Liga schwer zu vermitteln", sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball der "Sport Bild". Der Dortmunder möchte das Thema auf der Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am 30. Juli ansprechen. Er erhält dabei Unterstützung von Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Die Liga ist klar der Meinung: Entweder arbeitet Siegenthaler für den DFB oder für den HSV."

Auch der DFB stellt Siegenthaler vor die Alternative Verband oder Club: "Eine Doppelfunktion wird nicht möglich sein. Es läuft darauf hinaus, dass er sich für den DFB oder den HSV entscheiden muss", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Löw hatte bei seiner Vertragsverlängerung deutlich gemacht, dass er gerne mit Siegenthaler weiterarbeiten möchte. Der Schweizer soll beim HSV eine Art sportlicher Chefdenker werden, der das gesamte Konzept des Vereins von der Profitruppe bis hinunter zu den Jugendteams koordiniert und für das Scouting zuständig ist. Für die Alltagsarbeit als Manager wurde der ehemalige Profi Bastian Reinhardt verpflichtet, der auch den Sitz im Vorstand innehat.

Die Staatsanwaltschaft Zürich hat gegen Eren Derdiyok vom Bundesligisten Bayer Leverkusen eine Untersuchung wegen des Verdachts der schweren Körperletzung eingeleitet. Das bestätigte der zuständige Staatsanwalt Manuel Kehrli. Derdiyok soll im vergangenen Jahr in einem Züricher Nachtclub einem anderen Besucher mit einer Glasflasche auf den Kopf geschlagen haben. Der Mann erlitt eine schwere Verletzung am linken Auge. Derdiyok stand zum Zeitpunkt des Vorfalls noch beim FC Basel unter Vertrag. In seiner ersten Bundesligasaison erzielte er für Leverkusen zwölf Tore in 33 Spielen.

Muslimische Profifußballer dürfen im Monat Ramadan das Fasten unterbrechen - das hat der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) nach Einholung eines theologischen Rechtsgutachtens durch die Al-Azhar-Universität, eine der führenden Autoritäten des Islams, bekanntgegeben. Der ZMD einigte sich mit der DFL, dem DFB und dem FSV Frankfurt nach einem gemeinsamen Treffen. Ausgelöst hatte die Debatte der Zweitligist: Die Spieler Soumaila Coulibaly, Pa Saikou Kujabi und Oualid Mokhtari hatten im Oktober des vergangenen Jahres eine Abmahnung erhalten, weil die gläubigen Muslime während des Ramadans gefastet hatten. Dies war ihnen laut Arbeitsvertrag ohne ausdrückliche Genehmigung des Clubs untersagt. Nun sei den Spielern Rechtssicherheit verschafft worden, wurde DFL-Geschäftsführer Christian Seiffert in einer Mitteilung zitiert.

Die Gelehrten der Al-Azhar-Universität kamen zu dem Schluss: Der Arbeitsvertrag zwischen dem Spieler und dem Verein zwinge den Profi zu einer bestimmten Leistung. "Und wenn diese Arbeit laut Vertrag seine einzige Einkommensquelle ist und wenn er im Monat Ramadan die Fußballspiele bestreiten muss und das Fasten Einfluss auf seine Leistung hat, dann darf er das Fasten brechen." Ausgenommen davon seien Amateure.

Die Finanzlage beim Zweitligisten Karlsruher SC ist offensichtlich dramatischer als bisher angenommen. "Zum Zeitpunkt der Antragstellung für die neue Lizenz waren wir eigentlich insolvent. Trotz der 308.000 Euro schwarzen Zahlen, die im letzten Jahr geschrieben wurden", sagte KSC-Präsident Paul Metzger am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung für Mitglieder und Fans des Vereins. Nur weil bis zur Lizenzbeantragung im März die Banken ihre Kreditlinien nochmals erhöht hätten und mit Hilfe von Unternehmern weitere 1,1 Millionen Euro aufgebracht werden konnten, habe der KSC die Lizenz von der DFL ohne weitere Auflagen bekommen, so Metzger.

Cristiano Ronaldo zeigt sich als vorbildlicher Profi: Der Weltfußballer des Jahres 2008 ist nach seinem enttäuschenden WM-Auftritt vier Tage früher als vereinbart ins Mannschaftstraining von Real Madrid eingestiegen. Der 25-jährige Portugiese absolvierte am Dienstag das volle Übungsprogramm und führte zudem ein langes Gespräch mit Reals neuem Coach José Mourinho. Portugal hatte im WM-Achtelfinale 0:1 gegen den späteren Weltmeister Spanien verloren - auch weil Superstar Ronaldo unter seinen Möglichkeiten blieb. Während der anschließenden Sommerpause wurde bekannt, dass Ronaldo Vater geworden ist. Über die Identität der Mutter wollte er keine Angaben machen.

Der frühere englische Nationalspieler Sol Campbell wechselt zum Premier-League-Aufsteiger Newcastle United. Der 35-jährige Verteidiger kommt ablösefrei vom FC Arsenal und unterschrieb einen Vertrag über ein Jahr. Campbell absolvierte 73 Länderspiele für England und hatte in der Rückrunde der vergangenen Saison nach einem Ausflug in die dritte Liga überraschend wieder bei seinem ehemaligen Club Arsenal angeheuert.

hut/sid/dpa

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