Kurzpässe Sevilla will Lehmann, Hitzfelds Kritik

Jens Lehmann wird seine Karriere möglicherweise in der Primeria Divisón beenden. Zwei frühere Meistertrainer kritisieren den deutschen Fußball. Cottbus ist weiter verschuldet, blickt aber optimistisch in die Zukunft.


Hamburg - Der FC Sevilla umwirbt Jens Lehmann und bietet dem Torhüter vom FC Arsenal einen Zweijahres-Vertrag an. Dies berichtet die englische Zeitung "The Times" heute. Lehmanns Vertrag bei den "Gunners" läuft am 30. Juni 2007 aus. Ob der 37-Jährige eine weitere Saison in der Premier League spielt, ist offen. In "The Times" wird spekuliert, dass Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller Lehmann bei Arsenal beerben könnte. Weidenfeller war auch Lehmanns Nachfolger gewesen, als dieser den BVB im Sommer 2003 verlassen hatte.

Torwart Lehmann: Entscheidung zwischen dem FC Sevilla und dem FC Arsenal
REUTERS

Torwart Lehmann: Entscheidung zwischen dem FC Sevilla und dem FC Arsenal

Die früheren Meistertrainer Ottmar Hitzfeld und Udo Lattek haben dem deutschen Fußball ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. "Die Bundesliga gehört nicht mehr zur absoluten Spitze in Europa. Nach dem WM-Titel 1990 hat man bei uns zehn Jahre Entwicklung im Nachwuchsbereich verschlafen. Diesen zehn Jahren rennt man jetzt hinterher", sagte Hitzfeld in einem gemeinsamen Interview mit Lattek dem "Handelsblatt". Lattek erklärte: " Man braucht auch einfach das nötige Spielerpotenzial. Was hatten wir 1974 für Weltklasse-Persönlichkeiten auf dem Feld stehen. Und wenn wir jetzt unser WM-Team, das Dritter wurde, anschauen, dann muss man sowohl die Weltklasse als auch die Persönlichkeiten schon mit der Lupe suchen. Das Niveau in der Bundesliga ist nicht gut."

Beide würden sich daher wünschen, dass auch ausländische Trainer in die Bundesliga kämen, die "die nötigen Impulse und Denkanstöße geben könnten", sagte Hitzfeld. Lattek fürchtet allerdings, dass ausländische Trainer gar nicht in Deutschland arbeiten wollten: "Die Bundesliga hat einfach ein großes Imageproblem. Zäumen wir das Pferd doch von hinten auf: Wo sind, außer Ballack, die deutschen Spieler im Ausland? Man hält von unseren Fachkräften nicht viel, warum sollten sie also auch zu uns kommen?"

Der FC Energie Cottbus hat 4,5 Millionen Euro Schulden. Das gab Club-Präsident Ulrich Lepsch gestern auf der Mitgliederversammlung bekannt. "Schon zum Ende der Vorsaison hätte eine schwarze Null unter der Bilanz gestanden. Aber dann mussten wir Gott sei Dank eine Aufstiegsprämie an die Mannschaft zahlen", erklärte Lepsch. Die Bedingungen für den Abbau der Verbindlichkeiten hätten sich aufgrund des Aufstiegss verbessert. Bei einem Verbleib in der 1. Bundesliga könnte Cottbus in drei bis fünf Jahren schuldenfrei sein. Vor 18 Monaten hatte dagegen noch die Gefahr bestanden, "dass der Verein ganz von der Landkarte verschwindet", so Lepsch. Verantwortlich machte er dafür das Präsidium seines Vorgängers Dieter Krein. Dieser habe nach dem Abstieg des Teams in der Saison 2003 "wirtschaftlich unvernunftig" gehandelt und den Club fast zur Pleite geführt. "Der Verein ist ein viel zu großes Risiko gegangen, der Etat wurde mit Vorgriff auf die Zukunft gezimmert", sagte Lepsch.

mt/sid/dpa



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