Kurzpässe Strafe für Halle, Todesanzeige für Brasilien

Der Hallesche FC muss wegen der Ausschreitungen bei der Pokalpartie gegen Hannover 10.000 Euro Strafe zahlen. Eine brasilianische Zeitung hat eine Todesanzeige für die Olympia-Auswahl des Landes veröffentlicht. Die deutschen Nationalspieler laufen künftig ohne Namen auf den Trikots auf.


Hamburg - Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den Halleschen FC wegen der Ausschreitungen während des DFB-Pokalspiels gegen Hannover 96 zu 10.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Das teilte der stellvertretende HFC-Vorstandsvorsitzende Jörg Sitte mit. "Wir haben das Urteil akzeptiert, obwohl uns die Geldstrafe hart trifft", sagte Sitte.

Ausschreitungen in Halle: 10.000 Euro Strafe für den Heimverein
AP

Ausschreitungen in Halle: 10.000 Euro Strafe für den Heimverein

Bei der Festlegung des Strafmaßes wirkte sich negativ aus, dass Halle in der vergangenen Saison bereits mehrfach vom Sportgericht des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes bestraft worden war. Strafmildernd wurde berücksichtigt, dass Vorstandsmitglieder des Clubs während der Ausschreitungen vor die Zuschauerblöcke gegangen waren, um die Anhänger zu beruhigen. Schiedsrichter Lutz Wagner musste die Partie in der 80. Minute beim Stand von 4:0 für den Bundesligisten für zehn Minuten unterbrechen, weil etwa 50 HFC-Anhänger abgebrochene Sitzschalen in Richtung Gästeblock warfen. Zuvor hatten die Fans aus Hannover Feuerwerkskörper gezündet. Die Partie endete 5:0 (1:0) für Hannover.

Für Halle könnte die Strafe nur der Anfang finanzieller Belastungen sein. Bei weiteren Vorfällen dieser Art hat das Sportgericht dem Regionalligisten Heimspiele unter teilweisem Ausschluss der Öffentlichkeit und eine Platzsperre angedroht. Der Vorstand des Clubs beziffert den durch die Ausschreitungen entstandenen Schaden auf weit über 100.000 Euro. Der Verein ist gezwungen, in die Sicherheit zu investieren. "Durch unsere selbst auferlegte Begrenzung der Zuschauerzahl beim mitteldeutschen Derby gegen den FC Sachsen Leipzig sind uns Bruttoeinnahmen in Höhe von etwa 50.000 Euro verloren gegangen", sagte der stellvertretende Vorstands-Vorsitzende Jörg Sitte. Zudem habe das Ansehen des Vereins gelitten. "Wir haben durch die Vorfälle einige Sponsoren und natürlich auch potentielle Besucher verloren. Man muss mit etwa 500 Zuschauern pro Heimspiel weniger kalkulieren als vor dem Saisonstart. Da fehlen dann auch noch einmal über 50.000 Euro im Etat", sagte Sitte.

Mit einer Todesanzeige hat die brasilianische Tageszeitung "O Globo" nach dem Olympia-Aus der Nationalmannschaft die Ablösung von Nationaltrainer Carlos Dunga gefordert. Das einflussreiche Medium druckte am Tag nach dem 0:3 der Olympia-Auswahl gegen Argentinien auf dem Titel des Sportteils eine großformatige Anzeige mit einem riesigen schattierten Kreuz und schwarzem Rand. Darunter war neben dem Geburtsdatum 2006 und dem Todesdatum 2008 folgender Text zu lesen: "Der brasilianische Fußball, fünfmal Weltmeister, informiert darüber, dass das Team von Carlos Dunga in Peking gestorben ist." Das "Begräbnis", so eine Anspielung auf das Spiel um Bronze gegen Belgien, finde am Freitag statt: "Wir bitten, von Blumengeschenken abzusehen." Selbst Staatspräsident Lula da Silva verlieh seiner Enttäuschung Ausdruck: "Ich war noch nie so sauer", sagte er.

Die deutschen Nationalspieler tragen ab sofort bei allen Länderspielen bis zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika Trikots mit den Nummern eins bis 18 und ohne Namen. Erstmals gilt diese Regel beim Länderspiel gegen Belgien in Nürnberg am Mittwoch (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Der DFB will vehement gegen diese Neuerung vorgehen. "Wir haben Protest eingelegt, der wurde abgewiesen. Wir werden aber nochmal dagegen vorgehen und hoffen, dass sich da auch andere Verbände einreihen", sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff: "Das ist nicht nur für die Fans schade, sondern auch für unser Merchandising." Die Anordnung zu missachten, stand für den DFB jedoch nicht zur Debatte. "Damit hätten wir eine Disqualifikation oder Strafpunkte riskiert", sagte Bierhoff.

Das Reglement des Weltverbandes Fifa für die WM in Südafrika besagt, dass Nationalmannschaften bei den Qualifikationsspielen zur WM-Endrunde entsprechend beflockte Trikots tragen müssen. Die Neuerung wurde nötig, weil nach internationalen Regeln der 18er Kader für ein Länderspiel erst 90 Minuten vor Spielbeginn festgelegt werden muss. Zwischen der WM 2006 und EM 2008 trugen die deutschen Nationalspieler bei jedem Länderspiel feste Rückennummern mit dem entsprechenden Namenszug. In Zukunft müssen die Rückennummern vor jeder Partie im jeweiligen Kader neu vergeben werden, und zwar nur bis zur Zahl der nominierten Akteure.

Jürgen Röber hat 17 Monate nach seinem Rücktritt bei Borussia Dortmund in Russland eine neue Aufgabe gefunden. Der 54-Jährige wurde vom Erstligisten Saturn Ramenskoje als Trainer verpflichtet. Röber tritt damit die Nachfolge des entlassenen Gaji Gajiew an. Medienberichten zufolge soll Röber einen Vertrag bis zum Saisonende erhalten haben.

Stürmer Djibril Cissé vom französischen Erstligisten Olympique Marseille steht vor der Rückkehr in die englische Premier League. Der 27-Jährige wechselt auf Leihbasis zum FC Sunderland. Einige Details müssten aber noch geklärt werden, sagte Marseilles Präsident Pape Diouf am Mittwoch auf der Internetseite des Clubs. Zwischen 2004 und 2006 spielte der französische Nationalspieler für den FC Liverpool.

Radomir Antic wird neuer Trainer der serbischen Nationalmannschaft. Er tritt die Nachfolge von Miroslav Djukic an, wie der serbische Fußballbund (FSS) am Mittwoch bekanntgab. Der 59-jährige Antic war früher Trainer in Spanien. Sein größter Erfolg war 1996 der Double-Gewinn mit Atlético Madrid. Sein neuer Zwei-Jahres-Vertrag in Belgrad läuft bis zur Weltmeisterschaft in Südafrika 2010.

Grund für Djukics Entlassung war nach Verbandsangaben das schlechte Abschneiden der Mannschaft beim olympischen Turnier in Peking. Mit Djukic, der erst Ende Dezember 2007 die Leitung der Nationalmannschaft übernommen hatte, schieden die Serben mit nur einem Punkt aus drei Spielen bereits nach der Gruppenphase aus.

ulz/sid/dpa



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