Kurzpässe Tevez gestraft, Cannavaro trotzig, Pfosten brüchig

Carloz Tevez ist ein Superstar in Argentinien. Bei seinem englischen Club schert das niemanden. Weil der Stürmer bockig war, muss er im Trikot des Erzrivalen trainieren. In der Landesliga wiederholte sich Geschichte, Europas Fußballer des Jahres steht über allem - auch den Kritikern.


Hamburg - "Die Leute scheinen ein sehr kleines Gedächtnis zu haben", sagte Fabio Cannavaro, der für den spanischen Rekordmeister Real Madrid spielt. "Ich habe zwei Titel mit Juventus Turin gewonnen, und bei der WM haben alle gesagt, ich sei der beste Abwehrspieler der Welt. Und nun heißt es plötzlich, man hätte die Trophäe nicht an einen Abwehrspieler geben sollen", erklärte der 33-jährige Verteidiger. Cannavaro ist nach den beiden deutschen Franz Beckenbauer und Matthias Sammer erst der dritte Defensivspieler, der den Goldenen Ball in Paris in Empfang nehmen durfte.

Europas Fußballer des Jahres Cannavaro (l.), Goldener Ball (M.), Schauspielerin Monica Belluci: Ein bisschen trotzig
AFP

Europas Fußballer des Jahres Cannavaro (l.), Goldener Ball (M.), Schauspielerin Monica Belluci: Ein bisschen trotzig

FC-Arsenal-Teammanager Arséne Wenger, der französische Nationaltrainer Raymond Domenech, Gerard Houllier vom französischen Meister Olympique Lyon und der frühere italienische Nationalcoach Arrigo Sacchi hatten die Ernennung Cannavaros teilweise heftig kritisiert. "Houllier hat gesagt, das sei verrückt", so Cannavaro. "Ich respektiere seine Meinung. Aber den Goldenen Ball habe ich zu Hause stehen."

Die Spieler des englischen Premier-League-Clubs West Ham United haben Carlos Tevez eine besonders bittere Lektion erteilt. Als Strafe dafür, dass der 22-jährige argentinische Superstar nach seiner Auswechslung im Heimspiel gegen Sheffield United (1:0) fluchtartig das Stadion Upton Park verlassen hatte, muss Tevez in den kommenden zwei Wochen alle Trainingseinheiten im Trikot des argentinischen Erzrivalen Brasilien absolvieren.

Nachdem sich Tevez am Montag öffentlich entschuldigt hatte, überließ es West Hams Teammanager Alan Pardew der Mannschaft, den Gaucho zu bestrafen. Neben der Trikot-Strafe muss Tevez zudem Teile seines Gehalts an ein Kinderkrankenhaus spenden.

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem legendären Pfostenbruch auf dem Mönchengladbacher Bökelberg im Spiel gegen Werder Bremen (3. April 1971) hat sich die Geschichte in der Fußball-Provinz wiederholt. In der Bezirksoberliga Lüneburg trat der Torhüter des TSV Auetal im Spiel bei Rot-Weiß Cuxhaven aus Wut über die schnelle Führung der Gastgeber mit solcher Wucht gegen den Pfosten, dass dieser brach.

Bereits vor der Partie bemängelte der Schiedsrichter einen zehn Zentimeter langen Riss oberhalb der Grasnarbe und wollte die Partie wegen der Verletzungsgefahr für die Spieler gar nicht erst anpfeifen. Zwei Cuxhavener Spieler besorgten sich jedoch kurzerhand ein Schweißgerät und konnten den Schaden beheben. Das Spiel wurde angepfiffen, um schließlich beim Stand von 2:0 für Rot-Weiß abgebrochen zu werden. Wie die Begegnung gewertet wird, entscheidet nun das Sportgericht. In der Saison 1970/71 bekam Bremen die Punkte aus dem beim Stand von 1:1 abgebrochenen Spiel (2:0 Punkte und 2:0 Tore) zugesprochen.

goe/sid

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