Kurzpässe Verschwörungstheorie in England, Babbel in Berlin

Der Chef des englischen Verbandes ist zurückgetreten - Grund sind Äußerungen über angebliche Schiedsricherbestechung durch Spanien und Russland bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft. Markus Babbel soll neuer Trainer bei Absteiger Hertha BSC werden, Maniche verlässt Köln.
Trainer Babbel: Zweijahresvertrag bei Hertha BSC

Trainer Babbel: Zweijahresvertrag bei Hertha BSC

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Hamburg - Schwarzer Tag für den englischen Fußball: Die Bewerbung des nationalen Verbandes (FA) um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2018 wird durch den Rücktritt von FA-Präsident David Triesman stark belastet. Nur wenige Stunden vor diesem Schritt hatte der 66-Jährige bereits sein Amt als Bewerbungs-Chef aufgegeben. "Nach den Vorkommnissen blieb mir keine andere Wahl", wird Triesmann in einer FA-Mitteilung zitiert.

Nach einem Bericht der Zeitung "Mail on Sunday" verdächtigt Triesman Spanien und Russland der Manipulation sowie einer möglichen Schiedsrichter-Bestechung bei der WM-Endrunde in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli). Die Zeitung zitiert aus einem Gespräch zwischen Triesman und seiner ehemaligen Geliebten Melissa Jacobs, das angeblich von ihr auf einem Tonband aufgezeichnet wurde.

In dem Gespräch soll Triesman die Vermutung geäußert haben, dass Spanien während der WM in Südafrika Schiedsrichter bestechen will und dabei auf Hilfe aus Russland hofft. Als Gegenleistung könnten die Spanier, die gemeinsam mit Portugal neben England und Russland die WM 2018 ausrichten wollen, ihre Bewerbung zurückziehen und dafür sorgen, dass ihre Sympathisanten im Exekutiv-Komitee des Weltverbands Fifa für Russland stimmen. "Eine private Unterhaltung mit jemanden, den ich für einen Freund hielt, wurde ohne mein Wissen aufgezeichnet und an eine Zeitung weitergereicht", so Triesman. In diesem Gespräch habe er Spekulationen über Verschwörungen in der Welt kommentiert, doch "diese Aussagen waren nicht ernst gemeint."

Nach Angaben des Blattes habe die FA vergeblich versucht, den Bericht durch einen richterlichen Beschluss verhindern zu lassen. Weder der russische noch der spanische Verband wollte sich zu den Vorwürfen äußern. Das englische WM-Bewerbungskomitee hat die Aussagen Triesmans derweil indirekt bestätigt. Die Engländer faxten Entschuldigungsschreiben an den russischen und den spanischen Verband sowie die Fifa. Darin distanziert sich das Komitee von den Aussagen des zurückgetretenen FA-Präsidenten. Die Fifa will am 2. Dezember dieses Jahres über den Ausrichter der WM 2018 entscheiden. Neben England, Russland, Spanien/Portugal bewerben sich auch die Niederlande/Belgien, die USA und Australien.

Bundesliga-Absteiger Hertha BSC und Trainer Markus Babbel sind sich offenbar über eine Zusammenarbeit einig geworden. Wie der "kicker" berichtet, soll Babbel einen Zweijahresvertrag erhalten. Als Co-Trainer werde Babbel Rainer Widmayer mitbringen, hieß es. Widmayer war beim VfB Stuttgart Babbels Assistent. Das neunköpfige Hertha-Präsidium wolle die Personalie bald absegnen. Babbel könne bereits am Montag, spätestens am Dienstag in Berlin präsentiert werden. Mitte der Woche hatte Manager Michael Preetz bekanntgegeben, dass der Vertrag mit Trainer Friedhelm Funkel nicht verlängert wird.

Laurent Blanc soll nach der WM in Südafrika neuer Trainer der französischen Nationalelf werden - wenn sein bisheriger Verein Girondins Bordeaux ihm keine Steine in den Weg legt. Der Club teilte am Sonntag mit, Blanc wolle aus seinem bis Juni 2011 laufenden Vertrag aussteigen, weil er ein Angebot des französischen Verbandes (FFF) annehmen und Nachfolger von Raymond Domenech werden wolle. Verbandsboss Jean-Pierre Escalettes bestätigte dies. Girondins will Blanc jedoch nicht so ohne weiteres ziehen lassen: "Girondins Bordeaux erwartet eine Erklärung des Verbandes zu einer Ausgleichszahlung für die Freigabe des Trainers", hieß es in der Mitteilung des Clubs.

Nach nur einer Saison verlässt der ehemalige portugiesische Nationalspieler Maniche den Bundesligisten 1. FC Köln und wechselt voraussichtlich zu Sporting Lissabon. "Maniches Wunsch, mit seiner Familie in sein Heimatland Portugal zurückzugehen, haben wir entsprochen", sagte FC-Manager Michael Meier. Der Kontrakt mit dem 32 Jahre alten Mittelfeldspieler wird zum 30. Juni aufgelöst. Köln war nach dem FC Porto, Dynamo Moskau, dem FC Chelsea, Atletico Madrid und Inter Mailand seit 2005 bereits sein sechster Klub im sechsten Land. Mitte April hatte Maniche durch eine "Stinkefinger-Affäre" für Aufsehen gesorgt. Der Portugiese hat in der abgelaufenen Saison insgesamt 30 Pflichtspiele für den FC absolviert und dabei drei Tore erzielt.

wit/sid/dpa
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