Kurzpässe Völler attackiert Daum, Kamerun verliert Trainer

Der Streit zwischen dem 1. FC Köln und Bayer Leverkusen um den Transfer eines Stürmers eskaliert. Ein Niederländer hat seinen Nationaltrainer-Posten in Afrika aufgegeben. In Italien ist AS Rom erneut ins Pokalfinale eingezogen.


Leverkusen - Rudi Völler, Sportchef von Bayer Leverkusen, hat in ungewohnter Schärfe Trainer Christoph Daum vom Lokalrivalen 1. FC Köln attackiert. "Wenn ich einen Ausdruck wie Moral aus seinem Mund höre, dann finde ich das abenteuerlich. Wenn es um den Begriff Moral geht, kann ich ihm gerne erklären, was er bedeutet", sagte Völler auf der Pressekonferenz vor dem Spiel der Leverkusener am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beim VfL Wolfsburg.

Bayer-Sportchef Völler: "Absolut korrekt verhalten"
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Bayer-Sportchef Völler: "Absolut korrekt verhalten"

Daum hatte nach dem bereits feststehenden Transfer von U21-Nationalspieler Patrick Helmes, der entweder im Sommer 2007 oder Sommer 2008 zu Bayer wechseln wird, die Transferpraktiken des Werksclubs kritisiert. "Unter Herrn Holzhäuser - Bayer-Boss Wolfgang Holzhäuser, d.Red. - werden alle moralischen Sitten über Bord geworfen", sagte Daum. Helmes hatte gestern bekannt gegeben, auf jeden Fall zu Bayer zu wechseln. Allerdings läuft sein Kontrakt bei den Geißböcken, nachdem der FC seine Option gezogen hat, bis 30. Juni 2008.

Völler wies die Daum'schen Vorwürfe zurück und entgegnete in Bezug auf Helmes, der bereits einen Vertrag bei Bayer unterschrieben hat: "Wir haben uns absolut korrekt verhalten. Der Spieler war auf dem Markt, so einfach ist das. Angesichts der Qualitäten eines Patrick Helmes ist es unsere verdammte Pflicht, uns um ihm zu kümmern. Wir können nichts dafür, dass der 1. FC Köln in der 2. Liga spielt." In Richtung Daum legte der 90-malige Nationalspieler, der jahrelang mit dem Erfolgscoach in Leverkusen zusammengearbeitet hatte, nochmal nach: "Es ist keine Überraschung, menschlich von Christoph Daum enttäuscht zu sein.

Der achtmalige Cupsieger AS Rom hat zum dritten Mal hintereinander das Endspiel im italienischen Pokal erreicht und will im vierten Anlauf binnen fünf Jahren mit Rekord-Cupsieger Juventus Turin gleichziehen. Das Team von Trainer Luciano Spalletti setzte sich im Halbfinal-Rückspiel vor eigener Kulisse mit 3:1 gegen den AC Mailand durch, nachdem das Hinspiel 2:2 ausgegangen war. Im Finale treffen die Römer auf den souveränen Liga-Spitzenreiter und Cupverteidiger Inter Mailand, dem nach dem 3:0-Auswärtssieg im Hinspiel ein 0:0 gegen Sampdoria Genua reichte.

Der neue Uefa-Präsident Michel Platini hat seine erste wichtige Personal-Entscheidung getroffen und den Italiener Gianni Infantino zum Interim-Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union (Uefa) ernannt. Er löst Lars-Christer Olsson aus Schweden auf dieser Position ab. Der Schwede, der enger Vertrauter von Platinis Vorgänger als Uefa-Chef, Lennart Johansson, ist, hatte zuvor sein Amt niedergelegt. "Ich hätte gerne weitergemacht, aber es gab mit der neuen Administration unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft", sagte Olsson der Nachrichtenagentur Reuters.

Platini, der aktiv ins Tagesgeschäft einsteigen will und Olsson deshalb Anfang der Woche offenbar schon eine Trennung nahegelegt hatte, erklärte in einer offiziellen Mitteilung: "In den vergangenen drei Jahren hat er hart daran gearbeitet, den Dialog zwischen der Uefa und den Interessens-Vertretern im europäischen Fußball zu verbessern. Ich bin sicher, dass diese Initiativen eine solide Basis für die weitere Entwicklung sein werden." Olsson forderte, dass Platini sich an diesen Worten messen lasse und nicht zu viele Änderungen durchführe. "Zerstören Sie nichts, was gut funktioniert", erklärte er Richtung des Europameisters von 1984: "Es gibt den Willen zu Veränderungen. Aber es gibt keinen Grund, die gute Arbeit kaputtzumachen, die bisher gemacht wurde", so Olsson.

Nach nur knapp einem halben Jahr ist der ehemalige Bundesliga-Coach Arie Haan als Nationaltrainer von Kamerun zurücktreten. Der zweimalige niederländische Vize-Weltmeister teilte seine Entscheidung dem Verband des afrikanischen Landes heute per E-Mail mit. Das bestätigte Verbands-Präsident Jean Lambert Nang. "Ich habe mich entschlossen, die Zusammenarbeit mit Kamerun ab dem 31. Januar 2007 einzustellen", heißt es in dem Schreiben. Unstimmigkeiten hatte es schon im vergangenen Herbst gegeben, als Haan - ohne jemanden zu informieren - das Land für zwei Monate verlassen hatte. Der Holländer haderte mit der Verbandsführung, die einigen seiner Forderungen auf sportlicher Ebene nicht nachgekommen war.

fpf/sid



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