Kurzpässe Werder stoppt Stadionausbau, Dortmund erwartet Mehreinnahmen

Mehr VIP-Logen statt normaler Zuschauerplätze: Werder Bremen hat die Umbaupläne für das Weserstadion geändert. Borussia Dortmund rechnet ab der übernächsten Saison mit zusätzlichen Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe. Ronaldo beginnt sein Reha-Programm.


Hamburg - Werder Bremen hat seine ursprünglichen Pläne zur Runderneuerung des Weserstadions modifizieren müssen. Der Aufsichtsrat beschloss gestern Abend, auf eine Kapazitätserweiterung von derzeit 42.100 auf 50.000 Plätze zu verzichten. Stattdessen wird das Stadion in eine reine Fußball-Arena verwandelt und die Zahl der VIP-Logen erhöht. " Wir haben es uns nicht leicht gemacht, es ist ein Sieg der Vernunft", sagte Willi Lemke, Ex-Manager und Aufsichtsratsvorsitzender des Bundesliga-Zweiten. Wegen der stark gestiegenen Stahlpreise wäre der Bauetat in Höhe von 60 Millionen Euro bei einem Ausbau, der einen dritten Rang und ein komplett neues Dach beinhaltete, nicht einzuhalten gewesen.

Dortmunds Geschäftsführer Watzke (r.): "glänzende wirtschaftliche Perspektiven"
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Dortmunds Geschäftsführer Watzke (r.): "glänzende wirtschaftliche Perspektiven"

Auch Werder-Finanzdirektor Manfred Müller verteidigte das Umdenken: "Unsere oberste Prämisse ist wirtschaftlich vernünftiges, verantwortungsbewusstes Handeln. Deshalb mussten wir auf die Kostenentwicklung reagieren." Seit der Jahrtausendwende sind die Preise für Stahl und Beton um mehr als 70 Prozent gestiegen. Bislang sind besonders die Zuschauer in den Kurvenbereichen weit vom Spielfeld entfernt. Daher sollen die Tribünen in der Ost- und Westkurve näher an den Rasen herangezogen werden. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Bremen in der vergangenen Woche die Klagen dreier Anwohner gegen die Baumaßnahmen abgewiesen hatte, sollen die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen und spätestens Ende 2009 abgeschlossen sein.

Borussia Dortmund erwartet ab der Saison 2009/10 deutliche Umsatz-Zuwächse. "Wir gehen ab der Bundesliga-Saison 2009/10 von neun bis zehn Millionen Euro Mehreinnahmen im Jahr aus und ab der Bundesliga-Saison 2010/11 von 15 bis 20 Millionen Euro im Jahr", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke "Focus-Money". Deshalb habe der Verein "glänzende wirtschaftliche Perspektiven", die den Club zu "großer wirtschaftlicher Stärke" zurückführen sollen. Die Mehreinnahmen sollen auf Grund neuer Sponsoring-Verträge und Vermarktungskonzepten generiert werden.

Dabei überlegt Watzke, ob er den Verein ab 2010 in Eigenregie - wie es beispielsweise Bayern München und Werder Bremen tun - vermarktet oder die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Vermarkter Sportfive zu anderen Konditionen und Rahmenbedingungen fortführt. Die Börse würde laut Watzke nach einer Erholung von der Krise der Finanzmärkte erkennen, dass der BVB trotz 130 Millionen Euro Schulden über 100 Millionen Euro Eigenkapital sowie ein Stadion im Wert von 200 Millionen Euro und somit über enormes Potenzial verfüge - die Marke BVB und den Wert der Mannschaft noch nicht mit eingerechnet.

Mit Einnahmen in Höhe von 137 Millionen Euro aus dem Trikotsponsoring haben Deutschlands Profi-Clubs einen neuen Spitzenwert erreicht. Die Erstligisten verzeichneten einen Zuwachs um 8,3 Prozent im Vergleich zur Vorsaison, in der 2. Liga betrug die Steigerung sogar 9,9 Prozent. Mit fast 418 Millionen Euro an gesamten Sponsoring-Einnahmen liegt die Liga zudem in Europa weiter ganz vorn.

26 Tage nach der schweren Operation wegen eines Patellasehnenrisses am linken Knie startet Ronaldo von Champions-League-Sieger AC Mailand sein Reha-Programm. Der 31-Jährige hatte sich in Paris operieren lassen. Der erfolgreichste WM-Torschütze der Geschichte (15 Treffer) wird voraussichtlich acht bis neun Monate ausfallen. Bereits 1999 und 2000 hatte er komplizierte Verletzungen am rechten Knie erlitten. Die derzeitige Verletzung hatte er sich im Nachholspiel von Milan gegen US Livorno (1:1) am 13. Februar zugezogen, nachdem er erst drei Minuten zuvor eingewechselt worden war.

Die kolumbianische Liga hat nach den schweren Ausschreitungen im Lokalderby zwischen America de Cali und Deportivo Cali harte Strafen gegen die beteiligten Funktionäre und Spieler verhängt. Die Partie wurde beim Stande von 1:0 für Deportivo abgebrochen, weil sich die Anhänger beider Stadtrivalen auf den Rängen eine wüste Massenschlägerei lieferten. Insgesamt wurden 80 Zuschauer, darunter viele Kinder, teilweise schwer verletzt. America-Coach Diego Umana, der mit einem Faustschlag gegen seinen uruguayischen Deportivo-Kollegen Daniel Carreno den Startschuss für die Handgreiflichkeiten zunächst auf dem Platz und später auf den Rängen gegeben hatte, wurde für elf Spiele gesperrt. Carreno muss zwei Begegnungen aussetzen. Ingesamt verhängte die Liga gegen 15 beteiligte Akteure der Prügelei Spielsperren, zudem werden im Stadion Pascual Guerrero die nächsten drei Meisterschaftsspiele ohne Zuschauer ausgetragen.

fsc/sid



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