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FC Bayern: Der indische Weg

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Kurztrip nach Indien Die Bayern graben nach Gold

Der FC Bayern fliegt für einen Blitztrip nach Indien, um gegen die dortige Nationalelf anzutreten. Aus sportlicher Sicht ist das egal, wirtschaftlich aber verheißungsvoll. Denn die Münchner könnten auf dem indischen Markt das ganz große Geld verdienen.

Christian Nerlinger spazierte mit einem Lächeln durch das Terminal B des Flughafens in Doha. "Ich freue mich sehr auf diesen Trip. Ich war noch nie in Indien und bin sehr gespannt, was uns erwartet", sagte der Sportdirektor des FC Bayern. Nach dem Trainingslager in Katar, das Coach Jupp Heynckes mit "der besten Vorbereitung meiner Karriere" umschrieb, bringen Nerlinger die ungewöhnlichen Strapazen für ein bedeutungsloses Freundschaftsspiel nicht aus der Ruhe.

Am Dienstagabend treten die Bayern um 18 Uhr Ortszeit gegen die indische Nationalmannschaft an. Dafür ist der Tross mit einer Sondermaschine von Doha aus rund drei Stunden nach Delhi geflogen. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff geht es zurück zum Airport. Neun Stunden dauert der anschließende Flug nach München, wo die Bayern am Mittwoch frühmorgens erwartet werden.

"Das sind eben die Zwänge, die man beim FC Bayern hat", sagt Heynckes, der weiß, dass der sportliche Aspekt des Ausflugs nebensächlich ist. Indien wird in der Fifa-Weltrangliste auf Rang 162 geführt. Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hat das Team deutlich verfehlt, scheiterte in Runde zwei an den Vereinigten Arabischen Emiraten (0:3, 2:2). Es geht bei dem Kurztrip vor allem um wirtschaftliche Interessen. Der Rekordmeister will mit seinem Auftritt in Indien, wo rund 1,2 Milliarden Menschen leben, die eigene Marke stärken.

Ein Dutzend Fans empfängt den FC Bayern am Flughafen

Einen Namen haben sich die Bayern in Indien bereits gemacht. 120.000 Zuschauer füllten vor drei Jahren beim Abschiedsspiel von Oliver Kahn gegen Mohun Bagan AC das Stadion in Kalkutta. Münchens einstiger Manager und heutiger Präsident Uli Hoeneß sagte staunend: "Die Begeisterung für den FC Bayern ist riesig." Dass in Sachen Euphorie noch Luft nach oben ist, zeigte am Montagnachmittag der Empfang am Indira Gandhi International Airport in Delhi. Gerade einmal rund ein Dutzend Fans war zum Flughafen gekommen, um die Bayern-Stars zu sehen.

Es wären wohl deutlich mehr gewesen, wenn ein indischer Bayern-Profi aus dem Flieger gestiegen wäre. Das wissen sie beim Rekordmeister und versuchen nun, talentierte Spieler in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Erde zu finden.

Das Scouting in Südamerika stellten die Münchner jüngst ein, um ihren Fokus auf Indien zu richten. "Der europäische Top-Club, der als erstes einen indischen Spieler in seinem Profi-Team unterbringt, sitzt auf Gold", sagt denn auch der deutsch-indische Fußballexperte Arunava Chaudhuri zu SPIEGEL ONLINE: "Indien sehnt sich nach einem Helden, der sich in Europa durchsetzt."

Premier League die Nummer eins in Indien

Bis jetzt hat das kein indischer Profi geschafft, und so spielt Fußball in dem Land nur eine Nebenrolle. Volkssport ist Kricket, in Sachen Fußball sind vor allem die Spieler aus England bekannt und berühmt. Die Premier League hat die TV-Übertragungsrechte für etwa zehn Millionen Euro pro Saison an ESPN India verkauft. Für die Bundesliga-Rechte zahlte Neo Sports gerade einmal eine Summe im niedrigen sechsstelligen Bereich.

Die englischen Top-Teams betreiben zwar Fußballschulen in Indien, lassen sich mit ihren Mannschaften aber kaum blicken. Die Bayern verfolgen eine andere Strategie. Mitte Mai veranstalten die Münchner zum ersten Mal den "FC Bayern Youth Cup". Im Vorfeld fanden Sichtungsturniere für 14- bis 16-Jährige in fünf Ländern statt, darunter China und Indien. Dazu kommt nun der Besuch samt Testspiel.

"Es ist durchaus vorstellbar, dass sich ein indischer Spieler eines Tages beim FC Bayern durchsetzt", sagte Nerlinger SPIEGEL ONLINE, "man sieht an den Japanern, die mittlerweile in der Bundesliga spielen, dass es in Asien ein großes Potential gibt. Es kommt aber natürlich darauf an, wie intensiv die Bemühungen sind."

Im Oktober und Dezember vergangenen Jahres flogen die Bayern-Verantwortliche nach Indien, darunter Paul Breitner. In Mumbai und Delhi durften mehr als tausend Talente vorspielen. Zehn wurden ausgewählt und werden als "Team India" begutachtet. Ist ein Spieler mit außergewöhnlichem Talent dabei, werden die Bayern versuchen, ihn ins Jugendinternat einzugliedern und zu fördern.

Bei seinem Besuch in Mumbai im Dezember prophezeite Breitner: "Innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre wird sich Indien zu einer großen Fußball-Nation entwickeln." Dann wollen die Bayern dort längst eine gewichtige Rolle spielen.

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