Länderspiel Die Schweizer haben auch keine Lust

Nicht nur Erich Ribbeck hat mit Absagen für den Länderspiel-Test am Mittwoch in Kaiserslautern zu kämpfen. Der Schweizer Fußball-Verband wird eine Auswahl zum Betzenberg schicken, die diesen Namen eigentlich nicht verdient.


Kaiserslautern - Ohne Cheftrainer und ohne die meisten Stars muss die Schweizer Fußball-Auswahl am Mittwoch in Kaiserslautern gegen Deutschland auskommen. Nach einer Absagenflut vor allem renommierter Führungskräfte zweifelte Interimscoach Hans-Peter Zaugg enttäuscht und verärgert an der Einstellung einiger Auswahlspieler. "Es müsste doch für jeden Schweizer Fußballer das Größte sein, gegen Deutschland spielen zu dürfen. Offenbar aber ist das nicht mehr bei allen Schweizer Profis der Fall", sagte er im Quartier in Homburg.

Sforza: "Haben genügend Potenzial, um Deutschland auf seine EM-Tauglichkeit zu testen"
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Sforza: "Haben genügend Potenzial, um Deutschland auf seine EM-Tauglichkeit zu testen"

Mit Stéphane Chapuisat, Stéphane Henchoz, Raphael Wicky und Sebastien Fournier fallen gleich vier aktuelle oder ehemalige Bundesliga-Legionäre aus, hinzu kommt Stürmerstar Kubilay Türkyilmaz. Gerade die Absage von Türkyilmaz brachte Zaugg in Rage. Der 33 Jahre alte Torjäger vom AC Bellinzona ist in der Schweiz schon dafür berühmt, dass er Freundschaftsspielen mit dem Hinweis auf Blessuren fernbleibt.

Diesmal nannte er eine Knöchelverletzung als Absagegrund. Zaugg konnte dafür kein Verständnis aufbringen: "Schon komisch, der 39-jährige Matthäus reist trotz 145 Länderspielen auf dem Buckel aus dem fernen New York zu einem Spiel gegen die Schweiz an, während es bei uns Spieler gibt, die nicht einmal für ein Match gegen Deutschland neue Kräfte freimachen wollen."

Ebenfalls fragwürdig erscheint Zaugg die kurzfristige Absage von Henchoz. Der ehemalige Verteidiger des Hamburger SV, inzwischen Teamkollege von Dietmar Hamann beim FC Liverpool, nannte Adduktorenprobleme als Grund. Keine Zweifel bestehen hingegen an den Verletzungen von Chapuisat, der nach seinem Weggang von Borussia Dortmund zu den Grashoppers Zürich wieder deutlichen Formanstieg offenbarte, sowie von Wicky (Werder Bremen) und des Ex-Stuttgarters Fournier (Servette Genf).

Zaugg, der nach der Demission von Gilbert Gress vorübergehend die Chefrolle übernahm, wird die Schweizer Nationalmannschaft letztmals als Interimscoach betreuen und sie danach dem neuen Nationaltrainer Enzo Trossero übergeben. Der Argentinier, der 1992 große Erfolge als Clubtrainer des FC Sion feierte und derzeit noch in den Diensten von Independiente Buenos Aires ist, soll die Eidgenossen in der Qualifikation gegen Russland, Jugoslawien, Slowenien, Luxemburg und Faröer Inseln zur WM 2002 führen.

Nachdem die Schweizer den Sprung zur EM 2000 knapp gegen Italien und Dänemark verpassten, blickt Lokalmatador Ciriaco Sforza trotz der momentan misslichen Situation optimistisch nach vorn: "In unserer Auswahl steckt genügend Potenzial, um in zwei Jahren wieder an einem Großturnier teilzunehmen - und auch Deutschland auf seine EM-Tauglichkeit hin zu testen."

Oliver Hartmann



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