Länderspiel in Leipzig Deutschland düpiert Kamerun

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist weiter auf dem Weg der Besserung. Gegen Kamerun kam das DFB-Team im vierten Spiel unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann zum dritten Sieg. Der 3:0-Erfolg hätte durchaus noch höher ausfallen können.


Jubel auf der deutschen Bank: Torschütze Kuranyi (Mitte) lässt sich feiern
DDP

Jubel auf der deutschen Bank: Torschütze Kuranyi (Mitte) lässt sich feiern

Leipzig - "Die Spieler haben ein Riesenlob von allen Seiten verdient", kommentierte Klinsmann den Erfolg seiner Mannschaft am Mittwochabend in Leipzig. "Kamerun ist eine sehr gute Mannschaft mit vielen starken Einzelspielern und hat uns das Leben zunächst schwer gemacht. Da waren die Räume eng. Aber ich war überzeugt davon, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis wir das erste Ding machen", sagte Klinsmann, "es war toll, wie die Mannschaft das Tempo hochgehalten hat. Die zweite Halbzeit war ein Riesenspaß. Ich bin dermaßen begeistert von der Mannschaft und stolz, dass ich mit ihr arbeiten darf. Jeder Spieler freut sich hier zu sein und bekommt von uns das Gefühl, auch mal Fehler machen zu dürfen."

Dem Stuttgarter Stürmer Kevin Kuranyi war in der 71. Spielminute der Führungstreffer gelungen. Dem Tor ging eine Kopfballvorlage durch Miroslav Klose voraus. Kuranyi stand plötzlich frei, lief noch ein paar Schritte und schoss dann überlegt ein. Der 22-Jährige hat damit unter Klinsmann fünf von neun Treffern erzielt. Insgesamt war es im 18. Länderspiel Kuranyis neuntes Tor.

Deutsche ließen viele Chancen aus

Der nach einer guten Stunde für Gerald Asamoah eingewechselte Bremer Klose war in der 78. Minute dann selbst erfolgreich. Torsten Frings hatte von der linken Seite geflankt, aufgrund einer missglückten Abwehr kam Klose doch noch an den Ball und schoss aus acht Metern ein. Auch das 3:0 erzielte der Werder-Angreifer, der 26-Jährige traf aus kurzer Distanz. "Wenn man reinkommt und der Gegner schon ein bisschen müde ist, hat man es einfacher, Tore zu machen", sagte Klose nach dem 750. Länderspiel des DFB, "in der ersten Hälfte haben wir nicht an uns geglaubt, dann hat der Trainer eine gute Halbzeitansprache gehalten."

Die im neuen roten Trikot angetretene deutsche Mannschaft hatte noch weitere gute Chancen. Kuranyi scheiterte mehrfach in aussichtsreicher Position. Asamoah war in der 51. Minute im Strafraum ausgerutscht, nachdem der Schalker den Torwart Kameruns schon ausgespielt hatte. Ein Freistoßtor Michael Ballacks wurde nicht anerkannt, da der Schiedsrichter den Ball nicht freigegeben hatte. "Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, auch schon in der ersten Halbzeit. Nach dem 1:0 hatten wir dann die Räume, um uns weitere Chancen rauszuspielen", freute sich der Spielmacher des FC Bayern.

Rote Riesen: Die deutschen Spieler hatten einen erfolgreichen Abend
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Rote Riesen: Die deutschen Spieler hatten einen erfolgreichen Abend

Für die deutsche Mannschaft war die Partie in Leipzig das letzte Heimspiel des Jahres. Im Dezember stehen auf der Asienreise drei Begegnungen gegen Japan, Südkorea und Thailand an. "Die Stimmung war sensationell, das Publikum fantastisch", lobte Ballack die 54.200 Zuschauer in der ausverkauften WM-Spielstätte. "Wir haben mit der ganzen Mannschaft eine super Leistung gebracht. Die Abstimmung hat gut funktioniert, deshalb haben wir kaum Torchancen zugelassen. Der Erfolg war verdient", bilanzierte Abwehrspieler Per Mertesacker von Hannover 96.

In der Defensivabteilung wurde Moritz Volz dann doch nicht eingesetzt, der junge England-Profi vom FC Fulham muss weiter auf sein Nationalmannschaftsdebüt warten. Das Tor des DFB-Teams hütete Jens Lehmann. Der Towart des FC Arsenal wurde von etlichen Zuschauern ausgepfiffen. "Schade, dass es einige Pfiffe gegen Jens Lehmann gab", sagte Teammanager Oliver Bierhoff, "aber so ist es nun mal. Sowohl Lehmann als auch Kahn haben ihre Sympathisanten." Oliver Kahn erlebte erstmals seit dem 17. April 2002 wieder ein Länderspiel auf der Ersatzbank. "Jens hat keinen Fehler gemacht und zu null gespielt", lobte Klinmann, "am Wechsel wird sich nichts ändern. Beide Torhüter können mit dem Druck umgehen."

Schäfer tief enttäuscht

Kamerun bot eine enttäuschende Leistung. Die Mannschaft von Trainer Winfried Schäfer hatte in der gesamten Partie keine Torchance, auch der hochgelobte Starstürmer Samuel Eto'o vom FC Barcelona brachte nur wenig zustande. Kamerun musste die Partie im neuen Leipziger Zentralstadion zu zehnt beenden. Wegen Meckerns hatte Djemba-Djemba in der 81. Minute die Gelb-Rote Karte gesehen.

Schäfers Zeit als Coach der Kameruner neigt sich nach der Niederlage wohl dem Ende entgegen. "Ich muss mich erst beruhigen", antwortete der ehemalige Bundesligatrainer auf die Frage, ob er persönliche Konsequenzen aus dem Debakel ziehen werde. "Ich habe nach dem Spiel unseren hohen Herren gesagt, dass wir uns blamiert haben", kritisierte Schäfer, "wenn man gegen ein Team wie Deutschland spielt, muss man sich auf das Spiel vorbereiten und kann nicht noch eine Stunde vorher über Prämien verhandeln. Wir wollten für das Land etwas gut machen, aber dann fällt die Spielersitzung aus."

Deutschland - Kamerun 3:0 (0:0)
1:0 Kuranyi (71.)
2:0 Klose (78.)
3:0 Klose (88.)
Deutschland: Lehmann (FC Arsenal/35 Jahre/21 Länderspiele) - Schneider (Bayer 04 Leverkusen/31/43), Mertesacker (Hannover 96/20/2), Huth (FC Chelsea/20/4), Lahm (VfB Stuttgart/21/13 - 66. Hitzlsperger/Aston Villa/22/2) - Frings (FC Bayern München/27/35) - Schweinsteiger (FC Bayern München/20/7), Ernst (SV Werder Bremen/25/11 - 80. Borowski/SV Werder Bremen/24/6) - Ballack (FC Bayern München/28/48) - Asamoah (FC Schalke 04/26/22 - 62. Klose/SV Werder Bremen/26/43), Kuranyi (VfB Stuttgart/22/18)
Kamerun: Kameni (Espanyol Barcelona/20/24) - Song (Galatasaray Istanbul/28/90), Mettomo (1. FC Kaiserslautern/27/45 - 34. Perrier-Doumbé/Stade Rennes/26/21), Tchato (1. FC Kaiserslautern/29/48) - Geremi (FC Chelsea/25/72), Djemba-Djemba (Manchester United/23/29), Atouba (Tottenham Hotspur/22/26) - Mbela (Sporting Lissabon/24/2 - 55. Feutchine/POAK Saloniki/27/7), Makoun (OSC Lille/21/13), Eto'o (FC Barcelona/23/48 - 88. N'Diefi/Al-Gharafa/Katar/31/38) - Job (FC Middlesbrough/26/51 - 73. Bilayi/Paris St. Germain/23/1)
Schiedsrichter: de Santis (Italien)
Zuschauer: 54.200 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Song, Mettomo
Gelb-Rote Karte: Djemba-Djemba (Kamerun, 81.) wegen Meckerns



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