Länderspiel Partielle Wiederaufrichtung im Regen von Zagreb

Im drittletzten Testspiel vor der in 75 Tagen beginnenden Fußball-Europameisterschaft erreichte die deutsche Nationalmannschaft im Dauerregen von Zagreb ein 1:1 gegen Kroatien. Zumindest eine Halbzeit lang bot das Team von Erich Ribbeck eine ordentliche Leistung.


Zagreb - Erich Ribbeck sprach davon, dass man "im Wasser schlecht Fußball spielen kann". Der in der Bundesliga in Diensten des Hamburger SV stehende Kroate Nico Kovac befand, dass das "Spiel gar nicht erst hätte angepfiffen werden dürfen." Zu Beginn der als "Revanche für das WM-Viertelfinale 1998" ausgerufenen Partie zwischen Europameister Deutschland und Kroatien herrschten im Maksimir-Stadion von Zagreb irreguläre Verhältnisse: tiefer Boden, das Spielfeld "übersät mit Pfützen" (Ribbeck). Dennoch kannte der slowakische Schiedsrichter Lubos Michel kein Pardon mit den Aktiven und pfiff an.

Pitschepatschenass: Kroatiens Jarni (o.) und Ulf Kirsten auf der Suche nach dem Ball
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Pitschepatschenass: Kroatiens Jarni (o.) und Ulf Kirsten auf der Suche nach dem Ball

Es entwickelte sich eine Begegnung, in der die deutsche Mannschaft zunächst weitaus besser mit den Verhältnissen klar kam als die Gastgeber. Fünf Wochen nach der Pleite gegen Holland in Amsterdam ging das kämpferisch überzeugende Team von Erich Ribbeck vor 12.000 Zuschauern in der 12. Minute durch das erste Länderspiel-Tor des Berliners Marko Rehmer in Führung. Doch nach der Pause verloren dei Deutschen die Kontrolle über das Spiel und wurden mit dem Ausgleich durch Niko Kovac (70.) bestraft.

Der letzte EM-Härtetest auf fremdem Boden entpuppte sich für die deutsche Nationalmannschaft als Muster mit nur bedingter Aussagekraft. Stundenlanger sintflutartiger Regen über der kroatischen Hauptstadt sorgte eine Halbzeit lang für völlig irreguläre Bedingungen, die an das WM-Halbfinale 1974 im Frankfurter Waldstadion zwischen Deutschland und Polen erinnerten. Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich der Rasen des Maksimir-Stadions in eine Seenplatte, die erst im zweiten Durchgang allmählich versickerte.

Bei diesen widrigen Umständen waren einfache Mittel gefragt. Dabei entdeckte die kompakt stehende deutsche Mannschaft ihre bekannten kämpferischen und läuferischen Tugenden wieder. Über das spielerische Potenzial seiner nach mehreren Absagen aus der Not heraus geborenen Elf erhielt Ribbeck indes keine brauchbaren Aufschlüsse, war aber nach dem Abpfiff im Hinblick auf die Europameisterschaftsendrunde in Holland und Belgien der Meinung, "dass der ein oder andere uns nun mehr zutraut, als das vor der Partie der Fall gewesen ist".

Die frühe Führung für Ribbecks Team durch Rehmer war allerdings eher ein Produkt des Zufalls. Der Berliner, erstmals seit der Florida-Reise im Februar 1999 wieder im DFB-Trikot, traf auf Flanke von Dietmar Hamann mit einer Kopfball-"Bogenlampe" (12.) ins Netz, wobei der kroatische Schlussmann Pletikosa offenbar Standprobleme hatte. Das Länderspiel-Comeback des früheren Rostockers dauerte allerdings nur 45 Minuten. Zur Pause wurde Rehmer wegen muskulärer Probleme an der Leiste gegen den Leverkusener Carsten Ramelow ausgewechselt.

Der WM-Dritte kam in den ersten 45 Minuten nur einmal gefährlich vor das deutsche Tor. Als der Ball nach einer Ecke von Robert Jarni in einer Pfütze liegen blieb, war der Leverkusener Boris Zivkovic so überrascht, dass er keinen platzierten Schuss zu Stande brachte. Oliver Kahn und Jens Nowotny konnten die Situation gemeinsam bereinigen.

Im zweiten Durchgang erhöhten die Kroaten bei besser werdenden Platzbedingungen ihren Druck auf die deutsche Abwehr. Dabei verlor das Mittelfeld des Europameisters zunehmend die Übersicht und gab das Heft aus der Hand. Ein Fehlpass des einmal mehr unglücklich agierenden Bierhoff im Mittelfeld leitete den Ausgleich ein, den der Hamburger Bundesliga-Profi Niko Kovac per Kopfball auf Flanke von Suker erzielte. Zwei Minuten später verhinderte Kahn gegen den freistehenden Boksic sogar einen drohenden Rückstand.



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