Krise im Deutschen Fußball-Bund Amateurvertreter fordern Keller wegen Nazivergleich zum Rücktritt auf

Die Präsidenten der Landes- und Regionalverbände des Deutschen Fußball-Bundes haben Präsident Fritz Keller den Rücktritt nahegelegt. Auch Generalsekretär Friedrich Curtius wurde das Vertrauen entzogen.
Fritz Keller

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ANNEGRET HILSE / REUTERS

DFB-Präsident Fritz Keller ist im Machtkampf nach seinem Nazivergleich von den Chefs der Landes- und Regionalverbände zum Rücktritt aufgefordert worden. Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Sonntag nach einem zweitägigen Krisengipfel in Potsdam mitteilte, sei dem DFB-Boss und Generalsekretär Friedrich Curtius das Vertrauen entzogen worden. Vizepräsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge sei dagegen das Vertrauen der Landeschefs ausgesprochen worden.

Zudem habe sich die Versammlung gegen einen außerordentlichen Bundestag ausgesprochen.

»Die Konferenz der Präsidenten der Regional- und Landesverbände missbilligt den von DFB-Präsident Fritz Keller vorgenommenen Vergleich des 1. Vizepräsidenten Rainer Koch mit dem Nazi-Richter Roland Freisler«, hieß es in einem Statement. Eine derartige Äußerung sei »völlig inakzeptabel und macht uns fassungslos. Sie wird auf das Schärfste verurteilt. Die Äußerung des Präsidenten ist mit den Grundsätzen und Werten der Verbände nicht vereinbar.«

Nach Informationen des SPIEGEL stimmten 26 der Amateurvertreter für eine Rücktrittsforderung an Keller, neun stellten sich dagegen. Zwei Vertreter enthielten sich bei der Abstimmung. Bei der Abstimmung über Generalsekretär Curtius fiel das Ergebnis weniger eindeutig aus: 20 Vertreter entzogen ihm das Vertrauen, 14 stimmten zu seinen Gunsten, drei enthielten sich.

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Der öffentliche Druck auf den DFB in seiner massiven Führungs- und Außendarstellungskrise war in den vergangenen Tagen massiv gestiegen. Der 64 Jahre alte Keller war nach einem Nazivergleich in einer Präsidiumssitzung in Erklärungsnot geraten. Er hatte Koch als »Freisler« bezeichnet und so mit Roland Freisler, dem Vorsitzenden des Volksgerichtshofs im Nationalsozialismus, verglichen. Keller hatte daraufhin Koch um Entschuldigung gebeten.

Am Rande des Meetings in Potsdam kam es zu einer Aussprache von Keller und Koch. Die Entschuldigung Kellers wurde allerdings von Koch weiterhin nicht akzeptiert. »Fritz Keller und ich haben uns in einem ausführlichen respektvollen Gespräch ausgetauscht, in dem er mir noch einmal seine Entschuldigung übermittelt hat«, wurde Koch vom DFB zitiert, »ich habe diese Entschuldigung entgegengenommen. Eine Bewertung des Sachverhalts überlasse ich den dafür zuständigen Gremien und möchte den Sachverhalt daher nicht weiter kommentieren.« Der Fall beschäftigt inzwischen auch die Ethikkommission des DFB.

ara/dpa/sid

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