Lange Pause FC Bayern bestätigt Deislers Depressionen

Sebastian Deisler wird auf unbestimmte Zeit nicht für den FC Bayern spielen können. Wie der Münchner Chefcoach Ottmar Hitzfeld erklärte, leidet der 23-jährige Profi unter Depressionen. Nach Zeitungsberichten befindet sich Deisler zur Behandlung in einer Münchner Spezialklinik.


Sebastian Deisler: "Jeder Spieler reagiert anders auf Druck"
DDP

Sebastian Deisler: "Jeder Spieler reagiert anders auf Druck"

München - "Er ist in Behandlung. Wir haben gehofft, dass er nach den hervorragenden Leistungen den Durchbruch schafft. Nun ist das ein Rückschlag für alle Beteiligten", sagte Hitzfeld am Freitagmittag, "ich gehe davon aus, dass er erst wieder im neuen Jahr spielen kann."

Zeitungsmeldungen, nach denen es sich bei Deislers Erkrankung um das "Burnout-Syndrom" handeln soll, wollte Hitzfeld nicht bestätigen. Der FC Bayern München kündigte für Freitagnachmittag eine Pressekonferenz mit Manager Uli Hoeneß und dem behandelnden Arzt an.

Nach Informationen der Münchner Tageszeitung "tz" wird Deisler derzeit im Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie betreut. Es bestünden Parallelen zum Fall des Hannoveraner Profis Jan Simak. Der 25 Jahre alte Tscheche ist seit Wochen wegen eines Erschöpfungssyndroms krankgeschrieben und war mehrere Tage aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Deisler kann sich wegen seiner Erkrankung momentan auch nicht um seine schwangere Freundin Eunice kümmern, die im Januar ein Kind erwartet. Zuletzt waren in der Schwangerschaft immer wieder Komplikationen aufgetreten. Wie lange Deisler dem FC Bayern nicht zur Verfügung stehen wird, ist ungewiss.

Zuletzt gute Leistungen

Der Mittelfeldspieler hatte zuletzt vor zwölf Tagen in der Bundesliga-Partie gegen Borussia Dortmund (4:1) für die Münchner gespielt und dabei eine ansprechende Leistung gezeigt. Für das folgende Länderspiel gegen Frankreich sagte Deisler wegen einer Muskelverhärtung ab.

Zudem hatte den als sensibel und introvertiert geltenden Jungstar zuletzt - nach Vereinsangaben - eine Grippe geschwächt. Noch vor der Partie gegen Dortmund war Deisler von den Bayern-Fans zum "Spieler des Monats" gewählt worden. Nach einem Muskelfaserriss hatte er im Oktober nach wochenlanger Pause ein beachtliches Comeback gefeiert.

Deisler immer wieder ausgefallen

Deisler, der in seinen fünf Profijahren 15 schwere Verletzungen erlitt und fünfmal operiert werden musste, war im Sommer 2002 für eine Ablösesumme von 9,2 Millionen Euro von Hertha BSC zum FC Bayern gewechselt. Wegen einer im Länderspiel gegen Österreich im Mai 2002 erlittenen Knieverletzung hatte er praktisch das komplette erste Jahr beim deutschen Meister pausieren müssen und auch bei der WM gefehlt.

Erst gegen Ende der vergangenen Saison war Deisler zu einigen Kurzeinsätzen gekommen. In der laufenden Saison erzielte er neun Bundesligaspielen drei Tore. Innerhalb der Mannschaft gilt Deisler als Einzelgänger, der zudem die Öffentlichkeit meidet. "Natürlich ist Druck vorhanden. Jeder Spieler reagiert anders darauf. Das darf man nicht unterschätzen", sagte Hitzfeld zu den Problemen Deislers.

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