Legendäre Fußballtrikots Ärger um Ärmel, Frust wegen Fett

Fußballtrikots sind Symbole, manchmal sogar für ein nationales Trauma. Keinesfalls sollte man vergessen, sie anzuziehen. Das Magazin "11 FREUNDE" hat einige der kuriosesten Episoden um die besonderen Leibchen zusammengestellt.

"Kein Ärmel, kein Spiel", bellte Keith Cooper, Sprecher des Weltfußballverbandes Fifa, den Verantwortlichen des Afrika-Meisters Kamerun entgegen, als sie bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan zum Auftakt gegen Irland in Trikots ohne Ärmel antreten wollten.

Später einigte man sich mit den grauen Eminenzen des Weltverbandes auf einen Kompromiss: sogenannte Ärmelklappen wurden hinzugefügt. Mindestens ebenso streng verfuhr die Fifa mit den Kroaten. Bei einer Besichtigung des rot-weiß karierten Trikots zur WM 2006 diagnostizierte der Verband zu viele weiße Flecken und verdonnerte den Verband zur Anbringung von zwei weiteren roten Quadraten auf dem Rücken.

Marcell Fensch, unglückseliger Kicker des 1. FC Köln, hätte sich in der Kabine lieber noch einmal umschauen sollen. Als Fensch am 14. Oktober 1997 im Heimspiel gegen Schalke 04 beim Stand von 0:0 für den verletzten Dirk Schuster eingewechselt werden sollte, bemerkte er, dass er vergessen hatte, sein Trikot anzuziehen. Fensch spurtete in die Katakomben und meldete sich vier Minuten später einsatzbereit. Ein klein wenig zu spät, gegen zehn Kölner hatte Schalke durch Oliver Freund den Führungstreffer erzielt. Später traf noch der Niederländer Youri Mulder für die Gäste, die 2:0 gewannen. Am Ende der Saison stieg Köln als Vorletzter ab.

Schwarze Trikots auch für Spieler

Ein Blick in die aktuelle Spielordnung des Deutschen Fußball-Bundes verrät: Die Heimmannschaft muss in der vor Saisonbeginn gemeldeten Spielkleidung antreten oder im anderen Fall den Spielgegner rechtzeitig davon unterrichten.

Wenn zwei Mannschaften die gleiche oder nach Ansicht des Schiedsrichters nicht genügend unterschiedliche Spielkleidung haben, so muss der Gastverein die Kleidung wechseln. Schwarze Spielertrikots sind zulässig, jedoch nur, wenn das amtierende Schiedsrichterteam freiwillig eine andersfarbige Kleidung verwendet.

Selbst Zeugwarte sind nicht unfehlbar. Beim Gastspiel in Köln anno 2001 durften die Bayern ihre Aufwärmleibchen gleich anbehalten. Der Schiedsrichter hatte die Trikots beider Mannschaften als zu ähnlich befunden, die vorgeschriebenen Ausweichtrikots hatte Zeugwart Charly Ehmann in München gelassen. Nach dem 2:0-Auswärtssieg gab der bayerische Komiker-Barde Michael Mittermeier den scharfen Analysten: "Die Bayern hätten auch ihren Torwart vergessen können, den 1. FC Köln hätten sie trotzdem geschlagen."

Frankfurts übergewichtige Truppe

Als die versammelte Truppe von Eintracht Frankfurt im Sommer 2007 zum Schießen des Mannschaftsfotos antreten musste, war bei einigen Kickern wohl der Urlaubsspeck noch nicht abtrainiert. Damit die Trikots keine unschönen Wellen und Falten schlugen, fixierten kurzerhand Wäscheklammern die Leibchen der gesalbten Häupter, um den Großgeldgeber auf der Trikotbrust optimal zu präsentieren.

Zu einer Kleiderpräsentation wider Willen kam Andreas Köpke. Den nötigte der Präsident des VfB Stuttgart nach der EM 1996, vor den Kameras ein VfB-Trikot hochzuhalten und verkündete nassforsch, es gebe bereits einen fertig ausgehandelten Vertrag. Was die Emissäre des FC Barcelona, mit denen Köpke zeitgleich auch verhandelte, dazu brachte, ihrerseits alle Gespräche einzustellen. Am Ende landete Köpke in Marseille.

Die blau-weiße Dortmunder Borussia

Das weiße Trikot von River Plate Buenos Aires ist eines der schönsten überhaupt, der rote Diagonalstreifen unverwechselbar. Die Legende seiner Entstehung ist schlicht: In einer Karnevalsnacht sei ein alter Fuhrwagen zum Parken abgestellt worden, an dessen Rückseite ein rotes Band hing. Spieler von River Plate sollen die Schärpe gemopst und damit ihre noch blanken Trikots verziert haben. Den Kniff mit dem roten Diagonalstreifen hatten auch andere schon früh heraus: 1909 gründeten katholische Jugendliche, um ihren Kaplan zu ärgern, den "Ballspielverein Borussia" zu Dortmund. Zu erkennen waren sie alsbald an den roten Streifen auf blau-weißen Jerseys. Die Farben der Borussia sind heute allerdings Gelb-Schwarz. Blau-Weiß tragen andere.

Wie Brasiliens Markenzeichen entstand

Das Markenzeichen der brasilianischen Seleção, die Kombination aus gelb-grünem Hemd, blauen Shorts und weißen Socken, diente der Bewältigung eines Traumas. Nach der historischen Schlappe bei der WM 1950 im eigenen Land gegen Uruguay, erlitten in weißen Jerseys, wurde ein Designwettbewerb ausgeschrieben, den der 19-jährige Aldyr Garcia Schlee gewann, mit eben jenem gelb-grün-blauen Geistesblitz, der von den Farben der brasilianischen Nationalflagge inspiriert wurde.

Kuffours Nachhilfe für die Bayern

In den neunziger Jahren lief der FC Bayern gerne mal in einer geschichtsvergessenen blau-roten Variante auf. Und es bedurfte des traditionsbewussten Samuel Osei "Sammy" Kuffour, der anlässlich der Meisterfeier 2003 rebellierend den Rathausbalkon erklomm und ins Mikrofon blökte: "Rot-weiße Trikots, wir wollen rot-weiße Trikots". Münchens Manager Uli Hoeneß hörte auf den Ghanaer, der FC Bayern kehrte zu seiner angestammten Kombination zurück.

Als Materazzi Zidanes Angebot ablehnte

Gegen das wohl berühmteste Geschenkangebot der Fußballhistorie entschied sich der italienische Rüpel Marco Materazzi, als er die Vorgeschichte zu Zinédine Zidanes Kopfstoß im WM-Finale 2006 referierte: "Ich habe an seinem Trikot gezogen. Da hat er gesagt: Wenn ich sein Trikot unbedingt haben wolle, könne ich es ja nach dem Abpfiff haben. Ich habe geantwortet, dass mir seine Schwester lieber wäre."

Lesen Sie morgen im zweiten Teil der Serie, welcher Club mit einem Trick Alkoholwerbung auf sein Jersey brachte und was seltene Trikots bei Versteigerungen erzielen.

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