Legendäres Training Als Uwe Klimaschefski den Platzwart fesseln ließ

Es sollte ein Straftraining des FC Homburg werden, doch ein störrischer Rasenwächter wollte das verhindern. Da griff Uwe Klimaschefski in die Indianer-Trickkiste. Im Magazin "11FREUNDE" erinnert sich der ehemalige Bundesligatrainer an seine skurrilste Übungseinheit.

Tatort Marterpfahl: "Trainer, warum die Sprungseile?"
dpa

Tatort Marterpfahl: "Trainer, warum die Sprungseile?"


Man hat mich mal zitiert mit dem Satz: "In Homburg darf ich als Einziger bei Rot über die Ampel fahren." Da ist vermutlich was dran. Zu meiner Zeit als Trainer beim FC genoss ich quasi völlige Narrenfreiheit. Und der Erfolg gab mir Recht: 1976 spielten wir eine ordentliche Rolle in der zweiten Bundesliga, am Ende wurden wir Dritter. Doch in Homburg erinnert man sich an eine ganze andere Posse aus dieser Zeit: Wie ich den Platzwart an den Pfosten fesseln ließ.

Es war Rosenmontag, und eigentlich hatte ich der Mannschaft freigegeben. Weil die am Wochenende aber ziemlich mies gespielt hatte, trommelte ich die Jungs trotzdem zusammen. Ein altbewährtes Mittel, um mich für schwache Leistungen am Spieltag zu revanchieren, auch wenn meine Frau noch meinte: "Lass den Jungs doch ihren freien Tag." Nein, nach dieser Vorstellung sollten sie schwitzen.

Damals hatten wir in Homburg zwei Plätze zur Auswahl: einen Rasenplatz, auf dem wir auch unsere Punktspiele austrugen, und einen Hartplatz. Der war tatsächlich so hart, man hätte dort ohne große Probleme einen Jumbo landen können. Ich habe meistens trotzdem darauf trainieren lassen, der Rasenplatz sollte am Wochenende schließlich nicht aussehen wie ein Nagelbrett.

Als ich am besagten Rosenmontag meinen Wagen auf dem Gelände parkte, stand ein Mann schon da, um mich herzlich zu begrüßen: "Klimaaa, Hartplatz!" Unser rothaariger Platzwart, von allen nur "Brüder" genannt. Ein super Typ, aber sehr aufbrausend. Gleichzeitig betrieb er gemeinsam mit seiner Frau die Vereinsgaststätte, die direkt an den Plätzen lag. Als er mich so energisch begrüßte, merkte ich schon: Der ist bereits reichlich derangiert.

"Klimaaa, runter vom Rasen!"

Er wollte uns nicht auf den Rasen lassen, aber ich hatte eigentlich nur ein kurzes Spiel eingeplant, und das sollte gefälligst nicht auf der Staublunge stattfinden. Meine Jungs sollten schließlich nicht mit ausgetrockneten Kehlen in den Rosenmontag entlassen werden. Kurzum: Ich schickte die Spieler aufs frische Grün. Während die Mannschaft also schon am Spielen war, stand "Brüder" immer noch vor seiner Wirtschaft, torkelte herum und schrie sich die Seele aus dem Leib: "Klimaaa, runter vom Rasen!"

Irgendwann ging er mir gehörig auf den Geist. Ich musste handeln. Also hab ich mir einen jungen Spieler beiseite genommen und dem gesagt: "Hole mal die Sprungseile aus der Kabine." Der war völlig verdattert: "Trainer, warum die Sprungseile?", rannte dann aber doch los und brachte mir die Dinger. Ich pfiff das Spiel ab und holte die Mannschaft zusammen.

"Ihr geht jetzt runter vom Platz, nehmt ihn gefangen und fesselt ihn mit den Seilen." Als die Spieler den Platzwart niedergerungen und ihm Hände und Füße verbunden hatten, fragten sie mich: "Trainer, was jetzt?" Ich sagte: "An den Torpfosten binden." Ich habe die Bälle auf die Strafraumgrenze legen und dann mit Schmackes auf den Schreihals schießen lassen. Der hat einige Bälle abbekommen, aber einknicken ging ja nicht, dafür hatten ihn die Jungs zu gut festgebunden.

Allerdings: So schlimm war das nun auch wieder nicht, seinen Kopf konnte er frei bewegen und von zehn Schüssen haben vielleicht vier ihr Ziel gefunden. Das ging fast 15 Minuten so, bis plötzlich seine Frau mit einem langen Brotmesser aus der Wirtschaft auf den Platz spurtete und ihren Mann vom Pfosten schnitt. Am nächsten Morgen reicht mir meine Frau die Zeitung mit der Schlagzeile: "Trainer fesselte Platzwart an Pfosten!" Heute wohnt "Brüder" gleich bei mir um die Ecke in Homburg. Sauer ist er offenbar nicht mehr, jedenfalls werde ich immer sehr nett begrüßt.

Protokoll: Alex Raack



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