Lehmann-Nachfolge Enke trotz Niederlage ein Gewinner

Er muss nicht einmal den Ball berühren, um ein Tor zu verhindern. Robert Enke ist bekannt für sein ausgezeichneten Stellungsspiel. Dass die DFB-Elf gegen Dänemark verlor, lag denn auch nicht an ihm. Er kassierte ein Sonderlob und darf wohl wiederkommen.

Von Markus Tischler


Hamburg - Enke hatte in dieser Szene kurz vor der Pause alles richtig gemacht, als Thomas Kahlenberg frei vor ihm auftauchte. Zuvor hatte die Dänen fein kombiniert und die Deutschen in der Abwehr schlecht aussehen lassen. Nur Enke eben nicht. Der lief auf den angreifenden Spieler zu, wackelte ein wenig mit dem Oberkörper - und wartete. Ein wenig zu lang für Kahlenberg, der den Ball links am Torhüter vorbeispielte, ein wenig zu schnell und zu lang, und damit ins Aus. Und danach, ja, da ballte der Torhüter die Hände zu Fäusten. Man kann sich schließlich auch über das Verhindern von Toren freuen, wenn man sich die Handschuhe nicht schmutzig zu machen braucht.

Torwart Enke: Starke Leistung
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Torwart Enke: Starke Leistung

Es war nicht der einzige Moment in dieser Partie, in der Enke ein Gegentor verhinderte. Schon nach 75 Sekunden parierte er einen Freistoß von Daniel Agger, aber in der 81. Minute, da war auch er machtlos, als Nicklas Brendter aus wenigen Metern den einzigen Treffer des Abends erzielte. Aber wer hätte den halten sollen? Jens Lehmann? Timo Hildebrand? Selbst Oliver "King" Kahn zu seinen besten Zeiten hätte dem Ball wohl nur hinterherschauen können. Kann halt nicht jeder so viel Glück haben wie Dänemarks Keeper Jesper Christiansen, der zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, und später zweimal einen Treffer der Deutschen verhinderte. Oder vielmehr einmal dem eines eigenen Verteidigers, von dem der Ball abprallte und dem Torwart an den Oberkörper sprang. Und schließlich war auch noch die Latte im Weg.

Egal. Bundestrainer Joachim Löw lobte Enke nach der Partie. Der Hannoveraner habe sich sehr stark gezeigt, "mit seiner Leistung kann man absolut zufrieden sein". Freilich nicht so stark, dass Lehmann nun Angst haben müsste. Der, sagte Löw weiter, bleibe die Nummer eins. Die Reihenfolge dahinter jedoch könnte sich ändern, auch wenn Löw sagte: "Es herrscht keine Eile, dass wir da eine Entscheidung treffen müssen." Schließlich sei es bis zur EM noch mehr als ein Jahr und "Timo Hildebrand hat weiter unser Vertrauen, weil er gerade auch in diesem Jahr beim VfB richtig stabil geworden ist".

Bleiben die anderen fünf Debütanten. Der Stuttgarter Roberto Hilbert, die Leverkusener Stefan Kießling, Gonzalo Castro und Simon Rolfes und der Kölner Patrick Helmes, der ob seiner drei Chancen in der Schlussphase noch zum Matchwinner hätte werden können. Ob man ihn oder die anderen in zwei Monaten wieder sehen wird, wenn die EM-Qualifikationsspiele gegen San Marino (2. Juni) und Slowakei (6. Juni), darauf wollte sich Löw nicht festlegen, aber: "Das ist durchaus möglich. Gerade, weil wir dann wieder einen Doppelspieltag haben und insgesamt zehn Tage zusammen sein werden."

Dass er sich mit seiner Maßnahme, eine junge und unerfahrene Mannschaft gegen Dänemark auf den Platz zu schicken, den Unmut von seinem Kollegen Morten Olsen zuzog, nahm Löw derweil gelassen. Man müsse andere Trainer ja nicht zufriedenstellen. "Wir sind auch dafür da, auch junge Spieler zu fördern. Das ist unsere Aufgabe." Bleibt abzuwarten, ob das auch in den EM-Qualifikationsspielen der Fall sein wird. Man darf vermuten: eher nicht. Dafür steht zu viel auf dem Spiel. Viele Fans waren schon in Duisburg verärgert, dass acht WM-Spieler fehlten, und quittierten dieses nach Spielschluss mit Pfiffen. Selbst die Aktion des DFB, kostenlos Schals und Kappen zu verteilen, besänftigte die meisten Zuschauer nicht. Sechs weitere Punkte aus zwei Partien werden das bestimmt bewirken.

Mit Material von dpa

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