Leichtere Wechsel Mehr Freiheit für Fußballer

Fußballprofis und deren Berater können sich die Hände reiben. Der Internationale Sportgerichtshof hat Wechsel ins Ausland erleichert. Nach drei Jahren bei einem Club können Kicker auch ohne Einwilligung des Arbeitgebers gehen. Der Weltverband Fifa zeigt sich besorgt.


Hamburg – "Die Entscheidung des Cas schadet dem Fußball. Er ist ein Pyrrhussieg für Spieler und Spielervermittler, die mit einer vorzeitigen Vertragsauflösung liebäugeln", sagte Fifa-Präsident Joseph Blatter, der vor "weitreichenden und verheerenden Folgen für den gesamten Fußball" warnte. Der Sportgerichtshof hatte die Entschädigungszahlung des schottischen Profis Andy Webster an seinen früheren Club Heart of Midlothian wegen Vertragsbruchs um 475.000 auf 150.000 britische Pfund (rund 200.000 Euro) herabgesetzt.

Fußballprofis: Wechsel des Arbeitsplatzes erleichtert
DDP

Fußballprofis: Wechsel des Arbeitsplatzes erleichtert

Webster war unter Berufung auf Artikel 17 der Fifa-Transferordnung vom schottischen Verein Heart of Midlothian zum englischen Premier-League-Club Wigan Athletic gewechselt. Der heute 25-Jährige war der Ansicht, dass ein Spieler nach drei Jahren bei einem Club seinen noch laufenden Vertrag zum Saisonende kündigen könne, um ins Ausland zu wechseln. Der aufnehmende Club müsse dann lediglich das ausstehende Gehalt für die Restlaufzeit des Vertrags als Ablösesumme bezahlen. Die Hearts verlangten aber drei Millionen Euro Ablöse, das Restgehalt Websters lag aber nur bei 375.000 Euro.

Die Schlichtungskammer der Fifa hatte sich am 4. April 2007 mit dem Fall beschäftigt und befand Webster jedoch für schuldig, seinen Arbeitsvertrag außerhalb der Schutzzeit ohne triftigen Grund gebrochen zu haben. Er wurde mit einer Strafe von 625.000 britischen Pfund (cirka 840.000 Euro) belegt. Daraufhin hatten sowohl Heart of Midlothian als auch der Spieler den Cas angerufen.

Die Fifa verwies in ihrer Reaktion auf das Cas-Urteil auf die Problematik, dass sich die Entschädigung, die ein Spieler schuldet, der seinen Vertrag ohne triftigen Grund nach der Schutzzeit vorzeitig auflöst, ohne Weiteres im Voraus berechnen lasse. Für das System sei dies verheerend. Spieler, die bei Vertragsabschluss mindestens 28 Jahre alt waren, können sogar bereits nach zwei Jahren einseitig kündigen. Die Regelung gilt allerdings nur beim Wechsel ins Ausland.

ach/sid



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