Leipzigs Sieg beim HSV Solche Geschichten schreibt nur der Rasenball

RB Leipzig sorgt weiter für Furore. Matchwinner Timo Werner erhielt Anweisungen von höchster Stelle, der HSV ist nach drei Spieltagen bereits in Relegationsform. Alles Wichtige zum 0:4 in Hamburg.

Leipzigs Dominik Kaiser feiert nach Spielende mit den Fans.
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Leipzigs Dominik Kaiser feiert nach Spielende mit den Fans.


Ausgangslage: Im Volkspark trafen die beiden Bundesligisten mit den größten negativen Transferbilanzen aufeinander. RB Leipzig hatte im Sommer rund 50 Millionen Euro mehr investiert als eingenommen, der Hamburger SV immerhin gut 30 Millionen Euro. So sehr sich die Klubs in ihren Ambitionen ähneln, so unterschiedlich waren vor der Partie die Erträge: Der noch ungeschlagene Aufsteiger aus Leipzig reiste als Tabellenfünfter an - mit der Empfehlung eines 1:0-Sieges gegen den Vizemeister BVB. Der HSV wartete dagegen noch auf seinen ersten Saisonsieg, dem Auftaktremis gegen Ingolstadt (1:1) war der Last-Minute-Knockout in Leverkusen (1:3) gefolgt.

Startformationen:
Hamburger SV: Adler - Sakai, Djourou, Spahic, Santos - Jung, Holtby - Müller, Hunt, Kostic - Wood.
RB Leipzig: Gulacsi - Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg - Ilsanker, Demme - Keita, Sabitzer - Poulsen, Forsberg.

Das Ergebnis: 0:4 (0:0). Beide Serien hielten: RB Leipzig bleibt ungeschlagen, der HSV weiter ohne Dreier.

"Nicht alles, was glänzt, ist Gold": Der Traditionsklub, der nur dank der Unterstützung von Klaus-Michael Kühne (Nr. 103 der weltweiten Forbes-Geldrangliste 2016) in der Bundesliga spielt, gegen den Newcomer, der nur dank der Unterstützung von Dietrich Mateschitz (Nr. 64) in der Bundesliga spielt. Bei allen Unterschieden in den Vereinsstrukturen sind die Parallelen offensichtlich. Trotzdem veranstaltete ein kleiner Teil der HSV-Anhänger vor dem Anpfiff einen absurd anmutenden Protestmarsch gegen "die harte Form der Kommerzialisierung", die der Gegner betreibe. Deutlich differenzierter: die Choreografie in der Nordkurve, die gleich beide Gönner adressierte.

Vor Beginn im Volksparkstadion: "Nicht alles, was glänzt, ist Gold."
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Vor Beginn im Volksparkstadion: "Nicht alles, was glänzt, ist Gold."

Die erste Hälfte: War intensiv, aber lange arm an Torszenen. Beide Teams verfolgten ähnliche Strategien, wollten möglichst dem Gegner den Ball überlassen, selbst über schnelle Umschaltsituationen zum Erfolg kommen. RB Leipzig hatte seine beste Möglichkeit, als Klostermann-Ersatz Bernardo nach einer Ecke zum Kopfball kam, den HSV-Keeper Adler aber parierte (15.). Hamburg ebenfalls nur mit einer zwingenden Situation: Kostic konnte auf der linken Seite durchbrechen, nach seiner Hereingabe verpassten dann aber nacheinander Hunt und Müller im Zentrum (45.+1). Der Rest war ein zäher Mix aus Zweikämpfen, langen Pässen und Distanzschüssen.

Die zweite Hälfte: Sah zunächst ähnlich wie der erste Durchgang aus, kippte dann aber durch einen Foulelfmeter. Forsberg verwandelte zur Führung (66.). Timo Werner sorgte kurz darauf für die Vorentscheidung (72./77.), ehe Davie Selke (90.+2) in der Nachspielzeit den 0:4-Endstand besorgte. Das erste, das dritte und das letzte Tor waren dabei klassische Leipzig-Aktionen, die Hamburger Jung, Djourou und Holtby wurden unter Druck gesetzt, unmittelbar nach der Balleroberung der Ball in die Spitze gespielt. Der HSV zerfiel nach dem 0:1 in seine Einzelteile.

Co-Trainer des Spiels: Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick. Redete in der Halbzeitpause lange und nachdrücklich auf Timo Werner ein, der mit Wiederbeginn Naby Keita ersetzte. Was mag der Spielerflüsterer ihm gesagt haben? "Wenn Du nach einem Fehler von Jung und einem Pass von Forsberg frei vor Adler auftauchst, geh links vorbei und such den Kontakt." Timo Werner holte nicht nur den Elfmeter heraus (65.), sondern erzielte die nächsten beiden Treffer auch noch selbst. Für den HSV wiederholte sich der Pohjanpalo-Effekt.

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Bundesliga: RB und BVB feiern Kantersiege

Erkenntnis des Spiels 1: Für Bruno Labbadia wird die kommende Woche ungemütlich. "Wir müssen erst einmal Stabilität finden", sagte Labbadia bei Sky - davon war sein Team nach dem Rückstand aber weit entfernt. Nach dem Spiel entlud sich der Frust der Fans: Die Hamburger Elf und der Betreuerstab wagten sich zwar in die Kurve, wurden dort aber überwiegend mit Mittelfingern und Pfiffen empfangen. Der Hamburger SV bleibt notorisch heimschwach: Nur 16 der letzten 54 Heimspiele wurden gewonnen, in einer Woche gastiert der FC Bayern.

Erkenntnis des Spiels 2: Die Antwort auf die Frage, wie stark RB Leipzig ist, kristallisiert sich immer stärker heraus: sehr stark. Defensiv kompakt, athletisch, mit einer klaren Spielidee und einer beeindruckenden Effizienz vor dem gegnerischen Tor. In Hamburg fanden vier von sechs Schüssen auf das HSV-Tor auch den Weg ins Netz. So einfach kann Rasenball sein.



insgesamt 31 Beiträge
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Niedlifizierer 17.09.2016
1. Der HSV ist nach drei Spieltagen bereits in Relegationsform
und Bremen schon in Abstiegsform! Diese Saison wird bitter für den Norden.
wutbürger2010 17.09.2016
2. Top
Fußball ist nun einmal Unterhaltung, Sport und ein Riesengeschäft. Ich finde es gut, dass die Leipziger in der 1. Bundesliga spielen. Frischer Wind, junge und hungrige Spieler, ungeahnte Klasse und hinzu noch ein erfrischender Neid-Faktor ^^. Fußballerherz, was begehrst du mehr im großen Fußball-Zirkus !
edgarzander 17.09.2016
3. Die Ex-Stuttgarter, die man aus dem Ländle...
...mit Schimpf und Schande weggejagt hat, scheinen nun bei ihren neuen Clubs voll einzuschlagen! Tolle Sache, dass die sich nach dem Stuttgarter Siechtum wieder ein internationales Format erarbeiten.
Bueckstueck 17.09.2016
4. Sehr schön
Das freut mich besonders nach der schäbigen Aktion des albernen HSV Anhangs vor dem Spiel. Wie man nur auf die Idee kommen kann, als einer der unbeliebtesten Vereine mit einem privaten Geldgeber gegen einen im Vergleich zum HSV unglaublich seriös und professionell geführten (Konzern-)Verein zu stänkern, erschliesst sich mir nicht. Die Strafe dafür folgte auf dem Rasen in Form einer Fussballlektion.
karl-der-gaul 17.09.2016
5.
Fußball wird verwandelt zu Reklamen Clubs. Nach Red Bull kommen dan Teams wie CC (City Club) Buxtehude auch liebevoll CocaCola genannt. Oder was mit McDonald, diese Firmen haben tiefe Taschen und die Bundesliga wird für immer verändert.
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