Corona-Hilfsaktion Kick it like Goretzka und Kimmich

Die Bayern-Profis Leon Goretzka und Joshua Kimmich haben mit #WeKickCorona viele Spieler zum Spenden animiert. Drei Millionen Euro kamen schon zusammen. Hier erzählen sie über die Idee und warum Profifußballer vorangehen sollten.
Ein Interview von Marcus Krämer
Joshua Kimmich (l.) und Leon Goretzka

Joshua Kimmich (l.) und Leon Goretzka

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Marius Becker/ dpa

Joshua Kimmich und Leon Goretzka spielen gemeinsam beim FC Bayern und in der deutschen Nationalmannschaft. In der durch die Coronakrise entstandenen trainings- und spielfreien Zeit haben die beide Profifußballer die Initiative #WeKickCorona  ins Leben gerufen. Auf der Plattform finden Interessierte alle Informationen, wie in Not geratene Institutionen mit Geldspenden unterstützt werden können. Gleichzeitig können sich Organisationen bewerben, wenn sie Hilfe beantragen möchten.

Goretzka und Kimmich stellten zusammen eine Million Euro zur Verfügung und animierten Profikollegen wie Mats Hummels, Leroy Sané oder Jonathan Tah zu Spenden. Bis Montagnachmittag kamen so über drei Millionen Euro an Spendengeldern zusammen. Mittlerweile hat #WeKickCorona bekannt gegeben, dass in einem ersten Schritt 21 Projekte finanzielle Hilfe erhalten. Ein Gespräch über Solidarität in Zeiten der Coronakrise und das Privileg, helfen zu können.

SPIEGEL: Herr Goretzka, wer hatte die Idee zu #WeKickCorona?

Goretzka: Die ist gemeinsam entstanden. Man ist ja aktuell zu Hause gefesselt und wir haben uns zusammen überlegt, wie wir in diesen Krisenzeiten helfen können.

SPIEGEL: Herr Kimmich, woher kam die Motivation, ein Spendenprojekt ins Leben zu rufen?

Kimmich: Als Fußballspieler haben wir eine gesellschaftliche Verpflichtung, der wollten wir gemeinsam nachkommen. In der jetzigen Situation kann man an so vielen verschiedenen Stellen helfen. Es ist wirklich jede und jeder betroffen.

SPIEGEL: Sie sind am Freitag an die Öffentlichkeit gegangen. Wie lange hatte es gedauert, bis aus der Idee ein Projekt wurde?

Goretzka: Es ging sehr schnell, höchstens drei oder vier Tage. Es gab viele Fragen, die man im ersten Moment nicht auf dem Schirm hat, die im Vorfeld geklärt werden müssen. Jo und ich haben in den vergangenen Tagen so viel telefoniert wie im gesamten Leben davor.

SPIEGEL: Was sind das für Hürden, auf die Sie achten mussten?

Goretzka: Zunächst mussten wir die generelle Struktur des Projekts klären. Es ging aber auch um technische Fragen: Wie kommen wir an die Spender heran? Wie können sich Organisationen auf die Spendengelder bewerben?

SPIEGEL: Viele Profis haben sich als Spender registriert. Wie haben Sie die Aufmerksamkeit der Kollegen bekommen?

Kimmich: Wir wollten die Idee anschieben und dann sollte eine Dynamik entstehen. Leon und ich sind auf einige Spieler zugegangen, weil wir wussten, dass wir so eine entsprechende Reichweite erreichen können. Die Idee dahinter war, dass die anderen Spieler zu einem Multiplikator werden. Und so ist es dann auch eingetreten. Später sind dann Spieler und andere Menschen auf uns zugekommen und wollten wissen, wie sie dabei sein und helfen können.

SPIEGEL: Mittlerweile hat #WeKickCorona die ersten Projekte bekannt gegeben, die unterstützt werden. Treffen Sie diese Entscheidungen mit?

Goretzka: Wir haben uns dafür entschieden, dass sich die Organisationen und Einrichtungen bei uns bewerben können. Dort können sie angeben, wofür das Geld genau benötigt wird. In den Entscheidungsprozess sind wir dann zu 100 Prozent eingebunden. Wir haben sehr viele Anfragen bekommen, die gefiltert werden müssen. Aktuell haben wir außer unserem Cybertraining nur wenig zu tun, dementsprechend haben wir genug Zeit, die Liste gemeinsam zu durchforsten.

SPIEGEL: Ist das Projekt eine willkommene Abwechslung in der trainingsfreien Zeit?

Goretzka: Es nimmt gerade sehr viel Zeit in Anspruch und bestimmt meinen Alltag.

SPIEGEL: Was denken Sie allgemein über Solidarität in Krisenzeiten? Sind Profisportler besonders gefragt?

Kimmich: Jeder gesellschaftliche Teil ist durch die Coronakrise betroffen. Wir als Fußballer haben ganz besonders die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und auch ein Stück weit voranzugehen. Es gibt aber auch andere Menschen, die finanziell gut aufgestellt sind und helfen können. Und zudem zählt in diesen Zeiten jede Tat, jede gute Geste. Jede Hilfe ist richtig. Unsere Initiative geht zwar von uns beiden aus, aber es sind nicht nur Fußballspieler, die spenden.

Goretzka: Wir haben mittlerweile über 500 Privatspender, die teilweise kleinere Beträge gespendet haben. Die sind genauso viel wert, wenn nicht sogar mehr als die Spenden der Sportler. Das ist der Sinn der Initiative: Wir wollen alle erreichen. Es ist ein großes Privileg, in Krisenzeiten so helfen zu können. Wir haben die Hoffnung, dass sich noch viele anschließen werden.

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