Sanés Verletzung im Spiel gegen Liverpool Der Risiko-Einsatz

Leroy Sané hätte eigentlich gar nicht spielen sollen. Guardiolas Entscheidung, ihn gegen Liverpool einzusetzen, war auch eine politische. Der mögliche Wechsel zum FC Bayern hängt nun auch von der Diagnose ab.
"Wir haben keine Probleme miteinander": Leroy Sané (l.) und Pep Guardiola

"Wir haben keine Probleme miteinander": Leroy Sané (l.) und Pep Guardiola

Foto: Martin Rickett / DPA

Leroy Sané ging mit persönlichem Geleitschutz zum Mannschaftsbus. Manchester Citys Sicherheitsbeauftragter Mohammed Fayez Hussain, immer dann im Dienst, wenn es kompliziert wird oder geheime Dinge organisiert werden, schirmte den 23-Jährigen vor aufdringlichen Reportern ab.

Ganz am Ende der Mixed Zone im Wembley-Stadion gab der am rechten Knie bandagierte und leicht humpelnde Flügelstürmer dann aber doch kurz Antwort auf die zweitwichtigste aller Fragen. Nein, er wisse nicht, wie schwer die in der elften Minute des englischen Supercups erlittene Verletzung sei, eine genauere Untersuchung würde "erst morgen" erfolgen. Später war aus dem Umfeld des Nationalspielers zu hören, das Knie fühle sich nicht so schlimm an, aber für eine Entwarnung sei es noch zu früh.

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Solange der medizinische Befund aussteht, lässt sich auch die wichtigste aller Fragen nicht abschließend beantworten: Wechselt Sané, wie in diversen Medien in Deutschland berichtet, noch in den nächsten Tagen nach München zu den Bayern? Die Indizienlage sprach vor der äußerst unterhaltsamen Partie zwischen Meister City und Vize Liverpool von Jürgen Klopp klar für den Transfer. Sané hatte eng befreundeten Brancheninsidern vor dem Wochenende seine Bereitschaft für die Rückkehr in die Bundesliga mitgeteilt; es seien nur noch letzte Details offen.

Geht er, oder geht er nicht?

Demgegenüber steht das nach dem Elfmeter-Sieg im englischen Nationalstadion noch einmal bekräftigte Dementi von City. Der Spieler stünde "nicht zum Verkauf" - und schon gar nicht für die in der bayerischen Hauptstadt regelmäßig zitierten 100 Millionen Euro, erklärte ein Offizieller in kleiner Runde. Erst "ab 150 Millionen Euro" würde man einen Deal in Erwägung ziehen.

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Sieg im Community Shield: City-Jubel und eine Millionen-Verletzung

Foto: David Klein / REUTERS

Trainer Pep Guardiola schien diesem Standpunkt mit seiner Aufstellung Nachdruck zu verleihen. Der Katalane hatte Sané relativ überraschend in die Startelf berufen, bei mehr oder weniger fixen Wechseln in dieser Größenordnung verzichtet der abgebende Verein normalerweise auf einen Einsatz, um kein Verletzungsrisiko einzugehen. Guardiola deutete hinterher jedoch an, er habe aus sportlicher Sicht keine andere Wahl gehabt.

Riyad Mahrez, der dritte Mann für die offensiven Außenpositionen neben Sané und dem Torschützen Raheem Sterling habe wegen einer Behandlung mit einem möglicherweise verbotenen Mittel während des Afrika Cups nicht auf dem Platz gestanden. Es sei noch unklar gewesen sei, welche Medizin die Ärzte dem Kapitän der algerischen Nationalmannschaft gegeben hätten, so Guardiola bei der BBC. 

Politische Dimension der Entscheidung

Guardiola will bekanntlich jedes Spiel und jeden Pokal sowieso gewinnen. Alles andere ist für den 48-Jährigen - wie man in München aus eigener Erfahrung weiß - im Zweifel sekundär. Dennoch lässt sich eine politische Dimension der Entscheidung, Sané bei dem irgendwo zwischen Freundschaftsspiel, Elchtest und Prestige-Duell angesiedelten Match auf den Platz zu stellen, nicht leugnen. Es geht selbstverständlich auch um die Außendarstellung, um Window Dressing, wie man auf der Insel sagt. Man will den sich anbahnenden Abgang des Deutschen dem Publikum im Sinne des Vereins bestmöglich verkaufen.

Riyad Mahrez (r.) spielte aufgrund einer Vorsichtsmaßnahme nicht

Riyad Mahrez (r.) spielte aufgrund einer Vorsichtsmaßnahme nicht

Foto: Clive Mason / Getty Images

Auf keinen Fall soll der Eindruck entstehen, dass der vom europäischen Fußball-Establishment mitunter noch immer wie ein ungewünschter Emporkömmling behandelte Klub des Herrschers von Abu Dhabi City ausgerechnet von den Bayern zu einem Transfer genötigt wurde. Die markigen Sprüche der Münchner über die vermeintlich unbegrenzten Geldströme ("Wenn Pep einen Spieler haben will, dreht der Scheich den Gashahn auf", so FCB-Präsident Uli Hoeneß im März) sind gerade vor dem Hintergrund von potenziellen Uefa-Sanktionen wegen Verstößen gegen die Financial-Fairplay-Auflagen nicht sehr gut angekommen.

Zu dem Anspruch auf die Deutungshoheit passt ebenfalls die kürzlich lancierte Erzählung, wonach Guardiola, der strenge Lehrmeister, die Veräußerung Sanés intern bereits vor einem Jahr in Aussicht gestellt habe - falls der extrem starke, aber taktisch manchmal unbeherrschte Ex-Schalker nicht die erwarteten Fortschritte machen würde.

Unter dem Strich weist nun vieles auf einen baldigen Abschluss hin. Solange die Kernspin-Untersuchung am Montag keine größeren Schädigungen aufzeigt, werden sich die Wege Guardiolas und Sanés in dieser Woche einvernehmlich trennen. Citys Trainer war am Sonntagabend viel daran gelegen zu betonen, dass es zwischen ihm und dem Spieler keine Dissonanzen gebe. "Wir haben keine Probleme miteinander, ich habe mir nur Sorgen gemacht", erklärte der Übungsleiter seinen grimmigen Gesichtsausdruck nach der Auswechslung der Offensivkraft. Seinen ehemaligen Arbeitgebern dürfe es in dieser Sekunde ähnlich ergangen sein.

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