Leuchtrakete und Randale Russland protestiert gegen Skandalspiel in Montenegro

Hässliche Szenen beim EM-Qualifikationsspiel zwischen Montenegro und Russland: Der russische Torhüter wurde von einer Rakete am Kopf getroffen, das Spiel wurde abgebrochen. Russland will nun Beschwerde einlegen.

AFP

Im EM-Qualifikationsspiel zwischen Montenegro und Russland waren gerade 20 Sekunden gespielt, da stockte den Zuschauern in Podgorica der Atem. Hinter dem Tor der Russen stieg eine Leuchtrakete auf, die direkt am Kopf des russischen Torhüters Igor Akinfejew einschlug. Der 28-Jährige sackte zusammen, wurde minutenlang auf dem Feld behandelt, ehe er mit einem Golf-Car vom Platz transportiert wurde.

Der deutsche Schiedsrichter Deniz Aytekin unterbrach das Spiel und schickte beide Mannschaften in die Kabine. Nach etwa 30 Minuten wurde die Partie fortgesetzt. In der 66. Minute wurde dann offenbar erneut ein russischer Spieler von einem Gegenstand getroffen, es kam zu einem Handgemenge zwischen Spielern beider Mannschaften. Vorangegangen war eine Strafstoßentscheidung Aytekins zugunsten der Russen, für die Roman Schirokow aber verschoss.

Zudem gab es Ausschreitungen auf den Rängen. Die russischen Spieler verließen das Spielfeld. Aytekin brach die Partie daraufhin beim Stand von 0:0 ab. "Das Spiel hätte nicht fortgesetzt werden dürfen, nachdem Akinfejew von dem Feuerwerkskörper getroffen wurde", so Russlands Nationaltrainer Fabio Capello. Die Uefa hätte das Spiel abbrechen müssen, sagte er.

Uefa wartet auf Aytekins Bericht

Montenegros Trainer Branko Brnovic zeigte sich bei einem lokalen Fernsehsender bestürzt. "Ich entschuldige mich bei den russischen Spielern dafür, was hier passiert ist. Es war klar, dass das Spiel nach dem zweiten Zwischenfall abgebrochen werden musste", so der 47-Jährige.

Der russische Fußballverband (RFS) will Beschwerde bei der Uefa einlegen. Das sagte RFS-Chef Nikolai Tolstych dem TV-Sender Rossija-2. Für Montenegro dürfte der Skandal ein Nachspiel haben. Beobachter erwarten, dass die Uefa die Partie nachträglich zugunsten Russlands wertet. So war bereits früher in ähnlichen Fällen entschieden worden.

Die Uefa wartet derzeit auf den Aytekins Bericht sowie die Schilderungen der Uefa-Delegierten. Dies teilte der Verband mit. Anschließend werde ein Ermittlungsverfahren wohl gegen den montenegrinischen Fußball-Verband eingeleitet.

Akinfejew, der durch Ersatztorhüter Juri Lodigin von Zenit St. Petersburg ersetzt wurde, kam direkt nach dem Vorfall in ein Krankenhaus. Der Profi von erlitt eine Nackenblessur und kleinere Brandverletzungen.

Russland liegt am 5. Spieltag der EM-Qualifikation mit fünf Punkten auf Rang drei der Gruppe G. Punktgleich mit Montenegro, das ein schlechteres Torverhältnis hat. Österreich ist Tabellenführer (13 Punkte), gefolgt von Schweden (9). Die ersten beiden Plätze berechtigen zur direkten Teilnahme an der EM 2016 in Frankreich.

mig/sid/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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Trainspotter 28.03.2015
1. Skandal
Da kann man Capello nur Recht geben. Das Spiel hätte sofort abgebrochen werden müssen. Wenn ein Spieler durch einen abgeschossenen/geworfenen Gegenstand so getroffen und verletzt wird, dass er nicht weiterspielen kann und sogar ins Krankenhaus muss, ist die Grenze doch eindeutig überschritten.
foonz 28.03.2015
2. Hallo, Herr Aytekin?
Das Spiel nach dem Vorfall wieder anzupfeifen war eine derart dumme Entscheidung. Damit gibt man Hooligans auf der ganzen Welt das Zeichen, dass sich solch idiotische Aktionen auch noch lohnen. Unfassbar dämliche Entscheidung von Aytekin.
liupi 28.03.2015
3.
Man sollte das nächste Spiel ohne die rivalisierenden Fanclubs spielen lassen, oder keine Gruppenbildung in der Sitzordnung in den Stadien zulassen. Fanecken begünstigen kategoriales Denken im Sinne "Wir oder Ihr". Die Empathie für den Anderen geht verloren, Schwarz Weiss Denken wird unterstützt.
Askan 28.03.2015
4.
Jetzt melden sich alle, die nicht dabei waren und die die internen Weisungen der Uefa nicht kennen. Der Schiedsrichter wars, der hätte das Spiel abbrechen müssen... Gibt es für einen solchen Fall interne Weisungen, die der Schiri beachten muss? Hätte es zu einer Eskalation auf den Rängen kommen können, wenn der Schri das Spiel schon in der ersten Minute abgebrochen hätte? Mit wem hat sich der Schiri beraten, bevor er eine Entscheidung pro/contra Abbruch getroffen hat? Au Mann, keiner kennt Fakten, aber jeder hat eine Meinung: Der Schiri war schuld!
huelin 28.03.2015
5. Immer wieder auf dem Balkan
2010 Ausschreitungen von serbischen Fans in Florenz. Oktober 2014 die bekannten Vorfälle bei Serbien-Albanien. November 2015 Ausschreitungen kroatischer Fans in Mailand, die außerdem schon länger durch rassistische oder faschistische Gesinnung auffallen. Und jetzt der Skandal in Montenegro. Man sollte da mal drastischer durchgreifen und eine Mannschaft für ein paar Jahre ganz von allen internationalen Wettbewerben ausschließen. Anders scheinen sie es nicht zu begreifen.
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