Leverkusen - Freiburg 1-1 "Aus Dummheit zwei Punkte verschenkt"

Bayer Leverkusen hat den Sprung an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga verpatzt: Im Heimspiel gegen Abstiegskandidat und Angstgegner SC Freiburg kam der Vizemeister trotz drückender Überlegenheit über ein 1:1nicht hinaus.


Leverkusens Torschütze Emerson läßt hier Gegenspieler Kohl links liegen
DPA

Leverkusens Torschütze Emerson läßt hier Gegenspieler Kohl links liegen

Leverkusen - Der Tor-Gala von Ulm folgte das Spiel der verpassten Gelegenheit gegen Freiburg: Eine Woche nach dem 9:1-Jahrhundertsieg beim Aufsteiger verpasste Meisterschaftsaspirant Bayer Leverkusen beim 1:1 (0:1) gegen den SC Freiburg die Gunst der Stunde, Tabellenführer Bayern München zu entthronen.

"Wir haben aus eigener Dummheit zwei Punkte verschenkt. Hätten wir gewonnen, wären wir zwei Zähler weg gewesen und die Bayern hätten unter Zugzwang gestanden. So sind wir wieder hintendran", wetterte Bayer-Kapitän Jens Nowotny nach dem 90-minütigen Sturmlauf in Richtung Freiburger Tor.

Bei Punktgleichheit mit dem Rekordchampion trennt beide Titelanwärter weiterhin nur die bessere Tordifferenz. Bayer-Manager Reiner Calmund war deshalb darum bemüht, das Positive im Fernduell mit den Bayern herauszustellen: "In der Vergangenheit wäre es so gewesen, dass wir in der 85. Minute noch das 1:2 kassieren, dafür die Bayern in der 90. das Siegtor erzielen. So bleibt alles offen."

"Unser Einbahnstraßen-Fußball war nicht von Erfolg gekrönt", meinte dagegen ein sichtlich enttäuschter Trainer Christoph Daum, der in der zweiten Halbzeit sogar sieben Offensivkräfte gegen die ohne acht Stammspieler angetretenen Breisgauer einsetzte. Die Leverkusener "Torfabrik" - 19:4 Treffer bei den letzten vier Siegen in Folge - stellte ihre Produktion aber fast ein.

Immer wieder bedeutete Gäste-Torwart Richard Golz, der einen "Sahnetag" erwischte, Endstation für die Angriffsbemühungen der Rheinländer. Ob Paulo Rink, Nowotny, Emerson oder gleich dreimal Michael Ballack - sie alle scheiterten am 1,99 m langen Keeper. So konnte nur Leverkusens Mittelfeld-Star Emerson (53.), der in der Schlussphase mit Krämpfen in beiden Beine ausgewechselt werden musste, Golz bezwingen und die frühe Führung durch Levan Kobiaschwili (3.) ausgleichen. Es sollte im übrigen der einzige ernstzunehmende Torschuss der Gäste in 90 Minuten bleiben.

Während noch eine Woche zuvor in Ulm nahezu jeder Schuss ein Treffer war, überboten sich die Bayer-Stars diesmal im Auslassen bester Chancen. Der schwache Ulf Kirsten hätte in der 80. Minute per Kopfball aus fünf Metern die Entscheidung erzwingen müssen. "Diese Szene war symptomatisch. Normalerweise kann man Ulf die Augen verbinden und der Ball geht rein", meinte Calmund.

Dass die Diskussion über die "Kegel-Tour" nach Ulm das Ergebnis gegen Freiburg mitbeeinflusst habe, verneinte Daum: "Das 9:1 war ein Riesenerlebnis, das wir nie vergessen werden. Das hatte mit dem heutigen Spiel aber nichts zu tun." Dennoch erwartete die Öffentlichkeit ein neuerliches "Scheibenschießen" (Daum), zumal die Freiburger stark ersatzgeschwächt antraten.

Kurzfristig hatten sich nämlich auch noch Tobias Willi (Mandelentzündung), Torjäger Adel Sellimi (Adduktoren) und Mehdi Ben Slimane (Knie) abgemeldet, das Lazarett auf acht Akteure erhöht. "Schwieriger als heute war die personelle Situation noch nie", konstatierte Coach Volker Finke, dessen Team seit acht Rückrundenspielen ohne Sieg ist, durch den Punkt aber Rückenwind im Abstiegskampf bekommen haben dürfte.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.