Leverkusen-Pleiten "Heute wäre ich auch gerne Stürmer beim VfL gewesen"

Zwei Spiele verloren, sieben Gegentore kassiert. In Leverkusen ist nach den zuletzt erfolgreichen Wochen Ernüchterung eingekehrt. Sportdirektor Rudi Völler ärgert sich nach der klaren Niederlage gegen Bochum im Interview vor allem über die Abwehr: "Da hätte ich auch Tore gemacht."


Frage: Ihre Mannschaft musste den zweiten schweren Rückschlag innerhalb von vier Tagen hinnehmen. Wie konnte es dazu kommen?

Bayer-Sportdirektor Völler: "Hätte auch noch zwei Tore gemacht"
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Bayer-Sportdirektor Völler: "Hätte auch noch zwei Tore gemacht"

Völler: Es ist mir unerklärlich, warum wir die Spiele gegen Osasuna und Bochum so beginnen. Vielleicht sind wir zu überheblich. Wir bekommen Gegentore aus Standardsituationen, wir sind zu brav und stehen nur daneben. Das Schlafen bei Standardsituationen ist furchtbar. Wir machen zu Beginn der Spiele einfach zu wenig. Selbst wenn wir in der zweiten Halbzeit ein gutes Spiel gemacht haben: Wenn du 0:3 zurückliegst, bis du eigentlich schon tot.

Frage: Wie erklären Sie sich diese Lethargie?

Völler: Man könnte mit den vielen Spielen argumentieren. Aber das darf man nicht gelten lassen. Gerade zu Beginn eines Spiels muss man den Schweinehund überwinden, auch wenn man müde ist. Das werden wir nun brutal ansprechen.

Frage: Wie schon beim 0:3 gegen Osasuna hat man dem Gegner bei den Toren kräftig mitgeholfen. Wie beurteilen Sie das?

Völler: Ein Eigentor kann immer passieren. Aber solche Fehler dürfen in der Bundesliga nicht passieren. Bei allem Respekt vor der Bochumer Leistung. Aber heute wäre ich auch gerne Stürmer beim VfL gewesen, da hätte ich auch noch zwei Tore gemacht. Wir lassen einfach zu viel zu. Wir haben ein Defizit in der Rückwärtsbewegung. Das hat man schon bei Siegen wie in Mainz gesehen. Es ist auf der einen Seite okay, dass sich ein junger Torwart wie Rene Adler bewähren kann. Aber es spricht nicht für uns, wenn wir so viel zulassen. Das Defensivverhalten reicht nicht aus, um in der Bundesliga ganz oben mitzuspielen.

Frage: Karim Haggui hatte einen rabenschwarzen Tag. Erst das Eigentor, dann der Fehlpass vor dem 0:3 und dann wenig später die Auswechselung. Wie richtet man den Spieler wieder auf, muss man ihn trösten?

Völler: Haggui ist ein junger Spieler, der lernen muss, dass man solche Pässe besser spielen muss. Da braucht er keinen Trost. Wir sind doch hier nicht im Kindergarten. Da muss man halt mal nach dem Training eine halbe Stunde länger bleiben und üben, üben und üben, damit so ein Scheißpass nicht nochmal passiert. Und was heißt hier trösten. Trösten, trösten, mich hat damals auch niemand getröstet.

Frage: Bernd Schneider ist wegen der 5. Gelben Karte im Spiel bei Bayern München gesperrt. Stefan Kießling sieht dann auch noch die Rote Karte. Hätte er sich da nicht im Griff haben müssen?

Völler: Er wird in jedem Fall eine Geldstrafe erhalten, die ist bei uns in solchen Fällen vorgesehen. Ein junger Spieler muss sehen, dass es so nicht geht.

Frage: Trotz der Niederlage liegt Bayer noch auf dem fünften Tabellenplatz. Wir beurteilen Sie die Situation?

Völler: Wir hätten uns im Kampf um die Uefa-Cup-Qualifikation absetzen können. Nun müssen wir sehen, dass wir die Kurve kriegen.

aufgezeichnet von Ulf Zimmermann, sid



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