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09. März 2011, 17:21 Uhr

Leverkusen-Reservist

Ballacks Abschied rückt näher

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Michael Ballack kann sich keine großen Hoffnungen mehr auf ein Comeback in der Nationalmannschaft machen. Bundestrainer Joachim Löw wird ihm wohl lediglich noch ein Abschiedsspiel gönnen. Auch bei seinem Club gehört der 34-Jährige weiter nicht zum Kader.

Hamburg - Der baldige Abgang Michael Ballacks wird immer wahrscheinlicher. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung will Bundestrainer Joachim Löw dem 98-maligen Nationalspieler ein DFB-Abschiedsspiel im Sommer anbieten. Ballack soll gegen Brasilien am 10. August in Stuttgart sein letztes Länderspiel bestreiten. Auch im Verein Bayer Leverkusen dürfte er nach seinem Disput mit Trainer Jupp Heynckes keine große Rolle mehr spielen.

Löw hatte am Sonntag angekündigt, "in den nächsten Tagen" mit Ballack über dessen Zukunft als Nationalspieler zu reden. Es dürfte klar sein: Er hat keine mehr. Nationalmannschafts-Pressesprecher Harald Stenger bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass das Gespräch erst in der zweiten März-Hälfte stattfinden solle. Damit dürfte auch sicher sein, dass eine Nominierung Ballacks für die anstehenden Länderspiele gegen Kasachstan und Australien Ende des Monats nicht mehr in Frage kommt.

Wenn Ballack sich darauf einlässt, wäre das 99. Länderspiel sein letztes im Nationaldress. Der 100. Einsatz bliebe ihm, der offiziell noch als DFB-Teamkapitän firmiert, verwehrt - mehr als symbolisch für eine Fußballkarriere voller Höhepunkte, der allerdings stets der krönende Abschluss versagt blieb.

In der Champions League verlor er zweimal das Endspiel, in der Nationalelf errang er ebenfalls keinen großen Titel, obwohl das DFB-Team mehrfach nah dran war - wie 2008 bei der Europameisterschaft oder bei der WM 2002. Beide Male führte Ballack das Team ins Endspiel: 2008 verlor man gegen Spanien, 2002 fehlte Ballack bei der Niederlage gegen die Brasilianer wegen einer Gelbsperre.

Zwanziger hat "großes Mitgefühl"

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat die Verdienste Ballacks denn auch noch einmal gewürdigt. "Unabhängig, ob Michael mit dem 99. oder dem 125. Länderspiel aufhört - er wird immer ein großer Spieler sein", sagte der DFB-Boss dem Sport-Informationsdienst SID. Er habe die vergangenen Monate "mit sehr viel Bedauern und großem Mitgefühl verfolgt", so Zwanziger. Man werde Ballack in jedem Fall "eine würdige Verabschiedung bereiten". Das klingt wie ein sportlicher Nachruf.

Für Ballack geht somit der sportliche Niedergang seit seiner schweren Verletzung aus dem Mai des Vorjahres weiter. Zunächst verpasste er verletzungsbedingt die Weltmeisterschaft in Südafrika, sein Vertrag beim FC Chelsea wurde nicht verlängert. Und nach seinem Wechsel zu Bayer Leverkusen hat er, durch Blessuren zurückgeworfen, immer noch nicht richtig Fuß gefasst.

Im Gegenteil: Bayer-Trainer Heynckes reagiert auf Nachfragen zum Thema Ballack mittlerweile genervt. Auch in der Europa-League-Partie des Bundesliga-Zweiten gegen den spanischen Spitzenclub FC Villarreal (Donnerstag, 19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) fehlt der Mittelfeldspieler im Aufgebot - so wie am Wochenende beim 3:0-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg.

Ballack hatte nach einem Gespräch mit Heynckes auf einen Platz auf der Ersatzbank verzichtet, obwohl der Trainer aufgrund von Verletzungen und Sperren auf andere Akteure verzichten musste. Offizielle Begründung des Clubs: Ballack wolle an seiner Fitness arbeiten.

"Michael ist es nicht gewohnt, von der Bank zu kommen. Er ist ein Spieler, der sein Leben lang von Anfang an gespielt hat", drückte es Heynckes am vergangenen Sonntag diplomatisch aus. Gemeint war: "Was soll ich mit einem Spieler anfangen, der nicht einsehen will, dass er noch nicht wieder fit ist und deshalb nur als Ersatzmann in Frage kommt?"

Ballacks Standing in Leverkusen hat die eigensinnige Aktion nicht gut getan. Es ist eine der Grundlagen jedes Teams, sich nicht über das Team zu stellen. Ballack stellte sich damit selbst ins Abseits. Heynckes wird ihn nicht zurückholen.

Und in der DFB-Auswahl? Zwanziger hat über Ballack gesagt: "Ich wünsche ihm, dass er seine Karriere auch in der Nationalmannschaft fortsetzen kann." Aber dies sei "allein die Entscheidung des Bundestrainers". Und Zwanziger fügte an: "Ich bin überzeugt, Joachim Löw wird auch in dieser Angelegenheit wieder die richtige Entscheidung treffen." Sie ist bereits gefallen.

Mit Material von dpa und sid

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