Leverkusen vor dem Abstieg "Das war nicht erstligareif"

Nach der Niederlage von Vizemeister Bayer Leverkusen beim Hamburger SV scheinen selbst die Verantwortlichen des Werksclubs die Hoffnung auf den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga aufgegeben zu haben. Sogar Trainer Thomas Hörster glaubt an den Abstieg. Definitiv in die Zweite Liga muss Energie Cottbus. Neun Tore fielen im Spiel zwischen Hertha BSC und Bayern München.


Hilflos dem Abstieg entgegen: Leverkusens Kapitän Carsten Ramelow (2.v.r.) und Hanno Balitsch (l.) nach dem 2:0 durch Hamburgs Bernardo Romeo (r.)
DDP

Hilflos dem Abstieg entgegen: Leverkusens Kapitän Carsten Ramelow (2.v.r.) und Hanno Balitsch (l.) nach dem 2:0 durch Hamburgs Bernardo Romeo (r.)

Hamburg - Der FC Energie Cottbus steht nach dem 0:3 bei 1860 München als erste Absteiger in der 40. Saison der Fußball-Bundesliga fest, den 1. FC Nürnberg kann nach dem 1:4 in Dortmund nur noch ein Wunder retten, und auch für Bayer Leverkusen wird es immer enger. Der Vizemeister des Vorjahres verlor am Samstag beim Hamburger SV mit 1:4 und konnte als Tabellen-16. zwei Runden vor Ende der Saison keinen Boden gut machen. "Mit so einer Leistung haben wir kein Erstligaformat. Nach dieser Leistung habe ich die Hoffnung eigentlich aufgegeben", bilanzierte Bayer-Coach Thomas Hörster resigniert.

Schwerer Verlust: Nachdem sich Hamburgs Tomas Ujfalusi (r.) und Leverkusens Bernd Schneider (2.v.r.) gegenseitig an die Gurgel gegangen waren, stellte sie Schiedsrichter Hellmuth Krug vom Platz
DDP

Schwerer Verlust: Nachdem sich Hamburgs Tomas Ujfalusi (r.) und Leverkusens Bernd Schneider (2.v.r.) gegenseitig an die Gurgel gegangen waren, stellte sie Schiedsrichter Hellmuth Krug vom Platz

Sergej Barbarez (18.), Bernardo Romeo (55.), Erik Meijer (90.) und Lars Jacobsen in der Nachspielzeit schossen den HSV zum zwölften Heimsieg der Saison. Der Anschlusstreffer durch Hanno Balitsch (88.) fiel zu spät für das Bayer-Team, das 24 Jahre nach dem Aufstieg in die Eliteliga nun dicht am Abgrund steht. Tomas Ujfalusi vom HSV und der Leverkusener Bernd Schneider sahen in der 52. Minute nach Tätlichkeiten die Rote Karte und werden wohl für den Rest der Saison gesperrt werden. "Wir müssen die beiden restlichen Spiele gewinnen und werden dann sehen, ob es zum Klassenerhalt reicht", sagte Hörster.

Der Abstieg des FC Energie Cottbus wurde ausgerechnet im 100. Bundesliga-Spiel der Lausitzer endgültig besiegelt. Die Schützlinge von Eduard Geyer unterlagen beim TSV 1860 München mit 0:3 (0:2) und büßten ihre letzte theoretische Chance auf den Klassenverbleib ein. "Da war nicht mehr drin heute", resümierte Geyer, "wenn einem acht Verletzte fehlen, hat man keine Chance. Aber auch Temperament und Leidenschaft haben uns gefehlt." Jiayi Shao (5. Minute) und Markus Schroth (33./65.) erzielten vor 18.500 Zuschauern im Olympiastadion die Tore für die Gastgeber. "Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie auf jeden Fall in den UI-Cup will", freute sich "Löwen"-Trainer Falko Götz.

Der "Beckham Chinas": Jiayi Shao erzielte seinen ersten Bundesliga-Treffer, auch Coach Falko Götz freute sich
AP

Der "Beckham Chinas": Jiayi Shao erzielte seinen ersten Bundesliga-Treffer, auch Coach Falko Götz freute sich

Auch der sechste Abstieg des Traditionsclubs 1. FC Nürnberg ist so gut wie besiegelt. Die Franken unterlagen bei Borussia Dortmund mit 1:4 (0:1). Vor 67.600 Zuschauern im Westfalenstadion blieben sie erneut den Nachweis ihrer Klasse schuldig und zum sechsten Mal in Serie ohne Sieg. Für den nach schwachem Beginn letztlich verdienten Erfolg der Gastgeber sorgten die Torschützen Lars Ricken (27./54.), Giuseppe Reina (65.) und Jan Koller (68.). "Nach dem 0:2 war die Moral gebrochen", sagte "Club"-Coach Wolfgang Wolf. Den Ehrentreffer für die Nürnberger markierte Sasa Ciric (89.).

Borussia Mönchengladbach ist dem Klassenverbleib ein großes Stück näher gekommen. Igor Demo (37.), der überragende Mikael Forssell (63.) und Morten Skoubo (77.) bescherten dem niederrheinischen Club einen hoch verdienten 3:0 (1:0)-Heimsieg über Hansa Rostock, den Trainer Ewald Lienen "überlebenswichtig" nannte. Vor 31.300 Zuschauern auf dem Bökelberg war Gladbach von Beginn an überlegen und hat nach der gleichzeitigen Niederlage von Bayer Leverkusen in Hamburg nun wie Rostock vier Punkte Abstand zu einem Abstiegsplatz.

Wieder einen Großen geschlagen: Werder-Stürmer Markus Daun jubelte, nachdem Bremen nach den Siegen in München, Dortmund und Berlin auch in Stuttgart siegte
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Auch der 1. FC Kaiserslautern darf sich fast in Sicherheit wähnen, obwohl in Wolfsburg nur ein Punkt heraussprang. Tomislav Maric (19./57.) brachte mit seinen beiden Toren die Gastgeber in Führung, nachdem Ciriaco Sforza (5.) das 1:0 für die Pfälzer in erzielt hatte. Doch der eingewechselte Michael Mifsud (69.) bescherte dem 1. FCK den ersehnten Zähler, der den Vorsprung vor Leverkusen auf fünf Punkte erhöhte. "Wir können mit dem Unentschieden zufrieden sein", kommentierte FCK-Coach Erik Gerets gelassen, "unsere Situation ist stabil."

Am Sonntag unterlag Arminia Bielefeld dem VfL Bochum mit 1:3 (1:1). Schalke 04 verlor gegen Hannover 96 mit 0:2 (0:0).

Im Kampf um die direkte Champions League-Qualifikation verdrängte Borussia Dortmund den punktgleichen VfB Stuttgart auf Grund der besseren Tordifferenz vom zweiten Tabellenplatz. Die Schwaben verloren überraschend mit 0:1 gegen Werder Bremen. Das überaus unglückliche Eigentor von Rui Marques (51.) versetzte den Ambitionen des VfB einen gehörigen Dämpfer und lässt die Norddeutschen wieder auf den Uefa-Cup hoffen. VfB-Trainer Felix Magath glaubt aber noch an die Vizemeisterschaft: "Die Champions League haben wir noch nicht abgeschrieben. Borussia Dortmund muss auch erstmal sechs Punkte holen."

Berlin war für Giovane Elber eine Reise wert: Der Bayern-Stürmer traf dreimal und führt jetzt die Torjägerliste an
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Berlin war für Giovane Elber eine Reise wert: Der Bayern-Stürmer traf dreimal und führt jetzt die Torjägerliste an

Bei seinem Schaulaufen nach dem vorzeitigen Gewinn des 18. Titels zelebrierte der FC Bayern München beim 6:3 in Berlin eine wahre Fußball-Gala. Giovane Elber (19./32./45.) mit seinen Saisontoren 17 bis 19, Claudio Pizarro (22./23.) und Michael Ballack (85.) trafen gegen eine in der Abwehr desolate Hertha, die ihre Champions League-Träume begraben muss. "Wir haben die Bayern durch katastrophale Fehler stark gemacht", zürnte Hertha-Trainer Huub Stevens, "ich habe sowieso immer nur vom internationalen Geschäft geredet und mich an dem Quatsch über die Champions League nie beteiligt." Durch ein Eigentor von Ballack (5.) waren die Berliner in Führung gegangen. Marcelinho (59., Foulelfmeter und 88.) gelang mit zwei Toren nur noch Ergebniskosmetik. "Das glückliche 1:1 bedeutete die Wende", analysierte Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld, "zu diesem Zeitpunkt war der Ausgleich nicht verdient. Anschließend waren wir in der Defensive besser organisiert."



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