Leverkusens Azmoun kritisiert Mullah-Regime »Lang leben die iranischen Frauen«

Leverkusens iranischer Bundesligaprofi Sardar Azmoun hat sich auf Instagram mit Frauen in seiner Heimat solidarisiert. Der Beitrag ist mittlerweile verschwunden. Die Zukunft des Angreifers im Nationalteam ist ungewiss.
»Ich kann kein Schweigen mehr ertragen.«: Sardar Azmoun, hier im Trikot seines Klubs Bayer Leverkusen

»Ich kann kein Schweigen mehr ertragen.«: Sardar Azmoun, hier im Trikot seines Klubs Bayer Leverkusen

Foto: Jürgen Schwarz / IMAGO

Bayer Leverkusens iranischer Fußball-Nationalspieler Sardar Azmoun hat sich ungeachtet der Auswirkungen auf seine internationale Karriere wegen der Missachtung von Frauenrechten im Golfstaat mit den Herrschern in seinem Heimatland angelegt. Durch einen zu Wochenbeginn bekannt gewordenen Instagram-Beitrag vom vergangenen Sonntag solidarisierte sich der Stürmer nach dem Tod von Mahsa Amini im iranischen Polizeigewahrsam nachdrücklich mit den Protesten mehrerer tausend Menschen gegen das islamische Herrschaftssystem und die systematische Diskriminierung von Frauen.

»Schämt euch alle, wie leichtfertig Menschen ermordet werden. Lang leben die iranischen Frauen«, schrieb Azmoun zwei Tage nach Irans 1:0-Länderspielerfolg in Österreich gegen Uruguay: »Wegen der Regeln der Nationalmannschaft durften wir nichts sagen, aber ich kann kein Schweigen mehr ertragen. Die ultimative Bestrafung wäre, dass sie mich aus dem Team werfen, was aber ein kleines Opfer im Vergleich zu jeder einzelnen Haarsträhne einer iranischen Frau wäre.«

Beim harten Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten in Iran sind nach Angaben der in Oslo ansässigen Nichtregierungsorganisation Iran Human Rights (IHR) mindestens 76 Menschen getötet worden.

Azmoun übt nicht zum ersten Mal Kritik

Der Beitrag wurde mittlerweile – ebenso wie alle anderen Postings – gelöscht. Die Folgen seiner Unterstützung für die vielen Demonstranten in der iranischen Metropole Teheran und zahlreichen anderen Städten des Landes sind tatsächlich noch unklar.

Ob der Angreifer am Dienstag im nächsten WM-Test in Österreich gegen Senegal noch zum Aufgebot gehört oder um seine Teilnahme am bevorstehenden WM-Turnier in Katar (20. November bis 18. Dezember) bangen muss, ist derzeit unklar.

Andererseits hatte Azmoun, der seit Ende Januar für Leverkusen spielt, drei Tage nach seiner ersten Kritik am Mullah-Regime wegen Aminis Tod (»Wenn das Muslime sind, möge Gott mich zum Ungläubigen machen«) zumindest noch gegen Uruguay auflaufen dürfen.

In Leverkusen stellte sich Sportgeschäftsführer Simon Rolfes hinter den 62-maligen Nationalspieler. »Ich hatte Kontakt mit Sardar. Er wollte vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in seinem Heimatland die iranischen Frauen und Frauen im Allgemeinen unterstützen«, sagte der Ex-Profi am Montag der »Rheinischen Post«: »Er solidarisiert sich sehr mit der weiblichen Bevölkerung Irans. Und natürlich unterstützen wir Sardars persönliches Engagement, weil er sich damit für die Wahrung und Stärkung demokratisch legitimierter Grundwerte einsetzt.«

kjo/sid
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