Lienen in Hannover Einigung kurz vor Mitternacht

Ewald Lienen heißt der neue Trainer beim abstiegsbedrohten Bundesligaverein Hannover 96. Lienens Erfahrung im Abstiegskampf war das entscheidende Argument für die Verpflichtung. Der zunächst von Hannovers Club-Boss favorisierte Friedhelm Funkel war auf entschiedene Ablehnung in Fankreisen gestoßen.


96-Boss Kind, Lienen: "Ehre und Herausforderung"
AP

96-Boss Kind, Lienen: "Ehre und Herausforderung"

Hannover - Als Einstiegsgeschenk eines Radiosenders gab es einen dicken Block kleiner Notizblätter, was Lienen, auch als "Zettel-Ewald" bekannt, gar nicht witzig fand: "Darüber möchte ich nun wirklich nicht reden." Fünf Minuten früher als angekündigt wurde der 50-Jährige im Saal sechs des noblen Marriott-Hotels direkt neben seinem künftigen Arbeitsplatz, der AWD-Arena, vorgestellt. Im Abstiegskampf hat Hannover 96 wahrlich keine Zeit mehr zu verlieren.

Bis zum 30. Juni 2005 hat Lienen bei den Niedersachsen unterschrieben, auch für die zweite Liga, aber das soll kein Thema sein: "Ich denke, dass die Mannschaft die Qualität und das Potential hat, die Klasse zu halten", erklärte der neue 96-Coach, "ich nehme diese Herausforderung gerne an." Lienen war pikanterweise am 21. September 2003 nach der Mönchengladbacher Niederlage in Hannover entlassen worden. Nun kehrt er an den Ort der Niederlage zurück.

Erst am Montagabend war Lienen zusammen mit seinem zukünftigen Co-Trainer Michael Frontzeck zu den abschließenden Verhandlungen eingetroffen. "Kurz vor Mitternacht waren wir uns einig", berichtete Clubchef Martin Kind. Den Ausschlag habe gegeben, dass Lienen Erfahrung in vergleichbaren Situationen habe. "Er kennt die Mannschaft aus der Liga und, das war das Entscheidende, er hat im Kampf um den Klassenerhalt mit Gladbach schon Erfolg gehabt", begründete Kind die Entscheidung.

Lienen nicht erste Wahl

Lienen, der in Hannover nicht als erste Wahl galt, hatte sich gegen mehrere Konkurrenten durchgesetzt. "Persönliche Kontakte gab es nur zu Herrn Lienen und Friedhelm Funkel", versicherte Kind. Doch nach den Fan-Gesängen der 96-Fans vom Wochenenden, die lautstark "Wir wollen Funkel verhindern" gröhlten, entschied sich der Präsident gegen Funkel. Schon nach einem Telefonat war das Thema Erik Gerets beendet. "Wir haben im Wesentlichen über sportliche Dinge gesprochen, weniger über Vertragsinhalte und Geld", sagte Kind zu den Verhandlungen mit dem 333-maligen Bundesligaspieler Lienen.

"Ich wollte zurück in die Bundesliga", gab Lienen zu: "Es ist für mich einen Ehre und Herausforderung, diesen Job anzunehmen." Restlos glücklich sei er mit der Situation aber nicht: "Es wäre besser, vor Beginn einer Saison den Posten zu übernehmen, als jetzt die Karre aus dem Dreck zu ziehen."

Sein Konzept für den Abstiegskampf klingt vertraut: "Ich muss bei der Mannschaft das Selbstvertrauen zurückgewinnen und Spannung aufbauen." Zu taktischen Dingen wollte er sich nicht äußern. "Es ist fast die halbe Liga, die noch gegen den Abstieg spielt", beschrieb er die Ausgangssituation. Lienen trainierte nach der Vorstellung das erste Mal mit der Mannschaft und trifft mit ihr am Samstag im Heimspiel auf den 1. FC Kaiserslautern.

Sportdirektor Moar bleibt

Lienen ist bereits der 44. Trainer bei Hannover 96 seit dem ersten Bundesliga-Aufstieg 1964. Der Ex-Profi von Borussia Mönchengladbach stand in der höchsten Spielklasse beim FC Hansa Rostock, 1. FC Köln und zuletzt in Gladbach unter Vertrag.

Der umstrittene Sportdirektor Ricardo Moar bleibt im Gegensatz zu Rangnick-Assistent Mirko Slomka vorerst im Amt. Die Entscheidung, ob der Spanier seinen bis 2005 gültigen Vertrag erfüllt, soll im Sommer fallen.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.