Liga-Duell gegen Bayern Hannover träumt den Champions-League-Alptraum

Ball paradox vor dem Bundesliga-Spiel zwischen Hannover und Bayern: Die Münchner hoffen auf die Champions League, die Niedersachsen fürchten den Einzug in die Königsklasse. 96-Präsident Kind traut seinem Team dort keinen Erfolg zu - und fürchtet den anschließenden Absturz.

DPA

Von Gereon Detmer


Martin Kind ist eigentlich kein ängstlicher Mensch: Er ist 66 Jahre alt, er führt ein weltweit operierendes Unternehmen für Hörgeräte, ist mit einer Unterbrechung seit zwölf Jahren Clubchef von Hannover 96 und kaum aus der Ruhe zu bringen.

Manchmal bekommt es aber auch Martin Kind mit der Angst zu tun. So zum Beispiel in diesen Tagen. Am Samstag spielt sein Club Hannover 96 gegen den FC Bayern München (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Und den Präsidenten quält vor dem Spiel gegen den taumelnden Giganten eine böse Ahnung: Was passiert eigentlich, wenn wir gegen die Bayern gewinnen?

Im Falle eines Sieges hätte Hannover fünf Punkte Vorsprung auf Bayern München. Die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb ist in greifbarer Nähe. Selbst die Teilnahme an der Champions League ist nicht mehr unrealistisch. Und genau das ist es, was Kind ein flaues Gefühl in der Magengegend bereitet: "Man muss sagen, dass wir objektiv betrachtet nicht die nötige Qualität dafür haben", sagt Kind, "aber wenn es so kommt, müssten wir uns wohl damit auseinandersetzen."

Zuletzt spielte der Club in der Saison 1992/1993 international. Den Macher von Hannover 96 treibt jetzt die Sorge vor dem Absturz in der kommenden Saison um. Ein mahnendes Beispiel, das die Zusatzbelastung nicht immer verkraftet wird, ist der 1. FC Nürnberg. Der Club spielte nach dem Gewinn des DFB-Pokals in der Saison 2007/2008 im Uefa-Cup und stieg noch in derselben Spielzeit in die Zweite Liga ab.

"Ein Märchen", das so nicht weitergehen wird

Kinds Sorge ist berechtigt. Hannover 96 spielt schon seit Monaten weit über dem Limit, was den Verantwortlichen auch bewusst ist. "Diese Saison ist ein einmaliges Märchen", sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke dem "Kicker". Wer glaube, dass der Lauf der 96er zu einer "Dauerveranstaltung wird, täuscht sich. Die Tabelle entspricht auf Sicht der Geldrangliste."

Und die finanziellen Mittel sind in Hannover sehr beschränkt. In der Vergangenheit war der Club eine Art Wohlfühl-Oase für an höheren Aufgaben gescheiterte Profis mit üppigen Gehältern. Valérien Ismaël, Mike Hanke oder Frank Fahrenhorst dürften sich noch lange mit Freude an ihre Verträge erinnern.

Doch die 96-Verantwortlichen haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Qualität ist inzwischen wichtiger als der Name, nur so konnte ein Torjäger wie Didier Ya Konan im fußballerischen Niemandsland von Norwegen entdeckt werden. Der Ivorer erzielte in 21 Spielen elf Tore. Nach Spielern zu suchen, "wo andere gar nicht mehr hinsehen", ist das Konzept von Sportdirektor Schmadtke.

Mehr Geld bedeutet nicht gleich mehr Qualität

Inzwischen ist der Fast-Absteiger der vergangenen Saison ein funktionierendes Kollektiv mit bestechender Effektivität. Längerfristige Ausfälle von Stützen wie Ya Konan, der wegen Knieproblemen gegen den FC Bayern nicht spielen kann, könnte die Mannschaft allerdings kaum wegstecken. Dazu ist der Kader zu dünn besetzt. Die Einnahmen aus dem Europapokal müssten umgehend reinvestiert werden. Spieler, die der Mannschaft weiterhelfen, dabei aber das Gehaltsgefüge und somit auch den Zusammenhalt nicht sprengen, dürften schwer zu finden sein.

Martin Kind liegt also richtig, wenn er den Höhenflug seiner 96er mit gemischten Gefühlen betrachtet. Damit, dass Mirko Slomka die Spieler anweist, nun ein wenig langsamer zu machen, ist nicht zu rechnen. Vor zwei Wochen rief der Coach nach dem souveränen Heimsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern erstmals ein neues Saisonziel aus. "Ich will diese Mannschaft mitnehmen und das Erreichte am besten verteidigen", sagte Slomka.

Vor dem Bayern-Spiel legte Slomka nach, sprach von einer ganz besonderen Situation. "Auch wir müssen uns Gedanken über die Champions League machen." Die Chancen auf einen Sieg gegen den Rekordmeister stehen nicht schlecht. In München ist es nach den Niederlagen gegen Dortmund (1:3) und Schalke (0:1) unruhig geworden, ein vorzeitiger Abschied von Louis van Gaal ist nicht mehr ausgeschlossen. Befreit aufspielen kann nur Hannover.

Martin Kind wird seiner Mannschaft natürlich auch am Samstag die Daumen drücken. Er wird sich sicher auch freuen, wenn sie gewinnt. Allein die Sorgenfalten auf seiner Stirn könnten am Samstag gegen 17.15 Uhr noch ein wenig tiefer sein. Ein Erfolg der 96er vorausgesetzt.

Hannover 96 - Bayern München
(Samstag, 15.30 Uhr, voraussichtliche Aufstellungen)
Hannover: Zieler - Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz - Schmiedebach (Stindl), Pinto - Stindl (Stoppelkamp), Rausch - Abdellaoue, Schlaudraff
München: Kraft - Lahm, Timoschtschuk, Breno, Pranjic - Kroos, Luiz Gustavo - Robben, Müller, Ribéry - Gomez
Schiedsrichter: Drees (Münster-Sarmsheim)
Zuschauer: 49.000 (ausverkauft)

insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
götterbote 05.03.2011
1. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
...und ein richtiger Tipp noch lange keinen Propheten. Das Luxusproblem Champions League wird Hannover nciht ereilen. Sie werden am Ende nicht mal international dabei sein. Dennoch Respekt vor Mirko Slomka. Der 1.FC Köln bereut heute noch, an seiner statt Soldo den Vorzug gegeben zu haben.
Cr4y 05.03.2011
2. .
Ist nicht ausgeschlossen, dass Hannover gewinnt. Aber wenn die so spielen wie Schalke und Dortmund, und Herr van Gaal nicht was neues im Petto hat, wird Bayern keine 2 Tore schießen.
Freifrau von Hase 05.03.2011
3. Bayern
Ich muss gestehen, als Anhängerin des FC Bayern beruhigtes mich, dass Konan nicht dabei ist. Also Daumen drücken für die Bayern und die 96er daran erinnern, dass ein angeschlagener Löwe am gefärlichsten ist. Vor ein paar Jahren mussten die Bayern in einer ähnlichen Situation, glaube ich mich zu erinnern, schon mal gegen Hannover 96 antreten und es gab einen Kantersieg. Bevor 96 in der CL spielt wird Eintracht Braunschweig Bundesligist, ist eh die hübschere Stadt.
WhereIsMyMoney 05.03.2011
4. ...
Zitat von sysopBall paradox vor dem Bundesliga-Spiel zwischen Hannover und Bayern: Die Münchner hoffen auf die Champions League, die Niedersachsen fürchten den Einzug in die Königsklasse. 96-Präsident Kind traut seinem Team*dort keinen Erfolg zu*- und fürchtet den anschließenden Absturz. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,749134,00.html
So, Hannover hat schon genug genervt. Ich hoffe nur, dass die ganz schnell aus den EL-Pätzen fallen. Hamburg und Mainz müssten es eigentlich schaffen noch an Hannover vorbeizukommen.
xbtfx 05.03.2011
5. ach neee.....
Zitat von sysopBall paradox vor dem Bundesliga-Spiel zwischen Hannover und Bayern: Die Münchner hoffen auf die Champions League, die Niedersachsen fürchten den Einzug in die Königsklasse. 96-Präsident Kind traut seinem Team*dort keinen Erfolg zu*- und fürchtet den anschließenden Absturz. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,749134,00.html
.... gibt ne einfache Lösung liebe 96er.... verliert einfach die nächsten Spiele und dann "droht" keine CL....
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