Messi zu gut für den BVB Gold wert, der Mann

Am Tag, als die besten Jungprofis mit dem Golden-Boy-Award ausgezeichnet wurden, zeigte Lionel Messi mal wieder seine Ausnahmestellung. Dortmund spielte ordentlich, war in Barcelona aber trotzdem chancenlos.

REUTERS/Albert Gea

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Ein äußerst zartes Pflänzchen: 0:4 in München, 3:3 gegen Paderborn und nun die nächste Niederlage für Borussia Dortmund. Was das für die Zukunft von BVB-Trainer Lucien Favre, der von vielen Seiten kritisiert wird, bedeutet, werden die kommenden Tage zeigen. "Nach dem Paderborn-Spiel ist etwas innerhalb der Mannschaft passiert", hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf der Aktionärsversammlung Anfang der Woche gesagt. 25 Minuten in der ersten und über weite Strecken in der zweiten Hälfte sah es tatsächlich so aus, als könne die Borussia beim FC Barcelona bestehen. Doch die Phasen dazwischen zeichneten das Bild einer tief verunsicherten Mannschaft.

Das Ergebnis: Barcelona gewinnt 3:1 (2:0) und steht vorzeitig im Achtelfinale, lesen Sie hier den Spielbericht.

Silver Boy I: Seit 2003 vergibt die italienische Zeitung "Tuttosport" den Golden-Boy-Award. Die Liste der Gewinner mit unter anderem Wayne Rooney, Paul Pogba oder Kylian Mbappé zeigt das gute Gespür der Jury. 2005 gewann ein gewisser Lionel Messi (2005), vom BVB wurde Mario Götze 2011 ausgezeichnet. Bei der Borussia hoffte in diesem Jahr Jadon Sancho auf den Titel, doch seit dem Mittwoch ist klar, dass er hinter dem Portugiesen João Félix auf Platz zwei gelandet ist. Dabei macht der Engländer gerade eine schwierige Phase durch - wie es bei einem 19-Jährigen einfach mal vorkommen kann. In Barcelona saß Sancho eine Hälfte lang auf der Bank. Wie wichtig er sein kann, zeigte er dann nach seiner Einwechslung.

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Messis 700. Barça-Spiel: Geschenke vom BVB

Erste Hälfte: Die guten 25 Minuten des BVB sahen in etwa so aus, dass Barça meist vom Tor weggehalten werden konnte und der Ball ansehnlich in den eigenen Reihen gehalten wurde. Die Gastgeber wurden aber mit jeder Minute stärker. Ein Pass von Lionel Messi fand seinen Sturmpartner Luis Suárez und der Uruguayer überwand freistehend Torhüter Roman Bürki (29.). Es vergingen nur vier weitere Minuten, ehe Messi nach einem Fehlpass von Mats Hummels selbst traf (33.).

Ein Königreich für einen Stürmer: Die Probleme des BVB sind vielfältig. Es fehlt an Tempo in der Defensive, im Spielaufbau passieren zu viele Fehler, die Abstände der Mannschaftsteile stimmen oft nicht, Leistungsträger sind außer Form. Vor allem fehlt ein Stürmer, wenn - wie in Barcelona - Paco Alcácer ausfällt. Diesen Fehler in der Transferpolitik hat Watzke bereits eingeräumt, ob im Winter ein neuer Angreifer kommt, ist noch nicht klar. Im Camp Nou versuchten sich abwechselnd Julian Brandt und Marco Reus in der Spitze. Die beiden besten Torchancen vergab Nico Schulz, wobei sein kläglicher Abschluss in der 23. Minute im Erfolgsfall vermutlich wegen Abseits abgepfiffen worden wäre.

Silver Boy II: Ousmane Dembélé kennt sich beim Golden-Boy-Award auch gut aus. 2016 landete er auf dem fünften Platz, ein Jahr später wurde nur Mbappé besser bewertet. In Deutschland hat Dembélé seit seinem von einigen Nebengeräuschen begleiteten Wechsel nach Barcelona allerdings ein Image wie Urlaubsreisen mit dem Flugzeug. Gegen seinen alten Klub stand Dembélé mal wieder in der Startelf - und wurde nach 26 Minuten verletzt ausgewechselt. Häme war ihm sicher.

Zweite Hälfte: Unter anderen Umständen wäre Dortmunds Auftritt nach der Pause womöglich gelobt worden. Zwar erzielte der für Dembélé eingewechselte Antoine Griezmann den dritten Treffer für Barcelona (67.), doch nicht nur wegen des Tores von Sancho (77.) waren die Verhältnisse ausgeglichen. Der Engländer traf in der Schlussphase noch die Latte (87.) - für eine Aufholjagd wie gegen Paderborn fehlte aber auch der Gegner, der es mit sich machen lässt.

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Lionel Messi: 700!

863 in 700: 14 Jahre ist es her, dass Messi als Golden Boy geehrt wurde. Dieses Spiel hat mal wieder gezeigt, dass Barcelona ohne den Argentinier schwer vorstellbar ist. Mit seinem Tor und den beiden Vorlagen für Suárez und Griezmann kommt Messi nun in 700 Pflichtspielen für Barça auf 863 Torbeteiligungen.

Erkenntnis des Spiels: Eine 1:3-Niederlage beim FC Barcelona ist für Borussia Dortmund ein erwartbares Ergebnis - erst recht in der derzeitigen Situation. Wichtiger werden die Bundesliga-Spiele bei Hertha BSC mit Neu-Trainer Jürgen Klinsmann und gegen Fortuna Düsseldorf und Mainz 05 sowie in der Champions League gegen Slavia Prag. Für das Achtelfinale benötigt der BVB einen Sieg gegen Prag, und Inter Mailand darf gleichzeitig nicht gegen Barcelona gewinnen. Die Europa League ist immerhin schon sicher.

FC Barcelona - Borussia Dortmund 3:1 (2:0)
1:0 Suárez (29.)
2:0 Messi (32.)
3:0 Griezmann (67.)
3:1 Sancho (77.)
Barcelona: ter Stegen - Roberto, Umtiti, Lenglet, Firpo - Rakitic (78. Vidal), Busquets, de Jong - Messi, Suárez (90.+1 Wagué), Dembélé (26. Griezmann)
BVB: Bürki - Piszczek (76. Zagadou), Akanji, Hummels, Guerreiro - Weigl (85. Götze), Witsel - Hakimi, Brandt, Schulz (46. Sancho) - Reus
Schiedsrichter: Turpin (Frankreich)
Gelbe Karten: Messi, Busquets - Guerreiro
Zuschauer: 90.071

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roppel 28.11.2019
1. Toll das Marco Reus....
...zum Fussballer des Jahres 2019 gewählt wurde. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem man alle seine guten Spiele an einer Hand abzählen kann. Da muss die Enttäuschung über die Bayern Meisterschaft bei den vielen BVB-Fanboys unter den Sportjournalisten wirklich die Sinne benebelt haben. Von dem angeblich so toll zussammengestellen Kader über den wir hier in der Sommerpause ständig lesen durften, ist auch nicht mehr viel übrig. Im Gegenteil, mittlerweile hat man eher das Gefühl, Azubi Brazzo macht deutlich sogar deutlich bessere Arbeit als Zorc und Co.
ptb29 28.11.2019
2. Eigenartiger Artikel
Da schreibt ein Journalist eine Entschuldigung, warum Dortmund verloren hat. Er hebt eine kurze Phase, in der die Dortmunder ordentlich gespielt haben, hervor. Was ist mit dem Rest? Wenn schon über Barca-Spieler gelästert wird, warum nicht auch über die tollen Dortmunder Stürmer oder den Fels in der Abwehr Hummels? Man kann in Barcelona verlieren, aber ein schlechtes Spiel ist ein schlechtes Spiel.
stoffi 28.11.2019
3. Nach dem Spiel
meinte Hummels, sie hätten doch gut gespielt. Ja wie sieht denn dann ein schlechtes Spiel aus?Barca war recht schwach und ein ansehliches Spiel sieht anders aus. Weite Strecken über Standffussball.
viceman 28.11.2019
4. Ja , wenn das der Anspruch
Zitat von stoffimeinte Hummels, sie hätten doch gut gespielt. Ja wie sieht denn dann ein schlechtes Spiel aus?Barca war recht schwach und ein ansehliches Spiel sieht anders aus. Weite Strecken über Standffussball.
von Dortmund sein soll ? Herr Hummels war maßgeblich mit kläglichen Fehlpässen an den beiden ersten Toren beteiligt. ein Nico Schulz als Angreifer, was hat Favre da denn geritten ? Das Problem liegt maßgeblich bei der Mannschaft, was die in der ersten Halbzeit zusammenspielten ( weil sie kaum zusammen spieleten ) läßt schlimmes hoffen... Wenn man wenigstens den Willen zeigen will , zu gewinnen, dann muß man pressen, laufen , angreifen und zusammen spielen ( können ) !
gnarze 28.11.2019
5. Ordentlich...
sorry, aber da war nichts...von Anfang an kein Glaube an sich, Sicherheitsabstand zu den Barca Stürmern. Die beiden Leuchttürme Reus und Witsel wieder komplett untergetaucht. Das Reus immer wieder vor den Kameras die gleiche Leier abspult, um anschließend noch unsichtbarer zu werden, ist fast schon Realsatire. Mit der richtigen Einstellung und Aufstellung wäre in Nou Camp war gegangen, so hatte man immer den Eindruck, dass Dortmund nur darauf aus war, die Niederlage im Rahmen zu halten, so wie Leverkusen in Turin.
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