Messi vor dem Duell mit Ronaldo Er trifft kaum noch

13 Spiele, sieben Tore, aber fünf davon per Elfmeter: Es scheint, als hätte der beste Stürmer der Welt seinen Torinstinkt verloren. Ist das Pech? Ein Formtief? Oder wird Lionel Messi – alt?
Lionel Messi: Seine verringerte Torquote hängt auch mit dem Trainerwechsel in Barcelona zusammen

Lionel Messi: Seine verringerte Torquote hängt auch mit dem Trainerwechsel in Barcelona zusammen

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Manu Fernandez / REUTERS

Im »Guardian« erschien kürzlich ein wunderbarer Text  über Lionel Messi und seine Hommage an Diego Maradona. Im ersten Spiel für Barcelona nach Maradonas Tod habe Messi ein Tor auf exakt die Weise geschossen wie es einst Maradona für den gemeinsamen Ex-Klub Newell’s Old Boys getan hatte. Mit voller Absicht.

Das klang ein bisschen zu schön, um wahr zu sein, wahrscheinlich war es das auch. Denn selbst wenn man es Messi über Jahre blind zutraute, zu treffen, wie er wollte: Derzeit ist er davon ein gutes Stück entfernt. Er trifft überhaupt nur noch selten aus dem Spiel heraus.

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Nimmt man die Pflichtspieleinsätze für den FC Barcelona in dieser Saison zusammen, liest sich Messis Bilanz so: 13 Einsätze, sieben Tore. Fünf davon waren Elfmeter. Für jemanden, der über mehr als ein Jahrzehnt hinweg um die 50 Saisontore erzielte, ist das ein Einbruch. Als habe er seinen Torinstinkt verloren. Als wäre er ein guter Stürmer, aber längst nicht mehr der beste.

Ein Zufall?
Ist Messi im Formtief?
Oder wird er – alt?

Am Abend trifft Messi, 33, mit Barcelona in der Champions League auf Juventus und damit auf den alten Rivalen, Cristiano Ronaldo (21 Uhr, Stream: DAZN). Der Portugiese, 35, ist sogar älter als Messi, aber aktuell trifft er und trifft und trifft. Am vergangenen Samstag ehrte der Klub seinen Starspieler. Ronaldo hatte in der Partie davor sein 750. Pflichtspieltor erzielt. Es war sein zehnter Treffer im achten Saisoneinsatz gewesen. Eine Quote ganz wie früher.

Ein paar Stunden später trat am selben Samstag Barcelona mit Messi in Cádiz an und verlor 1:2. Messi versuchte es immer wieder in dem Spiel, zehn Schüsse gab er ab. Er traf nicht.

Es sind unruhige Zeiten für Messi und Barcelona. Der Argentinier wollte den Klub im Sommer verlassen, durfte aber nicht. Der damalige Präsident ist inzwischen weg, sein Interimsnachfolger verkündete unlängst, Barça hätte Messi besser ziehen lassen sollen , die Ablöse hätte man dringend gebrauchen können. Und in diesem Umfeld muss Messi nun Fußball spielen.

Ein Grund für die gesunkene Torquote ist taktischer Natur. Er hängt mit dem neuen Barcelona-Trainer zusammen, Ronald Koeman. Der im Sommer für Quique Setién gekommene Niederländer scheint als erster Barça-Coach seit einer kleinen Ewigkeit nicht zu versuchen, ein System zu finden, das ganz auf Messi ausgerichtet ist. Koeman will auch Antoine Griezmann und Philippe Coutinho einbinden, die beiden ehemaligen Startransfers der Katalanen, die zusammengenommen 265 Millionen Euro Ablöse gekostet haben sollen.

Barcelonas Trainer und Legende: Koeman und Messi

Barcelonas Trainer und Legende: Koeman und Messi

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ALBERT GEA / REUTERS

Gegen Cádiz begannen sie alle in einem 4-2-3-1: Messi rechts, Griezmann auf der Zehn, Coutinho links, im Sturmzentrum: Martin Braithwaite. Der große Unterschied zwischen Koemans 4-2-3-1 und Barcelonas Stammformation, dem 4-3-3, ist der offensive Mittelfeldspieler. Für Messi kann das zum Problem werden. Er, der dann am besten funktioniert, wenn er selbst bestimmt, wann er wo auftaucht; der ein Fußballspiel lesen kann wie kaum ein anderer, trifft pro Partie etliche Entscheidungen über die Positionierung: Wann bleibe ich außen, wann ziehe ich in die Mitte, wann stoße ich vor in den Strafraum, wann lasse ich mich fallen? Messis Erfolgsquote bei diesen Entscheidungen ist phänomenal gut, sie macht einen großen Teil seiner Qualität aus.

Das funktioniert aber nur dann, wenn die Spieler um ihn herum entsprechend reagieren. Sie müssen Messi Räume verschaffen, indem sie ihm aus dem Weg gehen und Gegenspieler mit sich locken.

Gegen Cádiz ist Griezmann im Zentrum, vor allem aber zieht es Coutinho immer wieder von links in die Mitte. Der Cádizer Abwehrblock schiebt entsprechend dorthin.

Messi muss schauen, wo er bleibt.

Wer sagt, Barcelona müsse weniger abhängig werden von Messi, der sollte in diesen Wochen genau hinschauen: Jetzt treffen Griezmann, Braithwaite, Coutinho, Ousmane Dembélé. Aber Barcelona ist Neunter, zwölf Punkte hinter Platz eins. In jedem der sechs Ligaspiele, in denen Messi weder traf noch ein Tor vorbereitete, verpasste Barça den Sieg.

Messi schafft es seltener, einzuleiten und abzuschließen

Gegen Cádiz stellt Koeman in der Pause die Taktik um. Er bringt Dembélé für Coutinho; der Franzose zieht nicht ins Zentrum, er bleibt linksaußen. Messi findet Räume. Von seinen zehn Torschüssen gibt er acht nach der Umstellung ab.

Aber Messi verliert auch selbst Bälle. Mal spielt er einen Fehlpass, mal sieht er einen Gegenspieler nicht im eigenen Rücken heranrauschen. Und, auch das erklärt das aktuelle Tief: Er schafft es nicht mehr zuverlässig, Angriffe einzuleiten und abzuschließen. So, wie er es über die Jahre tat.

Noch immer kann Messi Wege gehen, noch immer schafft er es, auf engstem Raum Gegenspieler auszuspielen. Mit dem Ball im Fuß über mittlere und weite Distanzen aber dribbelt er nur noch selten. Spielverständnis, Technik, Handlungsschnelligkeit, darin verkörpert Messi nach wie vor Weltspitze. Nur taucht er inzwischen seltener vor dem gegnerischen Tor auf.

Schon in der vergangenen Saison sank Messis Quote etwas. 0,73 Tore erzielte er da im Schnitt pro 90 Minuten. Das war der niedrigste Wert seit 2009 gewesen. Aktuell liegt er bei 0,56 Treffern.

Vielleicht ist das trotzdem eine Momentaufnahme.

Spieldaten legen nahe , dass Messi bei seinen bisherigen Abschlüssen der Saison auch Pech hatte. Demnach dürfte seine Torquote bald steigen. Gut möglich also, dass Messi bald wieder mehr trifft, dass er vorbereitet, Barça zu großen Siegen führt und wir Zuschauer darüber verblüffen, uns begeistern, ihn bejubeln.

Die Daten zeigen aber auch: Von seinen einstigen Torquoten wäre Messi selbst dann weit entfernt. Selbst ein Lionel Messi muss dem Alter Tribut zollen.

Möglicherweise werden diese großen Momente also seltener. Messi mag in der Lage gewesen sein, die Regeln des Fußballspiels außer Kraft zu setzen. Nicht aber die der Biologie. Vielleicht müssen wir das schlicht akzeptieren: Dass er nicht mehr in jedem Spiel Traumpässe und Soli und Wundertore zugleich zeigt. Dass der Größte ein bisschen kleiner wird.

Die meisten anderen Fußballer auf der Welt überragt er auch dann noch immer.

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