"Ich will nicht Teil dieser Korruption sein" Nach Rot sieht Messi rot

Lionel Messi redet sich nach dem Platzverweis bei der Copa América in Rage, kritisiert Schiedsrichter und Verband und schwänzt die Medaillenvergabe. Nicht alle haben Verständnis für Argentiniens Kapitän.
"Ich bin stinksauer, die Rote Karte war ungerecht" - Lionel Messi

"Ich bin stinksauer, die Rote Karte war ungerecht" - Lionel Messi

Foto: Victor R. Caivano/AP

Zu großer Form lief Lionel Messi an diesem Samstagabend in São Paulo erst in der Interviewzone auf. Er war ja noch frisch, nachdem ihm Schiedsrichter Mario Díaz de Vivar in der 37. Minute des Spiels um den dritten Platz bei der Copa América gegen Chile, das Argentinien 2:1 gewann, eine Rote Karte gezeigt hatte. Der argentinische Kapitän hatte sich einen Disput mit Chiles Mannschaftsführer Gary Medel an der Seitenauslinie geliefert, in deren Verlauf Messi von Medel attackiert wurde. Der Chilene deutete mehrfach einen Kopfstoß an. Aber der paraguayische Referee schickte anschließend beide Spieler mit Rot vom Feld.

Vor Kameras und Mikrofonen redete sich der Argentinier leise aber sicher in Rage - gegen die Schiedsrichter auf dem Feld und die vor den Fernsehern, gegen den ewigen Rivalen Brasilien und vor allem gegen den südamerikanischen Fußballverband Conmebol.

"Ich will nicht Teil dieser Korruption sein", sagte der Kapitän der himmelblau-weißen Auswahl und schwänzte die Vergabe der Medaillen für den dritten Platz. Gemeinsam mit Verteidiger Nicolás Otamendi blieb er in der Kabine, als ihre 21 Mitspieler mit den Medaillen für das Mannschaftsfoto mehr frustriert als glücklich in die Kamera schauten. Es ist der erste große Eklat bei dieser Südamerika-Meisterschaft.

Foto: Andre Penner/AP

Messi versteckte derweil seine Wut wie stets hinter einer undurchschaubaren Fassade. Aber die Vorwürfe sind hart. "Ich bin stinksauer, die Rote Karte war ungerecht. Man hat uns gegenüber während des ganzen Turniers den Respekt vermissen lassen. Wir fahren mit dem Gefühl nach Hause, dass man Argentinien nicht im Finale haben wollte. Die Korruption und die Schiedsrichter verhindern, dass die Menschen dieses Spektakel hier genießen."

Der Stürmer vom FC Barcelona ließ durchblicken, dass seine Hinausstellung vielleicht eine Art Revanchefoul für seine Worte nach dem gegen Gastgeber Brasilien verlorenen Halbfinale gewesen sein könnten: "Das war heute vielleicht die Rechnung für meine Kritik."

Schon nach der Partie in Belo Horizonte hatte Messi moniert, dass Argentinien aus seiner Sicht gegen Brasilien zwei Elfmeter verweigert wurden und dass vor allem der Videoschiedsrichter die Szenen nicht überprüfte. "Das ganze Turnier schauen sie sich jeden Schwachsinn am Bildschirm an, aber heute keine einzige strittige Entscheidung", sagte er am Dienstag. Und auch nach dem Spiel gegen Chile wiederholte der fünfmalige Weltfußballer, was er schon nach dem Halbfinale gesagt hatte: "Bei dieser Copa ist alles arrangiert, damit Brasilien am Ende gewinnt."

"Bei dieser Copa ist alles arrangiert, damit Brasilien am Ende gewinnt", sagt Lionel Messi

"Bei dieser Copa ist alles arrangiert, damit Brasilien am Ende gewinnt", sagt Lionel Messi

Foto: Victor R. Caivano/ AP

Messis Worte interpretierten einige Medien und die Mitspieler als genau das, was ein Kapitän in solch einer Situation tun muss. Sich vor die Mannschaft stellen und Kritik äußern. Andere, wie die Zeitung "La Nación" aus Buenos Aires, missbilligten Messis Verhalten: "Das sind nicht die Führungsqualitäten, die eine Nationalmannschaft braucht." Der Kapitän habe sich für "die Opferrolle anstatt für Selbstkritik entschieden". Und er habe sich dazu noch selber blamiert. Zum einen habe er Chiles Medel in der fraglichen Szene unnötig provoziert und zum anderen habe er dann seine Mitspieler bei der Preisverleihung allein gelassen.

Der Argentinier war zuvor in seiner langen Karriere zwei Mal vom Platz gestellt worden. In seinem Debüt für Argentinien im August 2005 in einem Freundschaftsspiel zeigte ihm der deutsche Schiedsrichter Markus Merk wegen einer Tätlichkeit bereits nach 40 Sekunden die Rote Karte. Davor war er auch 2005 mit der B-Elf vom FC Barcelona vom Platz gestellt worden, weil er zu vehement gegen einen Elfmeter protestiert hatte, der gegen sein Team verhängt worden war. In seinen 687 Spielen für den FC Barcelona sah er kein einziges Mal Rot, kam aber bei einigen Situationen auch glimpflich davon.

Messi und die argentinische Teamleitung wissen, dass ihr Kapitän nicht nur für den Platzverweis, sondern vermutlich auch für die Korruptionsvorwürfe gegen den Verband bestraft werden wird. "Es ist inakzeptabel, dass aufgrund von Vorgängen auf dem Spielfeld unbegründete Vorwürfe erhoben werden, die nicht der Wahrheit entsprechen und zudem die Integrität der Copa América in Frage stellen", teilte der Verband einige Stunden nach dem Vorfall mit.

Zwar nannte der Verband Messi in dieser Erklärung nicht beim Namen, meinte ihn aber. Der Kapitän wird seiner Elf damit in den ersten Qualifikationsspielen für die WM 2022 fehlen, die im März des kommenden Jahres beginnen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.