Steuersünder Messi Wen juckt's?

Steuervorwürfe wie gegen Lionel Messi sind im spanischen Spitzenfußball nichts Ungewöhnliches. Zahlreiche Top-Fußballer hatten bereits Ärger mit den Finanzbehörden.

AP/dpa

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Die Bilanz des FC Barcelona und seiner Spieler ist beeindruckend: Javier Mascherano, Vizeweltmeister, 122 Länderspiele, dreifacher spanischer Meister, zweifacher Champions-League-Sieger, verurteilt wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Neymar, 49 Tore in 92 Ligaspielen, zweifacher Fußballer des Jahres in Südamerika, 43 Millionen Euro Privatvermögen von den Behörden wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung blockiert, darunter sein Privatjet und eine Yacht.

Und vor allem: Lionel Messi. Bester Fußballer der Welt. Fünffacher Weltfußballer, sagenhafte 308 Ligatore für seinen Klub, geschätzte 36 Millionen Euro Jahresgehalt, angeklagt wegen Steuerhinterziehung, jetzt verdächtigt, auch im Zusammenhang mit den Panama-Enthüllungen weitere Steuermillionen am Fiskus vorbeigeschmuggelt zu haben.

Am 31. Mai beginnt in Madrid der Steuerprozess gegen Messi, eine Woche zuvor wird das Champions-League-Endspiel in Mailand ausgetragen. Und wer die spanische Öffentlichkeit kennt, ahnt, welches der beiden Ereignisse mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird.

Messi bisher unbeeindruckt von den Vorwürfen

Seit vier Jahren wird intensiv gegen den Superstar aus Argentinien ermittelt, er hat bereits 15 Millionen Euro Steuern nachzahlen müssen, seinem Image beim FC Barcelona hat es bisher ebenso wenig geschadet wie seinen sportlichen Leistungen. Messi ist ein Unantastbarer des Klubs, der SPIEGEL schrieb im Vorjahr, die "Funktionäre des FC Barcelona sind dem kleinen Genie inzwischen hörig".

Zumal die Verteidigungsstrategie sowohl von Neymar als auch von Messi die gleiche ist. Beide werden von ihren Vätern in Geschäftsdingen beraten, beide Lager haben sich auf die Version verständigt, die Spieler komplett aus den Vorwürfen herauszuhalten. Vater Jorge Messi behauptet, sein Sohn habe keinerlei Kenntnisse über das verschlungene Finanzimperium, das den Fußballer umgebe. Messi selbst sagt: "Wenn mein Vater es sagt, unterschreibe ich alles mit geschlossenen Augen." Franz Beckenbauer lässt grüßen.

Dasselbe bei Neymar. Hier nimmt sein Vater ebenfalls sämtliche Verantwortung für die Geldgeschäfte auf sich. So soll der brasilianische Superstar auch von den windigen Transferumständen nichts gewusst haben, als er 2013 vom FC Santos zu Barcelona wechselte. Offiziell zahlten die Katalanen 57 Millionen Euro Ablöse, es gilt mittlerweile jedoch als erwiesen, dass zahlreiche weitere Millionen über Marketingfirmen flossen, an denen der Neymar-Clan beteiligt ist. Barcelonas damaligen Präsidenten Sandro Rosell kostete dies seinen Job. Dass er ging und seitdem über die Modalitäten schweigt, ist sein letzter Liebesdienst am Klub gewesen.

Bildrechte-Agenturen als Steuersparmodell

Dass Profis in Spanien die Steuer austricksen, ist ein schon seit mehr als 20 Jahren gängiges Modell. Gerne werden die Bildrechte an den Stars externen Agenturen übertragen, deren Sitz, welch Zufall, in den Steuervermeidungsorten dieser Welt liegt. Das üppige Gehalt der Profis wird demnach einfach aufgesplittet, ein Gutteil davon geht als Honorar an die Bildrechte-Agenturen, die von den günstigeren Unternehmensteuertarifen profitieren.

Auch der heutige Bayernspieler Xabi Alonso, Torwart-Ikone Iker Casillas und Nationalspieler David Villa hatten bereits Ärger mit den Steuerbehörden. 2015 waren in einer portugiesischen Fernsehdokumentation Vorwürfe gegen Alonso laut geworden, damals fiel schon das Stichwort Panama. Gegen Alonso wurde im Vorjahr ein Ermittlungsverfahren eröffnet, der Bayernstar weist allerdings sämtliche Vorwürfe von sich.

Messis Klubkollege Mascherano, der den gleichen Berater wie Alonso hat, war erst im Januar zu einer Haftstrafe von einem Jahr und der Zahlung von 815.000 Euro verurteilt worden. Mascherano hatte sich vor Gericht geständig gezeigt. Ins Gefängnis muss der Argentinier allerdings nicht, bei Strafen unter zwei Jahren greift die Bewährungsklausel.

Das alles hat die spanische Öffentlichkeit bislang wenig aufgeregt. Die Finanzkrise in Spanien hat die Sensibilität für die prominenten Steuerfälle zwar angehoben, und die Zeiten sind auch vorbei, in den sich selbst spanische Regierungsmitglieder für Dopingsünder wie Radstar Alberto Contador ins Zeug legten. Dennoch ist das Unrechtsbewusstsein im Land für die Fehltritte ihrer Superstars unvergleichlich geringer als zum Beispiel in Deutschland. Die öffentliche Erregung um den Fall Uli Hoeneß hierzulande wäre in Spanien kaum denkbar.

Wie sehr die Steuervorwürfe gegen Neymar den Spieler und den Verein belasten, wurde Barca-Trainer Luis Enrique letztens gefragt. Seine Antwort: "Etwa 0,00001 Prozent."

insgesamt 51 Beiträge
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florafauna 04.04.2016
1. Man muss ...
die Ermittlungen abwarten. Trotzdem, was mich immer wieder schockiert, ist die Tatsache, dass reiche Menschen nicht bereit sind ihre Steuern in vollem Umfang zu bezahlen. Die Gier der Menschen scheint keine Grenzen zu kennen.
Dramaturgenfrau 04.04.2016
2. Der korrupte Gladiator
Diktatorenfreund Messi wieder. Es wird aber weiterhin genügend "Fans" geben, die wie bei Hoeneß grölen "Das hat der Führer nicht gewollt!" Dummes Volk, korrupte Gladiatoren, ignorante Politiker, gedungene Justiz. Jedes Volk hat die Gesellschaft, die es verdient!
der_durden 04.04.2016
3.
Ich möchte eigentlich nicht den Zeigefinger erheben, Neid spielt da schon gar keine Rolle und wer ist schon frei von Fehlern. Aber für mich ist es absolut unverständlich, dass man Steuern hinterzieht, wenn man einen Kontostand hat, der auch mit sauber abgeführten Steuern so hoch ausfällt, dass man das Geld zeit Lebens nicht mehr ausgeben kann. Das Verhalten ist zutiefst erbärmlich. Es ist obendrein im Grunde auch unsportlich!
wildi71 04.04.2016
4. Auch wenn Messi
&Co begnadete Sportler sind...diese "Finanz-Optimierungs-Lösungen" erarbeiten und managen sie mit Sicherheit nicht selber.Hier und hier und hier bitte unterschreiben...danke und fertig.Was man den Herren und Damen ankreiden könnte ist,dass sie nicht genau hinterfragen was sie da genau zur persönlichen Geldvermehrung unterschreiben.Aber das Konstrukt ist sicher nicht auf deren Mist gewachsen..
Architectus 04.04.2016
5. Charakter
Ich frage mich bei diesen Skandalen immer was denn eigentlich in solchen menschen vorgeht. Die sind stinkreich und spüren doch die Steuern gar nicht....ob die ein paar Millionen mehr oder weniger haben ändert überhaupt nichts. Und gerade diese Menschen entziehen sich der Solidarität und Ihrer Verantwortung für Ärmere. Für mich ist das wahrhaft asoziales Verhalten. Und am schlimmsten wird es, wenn sie dann noch "großzügig" Spendengalas abhalten oder Stiftungen gründen. Die wirklich asozialen Menschen dieser Welt sind die Steuerhinterzieher.
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