Lizenzierungsverfahren DFL prüft Schalkes Finanzen

Die Deutsche Fußball-Liga untersucht einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge die Finanzlage bei Schalke 04. Wie etwa 20 weitere Clubs muss sich der Verein einem Nachlizenzierungsverfahren unterziehen. Dabei geht es auch um zusätzliche Ausgaben für den teuren Trainerstab.
Schalke-Coach Magath: Teurer Trainerstab

Schalke-Coach Magath: Teurer Trainerstab

Foto: ddp

Hamburg - Die Situation des finanziell angeschlagenen Bundesligisten FC Schalke 04 wird von der Deutschen Fußball-Liga geprüft. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wird der Club einem Nachlizenzierungsverfahren unterzogen. Dies bestätigten Liga-Kreise dem Sport-Informations-Dienst am Samstag.

Der Schuldenstand der Schalker soll sich derzeit auf rund 136 Millionen Euro belaufen. Bis Ende des Monats muss der Club demnach Unterlagen einreichen. Die DFL kann auf Verstöße mit Geldstrafen oder Punktabzügen reagieren, im schlimmsten Fall droht sogar ein Lizenzentzug. Die Vereine haben bis Jahresende Zeit, Mängel abzustellen.

Zu den weiteren betroffenen Clubs soll dem Bericht zufolge auch Zweitliga-Aufsteiger Union Berlin gehören. Die Berliner hatten sich kurz nach Saisonstart von ihrem Trikotsponsor International Sport Promotion (ISP) wegen der Stasi-Tätigkeit des ehemaligen ISP-Aufsichtsratschefs Jürgen Czilinsky getrennt. Zudem soll das überwiegend in Afrika tätige Unternehmen nach Angaben von Union-Präsident Dirk Zingler in den ersten Monaten seines Engagements den Zahlungen nicht vollständig nachgekommen sein. Mittlerweile hat Union einen neuen Sponsor gefunden.

Union Berlin bestätigte die Nachprüfung der DFL, stellte dies allerdings als ganz normalen, geplanten Vorgang im Lizenzierungs-Verfahren dar. Bis zum 31. Oktober müsse der Verein der DFL aktuelle Zahlen liefern. Dies habe aber nichts mit der ISP-Kündigung zu tun, versicherte ein Sprecher.

Nachlizenzierungsverfahren gibt es seit der Saison 2006/2007. Die DFL prüft dabei routinemäßig, ob sich bei den Vereinen nach der Lizenzerteilung finanzielle Rahmenbedingungen geändert haben. Im Vorjahr wurde dem Zweitligisten TuS Koblenz sechs Punkte abgezogen, weil nach der Lizenz-Erteilung Transfer-Verträge maßgeblich verändert worden waren. Der Verein geriet daraufhin in den Abstiegskampf.

Zusätzliche Ausgaben für das Team um Felix Magath

Im Fall Schalke geht es nach dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" auch um Zahlungen für gekündigte Manager und Trainer sowie um zusätzliche Ausgaben in dieser Saison für das Team um Felix Magath. Diese sollen sich auf rund zehn Millionen Euro belaufen.

Cheftrainer Magath soll demnach vier Millionen Euro plus weitere zwei Millionen Euro aus Marketingrechten pro Jahr erhalten. Die Kosten für den vierköpfigen Trainerstab sowie den neuen stellvertretenden Sportdirektor und neuen Pressesprecher sollen weitere vier Millionen Euro betragen. Peter Peters, Geschäftsführer von Schalke 04, wollte diese Angaben weder bestätigen noch dementieren. "Es ist doch normal, dass wir uns zu Vertragsinhalten nicht äußern", sagte Peters am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Gelassen steht Peters einer angeblichen Drohung des US-Bankiers Stephen L. Schechter gegenüber. Wie die Zeitung berichtet, habe Schechter, der Schalke eine Anleihe über 75 Millionen Euro mit der "Prudential Trustee Company Limited" vermittelte, dem Verein wegen angeblicher Vertragsbrüche mit der Fälligstellung der Anleihen für Ende Oktober und Forderungen in Höhe von 102,8 Millionen Euro gedroht. "Schechter ist nicht unser Vertragspartner, sondern war nur der Vermittler. Er hat alle seine Provisionen inklusive der Reisekosten erhalten", sagte Peters dazu.

Bereits Mitte September hatte der SPIEGEL darüber berichtet, dass Magaths Trainerteam den Etat des Clubs erheblich belastet. Die Personalkosten von insgesamt rund 55 Millionen Euro sollten deutlich gesenkt werden. Doch die Reduzierung der Personalkosten für den Profikader läuft schleppend. Von den Großverdienern haben nur Orlando Engelaar und Mladen Kristajic den Club im Sommer verlassen, dafür wurden die Verträge von Heiko Westermann und Jermaine Jones zu verbesserten Bezügen verlängert. Für aussortierte Schalker Spieler wie Albert Streit und Carlos Grossmüller wurden keine Abnehmer gefunden.

wit/sid/dpa
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