Lizenzvergabe Wilhelmshaven fehlten zehn Minuten

Weil das Faxgerät nicht richtig funktioniert hat, ist Wilhelmshaven vom DFB die Lizenz für die Regionalliga entzogen worden. Sehr zur Freude von Fortuna Düsseldorf.


Glückliche Fortuna: Fortuna Düsseldorf (hier Bernd Weikl, l., im Zweikampf mir Babelsbergs Chalaskiewicz) darf drittklassig bleiben.
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Glückliche Fortuna: Fortuna Düsseldorf (hier Bernd Weikl, l., im Zweikampf mir Babelsbergs Chalaskiewicz) darf drittklassig bleiben.

Frankfurt am Main - Des einen Freud - des anderen Leid. Nach der endgültigen Lizenzvergabe für die Regionalliga durch den DFB am Montagabend reichten die Emotionen bei den betroffenen Klubs von Verbitterung, über Wut und Gleichgültigkeit bis hin zu Freudenausbrüchen.

"Unseren Jubel hat man auch außerhalb von Düsseldorf noch hören müssen", erklärte Fortuna Düsseldorfs Präsident Michael Steffes-holländer im Anschluss an den Klassenerhalt seines Klubs im Überschwang und ließ den Sekt sprudeln. Der Fortuna-Boss erlebte in den vergangenen Wochen mit seinem Verein ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst waren die Düsseldorfer sportlich abgestiegen, dann drohte ihnen nach dem Rückzug des Rechtevermarkters Sportwelt der finanzielle Kollaps.

Dank an die Toten Hosen


"Der große Aufwand, den wir ohne die Sportwelt betrieben haben, hat sich gelohnt. Viele haben uns belächelt, aber jetzt haben wir es geschafft", sagte Steffes-holländer. Dass die Rheinländer noch einmal die Kurve gekriegt haben, ist allerdings in erster Linie den bekennenden Fortuna-Fans von der Rockband "Die Toten Hosen" zu verdanken, die dem Traditionsklub mit einer Geldspritze von einer Millionen Mark in den nächsten beiden Jahren unter die Arme greifen.

Ob der Zuschuss der Kultband dem Klub zur endgültigen Konsolidierung verhilft, bleibt abzuwarten. Seinen Humor hat Sänger Campino trotz der prekären Lage des Vereins jedenfalls nicht verloren: "Lieber gehen wir mit Fortuna in die vierte Liga, bevor wir Bayern-Fans werden." Dass den Anhängern des einstigen Europapokal-Finalisten der Gang in die Oberliga und ins Lager des Rekordmeisters erspart blieb, liegt vor allem am Zwangsabstieg des SV Wilhelmshaven.

Wilhelmshaven will protestieren


Die Norddeutschen hatten eine Bürgschaft über 500.000 Mark zehn Minuten nach Ablauf der Frist am vergangenen Dienstag beim DFB eingereicht und erhielten daraufhin keine Lizenz. "Das ist eine schwarze Stunde für den Deutschen Fußball-Bund, der uns zu Gunsten eines Traditionsvereins aus der Liga kegelt", erklärte der Interimsvorsitzende Hans Bösken empört. Der SV-Boss behält sich rechtliche Schritte gegen den Verband vor.

Kurios war vor allem, wie die Verspätung von zehn Minuten zustande kam. "Wir haben die Auflagen des DFB erfüllt und können nachweisen, dass wir die erforderlichen Unterlagen um vier Minuten vor zwölf aus meiner Kanzlei an den DFB gefaxt haben", sagte der ehemalige SVW-Insolvenzverwalter Harald Naraschewski. Als sich herausgestellt habe, dass eine Seite fehle, "haben wir das ganze noch einmal gefaxt", berichtete Naraschewski: "Um zehn nach zwölf war alles komplett da. Wenn es nun an diesen zehn Minuten hängen sollte, dann verstehe ich die Welt nicht mehr." - "Man muss das Gefühl haben, die wollen uns nicht", verdeutlichte auch Trainer Hans Werner Moors die Gefühlslage bei den Wilhelmshavenern. Beim SVW erwägt man derzeit eine einstweilige Verfügung gegen den DFB-Beschluss zu erwirken.

Resignation in Ulm und Leipzig


Weit entfernt von solchen Emotionen sind dagegen die Verantwortlichen von Zweitliga-Absteiger SSV Ulm und dem zweimaligen DDR-Meister Sachsen Leipzig. Für sie war der Lizenzentzug nur noch Formsache. Beide Vereine haben Insolvenz beantragt und mit der Verwaltung der Konkursmasse eine Aufgabe zu bewältigen, bei der Gefühle nicht gefragt sind. In Ulm wurden bei einer erste Bestandsaufnahme Verbindlichkeiten zwischen 24 und 26 Millionen Mark Schulden ermittelt. Allein fünf Millionen davon häuften die Zweitliga-Kicker in der vergangenen Abstiegssaison an.

Freuen können sich dagegen neben Düsseldorf auch die Amateure von Werder Bremen und Rot-Weiß Erfurt, die vom finanziellen Aus der Leipziger und Ulmer profitieren. Auch Holstein Kiel darf für die Regionalliga plagen. Die Kieler unterlagen zwar in Aufstiegsspielen Göttingen 05, doch auch den Niedersachsen wurde die Lizenz verweigert. Da half auch kein Betteln beim berühmtesten Landsmann, dem Bundeskanzler.



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