Logbuch eines Fußballprofis BAPerlapapp

Die Kolumne des Rostocker Bundesligaprofis Christian Brand bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Demontage in Köln und ein schrecklicher Niedecken im Ohr.


SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist (l.) entkommt Kölns "Culli"
DPA

SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist (l.) entkommt Kölns "Culli"

Eines schon mal vorweg, ich finde Karneval richtig blöd. Das mag einerseits daran liegen, dass ich aus der norddeutschen Tiefebene stamme, wo Karneval regelmäßig ausfällt. Und andererseits bin ich wahrscheinlich durch die ungefähr 250 Karnevalssitzungen, die ich mit meiner Großmutter vor dem Fernseher ansehen musste, für den Rest meines Lebens mit der rheinländischen Witzigkeit versorgt.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Ich habe nichts gegen Kölner. Doch schon beim Warmlaufen am Samstagnachmittag vor unserem Auswärtsspiel im Müngersdorfer Stadion drang aus den Lautsprechern die Stimme des BAP-Sängers Wolfgang Niedecken - sozusagen als Vorbote des Leidens, das meine Kollegen und ich an diesem Nachmittag ertragen sollten.

Ich hatte mich gerade von Niedecken erholt, als der FC schon nach ein paar Minuten in Führung ging und ich nur dachte: Auweia, das ging aber schnell - wenngleich ich nicht unbedingt geschockt war. Und als wir dann nach einer halben Stunde plötzlich mit 2:1 vorne lagen, war ich mir ziemlich sicher, dass wir DIE (Kölner) heute fertig machen würden.

Weitere 15 Minuten später ging ich kopfschüttelnd und verwirrt neben meinem Gegenspieler Dirk Lottner zum Pausentee in Richtung Kabine und wollte vom Kölner Kapitän eine Erklärung haben, warum seine Mannschaft mit 3:2 führte. Anscheinend stellte er sich gerade die gleiche Frage. Jedenfalls starrte "Lotte", anstatt mir zu antworten, apathisch gen Himmel, als ob er gerade ein Gespräch mit dem Chef höchstpersönlich über dieses komische Spiel hätte.

Der zweite Spielabschnitt lief unter der Überschrift "Christians Reise durch die Zeit". Plötzlich sah ich mich im Frankfurter Waldstadion und zugleich bei unserem ersten Heimspiel gegen Schalke 04. Denn auch der 1. FC Köln demontierte uns nun, und ich konnte nicht glauben, dass wir, wie schon zu Saisonbeginn, einfach aufgaben und den Dingen ihren Lauf ließen. Das konnte doch alles nicht wahr sein!

Zehn Minuten vor der Halbzeit hatten wir noch geführt, am Ende stand es 2:5. DIE (Kölner) hatten uns fertig gemacht, wir hatten den Jecken auf den Rängen eine nette Samstagnachmittag-Party beschert, und auf der Heimreise hatte ich permanent Wolfgang Niedecken im Ohr. Die kölsche Ausgabe von Bruce Springsteen sang so was wie: "Allet wirrd jut." Hoffentlich dann bald auch wieder für uns.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.