Logbuch eines Fußballprofis Das Monster im Lichtspielhaus

Das Tagebuch des Rostocker Fußballprofis Christian Brand bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Filmfestspiele in Bremen und ungeheuerliche Essgewohnheiten vor der Leinwand.


Wenn Christian Brand mit dem Popkorneimer unterwegs ist, ist der Weg nach Loch Ness nicht mehr allzu weit
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Wenn Christian Brand mit dem Popkorneimer unterwegs ist, ist der Weg nach Loch Ness nicht mehr allzu weit

Winterzeit ist Kinozeit, für mich jedenfalls. Wenn ich es also irgendwie einrichten kann, verbringe ich einen nicht unerheblichen Teil meiner Freizeit in Lichtspielhäusern und fläze mich mit einer Tüte Popcorn in die Sitze, sehr zum Leidwesen meiner jeweiligen Begleitung und der restlichen Filmbesucher.

Ich habe es leider immer noch nicht geschafft, meine animalischen Instinkte bei der Aufnahme der klebrigen aufgeplatzten Maiskörner auch nur halbwegs manierlich über die Bühne beziehungsweise durch den Film zu bringen. Eigentlich kann ich gar nichts dafür. Denn hätte ich, anstatt mit meinen Geschwistern, mit meinen Eltern alleine die gemeinsamen Mahlzeiten genießen können, ja dann wäre dieser Futterneid schon in meiner frühesten Kindheit unterdrückt worden, und ich hätte mich nicht immer wie unter Wölfen gefühlt.

Der mit dem Wolf tanzt


So komme ich mir mit meiner Popcorntüte ständig beobachtet vor und fürchte mich unendlich vor der Frage meiner Begleitung: "Kann ich auch ein bisschen Popcorn haben?" Natürlich kann sie oder er nicht. Und damit diese Frage erst gar nicht aufkommen kann, sieht es auf meinem Kinoplatz bereits nach der Werbung aus wie auf einem Schlachtfeld.

Vielleicht erinnern Sie sich noch aus Ihrer "Sesamstraßen"-Zeit an das Krümelmonster mit seinen Keksen? Mehrfach wurde mir eine gewisse Ähnlichkeit attestiert. Ich selber müsste vor dem Hauptfilm eigentlich auch noch mal schnell unter die Dusche, aber weil das ja noch nicht zum Service gehört, verschmiere ich die übrig gebliebenen 13 Kilogramm Zucker an meinen Kleidern, oder verteile sie unauffällig in meiner näheren Umgebung.

Während meiner vierwöchigen Reha-Zeit in Bremen hatte ich mehrmals die Möglichkeit, mich mit Freunden zum cineastischen Vergnügen zu verabreden, und so fühle ich mich fast verpflichtet, Ihnen ein paar Filmtipps mit in die Woche zu geben. Sie müssen sich unbedingt folgende drei Filme anschauen: "Billy Elliot - I will dance", "Brot und Tulpen", und wenn Sie, wie ich, auf schwarzen Humor stehen, dürfen Sie "Ein todsicheres Geschäft" auf gar keinen Fall verpassen.

Knapp an der Höchststrafe vorbei


Ich fühle mich zudem dazu berufen, Sie vor dem schlechtesten Film zu warnen. Meine beiden Freunde und ich sind einstimmig zu dem Urteil gekommen, dass "Frau2 sucht HappyEnd" um die Kickernote 5,5 nicht herumkommt. "Warum nicht die Höchststrafe?", fragen Sie sich zu recht. Einzig und allein weil der Soundtrack annehmbar ist. Wenn Sie also mal wieder einen Kinotipp brauchen, können Sie sich vertrauensvoll an mich wenden.



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