Logbuch eines Fußballprofis Der Teufel und die Oma

Die wöchentliche Kolumne des Rostocker Bundesligaspielers Christian Brand bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Warum Fußballprofis besonders häufig gegen ihren vorherigen Arbeitgeber treffen.


Abdelaziz Ahanfouf: Der Hachinger traf "nach 23 Lichtjahren" wieder - gegen seinen ehemaligen Club Hansa Rostock
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Abdelaziz Ahanfouf: Der Hachinger traf "nach 23 Lichtjahren" wieder - gegen seinen ehemaligen Club Hansa Rostock

In der Fußball-Bundesliga ist es ja nichts Ungewöhnliches, dass ein Spieler im Laufe seiner Karriere hin und wieder den Arbeitgeber wechselt. Ein Phänomen, welches mich aber immer wieder amüsiert und gleichzeitig irritiert, ist die Tatsache, dass unglaublich viele Spieler gegen ihren vorherigen Arbeitgeber im ersten Aufeinandertreffen ein Tor erzielen.

Hier mein aktuellstes Beispiel: Mein ehemaliger Mitspieler Abdelaziz Ahanfouf spielt seit Rückrundenbeginn bei der SpVgg Unterhaching. Am Sonntag sollte es daher zu einem Wiedersehen mit unserem früheren Arbeitskollegen an seiner neuen Wirkungsstätte kommen.

"Warum soll der denn ausgerechnet jetzt treffen?"

Ich kann mich noch sehr gut an eine Unterhaltung in der vergangenen Trainingswoche erinnern, in der es darum ging, ob "Aziz", so sein Rufname, wohl gegen uns einen Treffer erzielen werde. Einer meiner Mitspieler meinte: "Ach Quatsch, der hat schon seit 23 Lichtjahren kein Tor mehr geschossen, warum soll der denn ausgerechnet jetzt treffen?" Ich stimmte der Argumentation meines Kollegen zu und fügte noch an, dass es ja wohl mit dem Teufel zugehen müsse, wenn dieser Fall tatsächlich eintreten sollte.

Tja, was soll ich sagen? Der Teufel nahm mich beim Wort und erschien meiner Mannschaft und mir in der 53. Spielminute im Unterhachinger Sportpark in Gestalt eines Treffers gegen uns. Ich werde Ihnen an dieser Stelle nicht den Torschützen nennen, weil Sie ihn ja schon kennen.

"Ich glaube an die Weisheiten meiner Oma"

Ehrlich gesagt, glaube ich ja gar nicht an den Teufel. Ich glaube jedoch an die Weisheiten meiner Oma. Die sagte immer: "Es gibt für alles im Leben eine Erklärung, mein Junge." Meine liebe Oma hat auch in diesem Fall Recht behalten. Die Erklärung für Ahanfoufs Torerfolg hat nämlich bestimmt nichts mit dem Teufel zu tun. Die eigentliche Erklärung allerdings kann ich Ihnen auch nicht liefern.

Vielleicht ist man ja wirklich besonders motiviert und will denen, die einen nicht mehr haben wollten, mal so richtig zeigen, was sie noch an einem haben könnten. Und ganz vielleicht ist man dann ja wie vom Teufel geritten. Was meinst du, Oma?



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