Lokalderby abgesagt Holland-Rasen kapituliert vor Hamburger Wetter

Die nächste Panne beim Hamburger SV: Der Dauerregen war zu viel für den neuen Rasen im HSV-Stadion - das Lokalderby gegen den FC St. Pauli ist abgesagt. Die Fans sind frustriert, und auch die Polizei ist alles andere als begeistert. 
Rollrasen im HSV-Stadion: Nicht mehr rechtzeitig angewachsen

Rollrasen im HSV-Stadion: Nicht mehr rechtzeitig angewachsen

Foto: dapd

Der Hamburger SV verfügt über technisch starke Spieler: der Niederländer Eljero Elia zum Beispiel oder Brasiliens Zé Roberto. In anderen Bereichen offenbart der Verein allerdings derzeit erhebliche technische Defizite: Erst verhinderte ein bockiges Faxgerät in dieser Woche den Transfer von Stürmer Eric-Maxime Choupo-Moting zum 1. FC Köln, jetzt sorgte der neu verlegte Rollrasen dafür, dass das Lokalderby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli, das wichtigste Spiel des Jahres für die Hamburger Fußballfans, wegen Unbespielbarkeit des Platzes ausfällt.

Es mutet absurd an: Ausgerechnet wegen Regens kann in Hamburg nicht gespielt werden, in einer Stadt, in der es gefühlt an mindestens 150 Tagen im Jahr Niederschläge gibt. "Hamburger Wetter, wir haben Hamburger Wetter", gehört zu den traditionellen Fangesängen bei beiden Clubs, wenn es während des Spiels mal aus Kübeln gießt. Es hat zwar seit Freitag tatsächlich ununterbrochen geregnet, es tröpfelte jedoch mehr, als dass es schüttete. Für einen Norddeutschen ist das eher Feuchtigkeit als Regen.

Für den Rasen, der extra für das Lokalderby im HSV-Stadion erneuert wurde, war das aber schon zu viel. Das frische, 100.000 Euro teure Grün war erst mit Verspätung aus den Niederlanden geliefert worden und konnte durch das Wasser von oben nicht mehr richtig anwachsen. Das Spielfeld verwandelte sich nach Aussage von HSV-Nationalspieler Dennis Aogo "in einen nassen Schwamm". So etwas habe er noch nie erlebt, sagte HSV-Coach Armin Veh der "Bild"-Zeitung.

"Pannenladen HSV"

Die Erneuerung erfolgte für viele Beobachter zu spät. Das letzte Heimspiel des HSV fand schließlich am 21. Januar, also 16 Tage vor dem Derby statt. Der HSV wehrt sich jedoch gegen Vorwürfe. "Diese Wassermassen hätte auch der alte Rasen nicht aufgenommen", sagte Stadionchef Kurt Krägel. Beim FC St. Pauli zeigte man sich ebenfalls bemüht, Vorwürfe gar nicht erst aufkommen zu lassen. "Es war eine Verkettung unmöglicher Umstände. Den Ausfall zu prüfen liegt nicht in meiner Macht", sagte St. Paulis Präsident Stefan Orth.

Zumal weder der HSV noch der FC St. Pauli etwas von dieser Absage haben. Es gab weder auf der einen noch auf der anderen Seite so große Personalsorgen, dass man sich stillschweigend über den Ausfall hätte freuen können, die HSV-Verantwortlichen hätten das Spiel denn auch liebend gerne wie geplant anpfeifen lassen. Aber Schiedsrichter Günter Perl, der am Samstagabend nach einer Rasenbegehung entschied, blieb keine andere Möglichkeit als die Absage. Zu spielen sei letztlich unmöglich gewesen, musste auch Veh einräumen.

Während die Verantwortlichen des FC St. Pauli eher überrascht als verärgert reagierten, war bei zahlreichen Anhängern der Unmut groß. Im Fanforum des HSV schwankten die Reaktionen zunächst zwischen Unglauben und Empörung: "Peinlich", "Pannenladen HSV", "Dorfverein", "Lachnummer der Liga", so lauteten die meisten Kommentare. Einige Fans reagierten ihren Ärger in der Nacht auf der Reeperbahn ab. Zwischen insgesamt 200 Anhängern beider Clubs kam es laut Polizei zu kleineren Zusammenstößen, Flaschen und Feuerwerkskörper flogen, Verletzte gab es dabei aber nicht.

Millerntor wäre spielbereit gewesen

Das Stadion war seit Wochen komplett ausverkauft. Auch wenn die Absage durch die Deutsche Fußball-Liga relativ zeitig erfolgte, waren bereits zahlreiche Fans aus ganz Deutschland angereist, um das erste Liga-Stadtduell im HSV-Stadion seit April 2002 zu sehen. Auch das Public Viewing im Millerntor-Stadion, zu dem mehr als 10.000 Zuschauer erwartet worden waren, fällt nun logischerweise aus. Die relativ aufwendig installierte Technik muss wieder abgebaut werden.

Wann das Spiel jetzt nachgeholt wird, soll am Montag bekanntgegeben werden. Es gilt aber als ziemlich sicher, dass die Partie jetzt unter der Woche als Flutlichtspiel angesetzt werden wird. An einem Wochenende einen Termin zu finden, ist durch den Ligaspielplan und Länderspiele kaum möglich.

Keine Begeisterung hat die Absage denn auch bei der Hamburger Polizei ausgelöst, die sich jetzt auf ein Abendspiel einstellt. Eine Situation, die die Sicherheitskräfte bei Partien dieser Brisanz lieber vermeiden möchte. Allerdings fand auch das 2002er-Derby unter Flutlicht statt - Zwischenfälle gab es dennoch kaum. Der FC St. Pauli hatte damals auf sein Heimrecht verzichtet und das Spiel im Volkspark ausgetragen - und prompt 0:4 verloren.

Jetzt wäre die Chance gewesen, es umgekehrt zu machen: Am Millerntor hätte das Spiel zumindest von den Rasenverhältnissen her problemlos stattfinden können, sagte Präsident Orth. Außerdem wird auf St. Pauli ja sogar gespielt, wenn der gesamte Platz mit Eis überzogen ist. Man solle sich mal bei Werder Bremen danach erkundigen.

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