Neuer Trainer Luis Enrique Barça setzt auf den Ironman

Zum ersten Mal seit Jahren hat der FC Barcelona in dieser Saison keinen großen Titel geholt. Deshalb machen die Katalanen ihren Exspieler Luis Enrique zum Trainer. Der sagt, er sei "ein bisschen deutsch bei der Trainingsplanung".
Von Isaac Lluch
Neuer Barça-Trainer Enrique: "Ich liebe das Offensivspiel"

Neuer Barça-Trainer Enrique: "Ich liebe das Offensivspiel"

Foto: Javier Lizon/ dpa

Der FC Barcelona spielt seit zwei Jahren unter seinen Möglichkeiten. Seit Josep Guardiola den Verein 2012 verlassen hat, gewann der erfolgsverwöhnte Klub nur einmal die Meisterschaft und einmal den spanischen Supercup. Die Barça-Verantwortlichen fürchten den Verlust des Erfolgshungers und der Freude am Spiel.

Die Spieler litten unter dem Trainerwechsel, als Tito Vilanova aufgrund seiner Krankheit kurzfristig aufgeben musste. Nachfolger Gerardo Daniel "Tata" Martino kam überstürzt und zeigte, dass er die Spielweise mit Kombinationen und viel Ballbesitz zwar bewundert, aber nicht versteht. Martino gab auf, als Barça rein rechnerisch noch hätte Meister werden können, und schaffte es nicht, seine hochtalentierten Spieler bis zum Saisonende zu motivieren.

Es musste einen Neustart geben. Da die Rückkehr des Bayern-Trainers Guardiola ausgeschlossen war, wählte die Vereinsspitze Luis Enrique Martínez García. Niemand dürfte die Werte Barças so verkörpern wie er. Der spanische Exnationalspieler gilt als starke Persönlichkeit, er war ein beliebter Stürmer in Barcelona und Vizekapitän hinter Guardiola. Dieser schlug ihn bei seinem Amtsantritt als Coach im Frühjahr 2008 für die zweite Mannschaft vor.

Dass der neue Trainer die Philosophie des Klubs verinnerlicht hat, zeigen Sätze von ihm wie dieser: "Ich liebe das Offensivspiel. Wenn man Spielern die Möglichkeit gibt, gut zu spielen, dann haben sie Spaß, können die Menschen begeistern und sich als Spieler entwickeln."

Mit dem Fahrrad zum Training

Als Trainer arbeitete Enrique drei Jahre für die zweite Mannschaft des FC Barcelona und erreichte 2010/2011 mit dem dritten Platz die beste Platzierung, die die Reserve je erreicht hat. Obwohl er nicht als so perfektionistisch gilt wie Guardiola, haben die Verantwortlichen Enrique nicht nur als Trainer, sondern als Hüter der Philosophie Barças geholt. Er kennt den Verein genau und ist eine Identifikationsfigur des barcelonismo.

"Bei ihm spürt man seine Energie, seinen starken Charakter, aber auch seine Freude und positive Grundhaltung. Er kann sehr ernst sein, aber ist gleichzeitig der Erste, der sich zu einem Witz hinreißen lässt", erzählt Jonathan Soriano Casas, Stürmer von RB Salzburg und unter Enrique Rekordtorschütze bei Barças zweiter Mannschaft.

Seine Exspieler berichten zudem, dass Enrique meist mit dem Fahrrad zum Training kam oder gejoggt ist, um fit zu bleiben. Seit er 2004 seinen Abschied als Fußballer bekannt gab, besteht sein neues Leben aus dem Trainieren von Marathons, Triathlons und Ultraman-Wettrennen. Er hat an einer Vielzahl von Wettbewerben teilgenommen wie dem Ironman und sogar an einem sechstägigem 245-Kilometer-Lauf quer durch die Sahara.

"Ein bisschen deutsch"

Enrique gilt als diszipliniert, akribisch und extrem anspruchsvoll. Er soll von seinem Exverein Celta Vigo sogar verlangt haben, ein Baugerüst zu bauen, damit er von dort das Training besser beobachten und die Spieler taktisch korrigieren könne. "Bei der Trainingsplanung bin ich ein bisschen deutsch", gibt er zu. Das sind gute Nachrichten für den neuen Barça-Torwart, den Ex-Gladbacher Marc-André ter Stegen, dessen Wechsel ebenfalls am Montag bestätigt wurde.

Offen ist hingegen, welche Beziehung Enrique zu Superstar Lionel Messi haben wird. Zu Beginn der Saison 2011-2012 hatte er als Trainer von AS Roma Probleme mit dem Star Francesco Totti. Es war August, und der Kapitän kam mit einem T-Shirt mit der Aufschrift "Basta" zum Training, offenkundig, weil er mit seiner Position als Ersatzspieler unzufrieden war. Während der Saison konnten Enrique und Totti den Streit aber schlichten.

Bei Celta Vigo förderte Enrique Nachwuchsspieler, etwa den von Barcelona ausgeliehenen Rafinha, den Bruder von Bayerns Mittelfeldspieler Thiago Alcántara. Rafinha kommt nun gemeinsam mit Enrique nach Barcelona zurück, ebenso wie ein anderes katalanisches Talent, der bisher an Everton ausgeliehene Gerard Deulofeu Lázaro. Bei Barça interpretieren sie das bereits als Zeichen einer Regeneration. Es gibt wieder einen Trainer mit einer starken Hand. Einen Ironman.