Vorwürfe von Englands Verbandspräsidentin Rubiales soll sich auch englischen Spielerinnen gegenüber übergriffig verhalten haben
Luis Rubiales ist für drei Jahre vom Fußball ausgeschlossen
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Debbie Hewitt, Präsidentin des englischen Fußballverbands FA, hat neue Anschuldigungen gegen Spaniens früheren Verbandschef Luis Rubiales erhoben. Hewitt wirft Rubiales auch unangemessenes Verhalten gegenüber englischen Spielerinnen bei der Medaillenzeremonie der Frauen-WM vor, wie aus einem vom Weltverband veröffentlichten Bericht zur Begründung des Fifa-Urteils gegen Rubiales hervorgeht.
Rubiales habe gemäß der Aussage von Hewitt das Gesicht der Spielerin Laura Coombs umfasst und gestreichelt, was die FA-Präsidentin laut Fifa-Protokoll »etwas seltsam« fand.
Dann habe er laut Hewitt die Spielerin Lucy Bronze »offensichtlich energisch« im Gesicht geküsst. Auf Fotos ist zu sehen, wie er Bronze in beide Arme nimmt, sein Mund befindet sich an ihrem Ohr.
Luis Rubiales und Lucy Bronze
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Rubiales war wegen seines übergriffigen Verhaltens gegenüber der spanischen Weltmeisterin Jennifer Hermoso, die er auf den Mund geküsst hatte, von der Fifa für drei Jahre gesperrt worden.
Rubiales widerspricht in Statement
Rubiales warf Hewitt laut Fifa-Protokoll Vorurteile gegenüber seiner Person vor. Auch sie habe mehrere Spielerinnen umarmt, obwohl diese ihre Hände ausstreckten, um einen Händedruck zu erhalten, was nach der Logik Hewitts ebenfalls als »gewaltsamer, nicht einvernehmlicher Körperkontakt« verstanden werden könne. Die Heuchelei Hewitts sei eklatant, wurde Rubiales wiedergegeben.
Rubiales sagte demnach weiter, dass Bronze »nicht nur in Spanien spielt, sondern wenige Monate zuvor auch den spanischen Supercup gewonnen« habe. Coombs wiederum habe sich »im Finale verletzt«, sei genäht worden und habe einen Verband am Kopf tragen müssen.
Coombs war allerdings im Endspiel gar nicht zum Einsatz gekommen, Rubiales verwechselte sie offenbar mit Alex Greenwood.
Rubiales hatte nach dem Spiel zudem mit beiden Händen in Richtung des spanischen Trainers Jorge Vilda gestikuliert und sich dann in den Schritt gegriffen – mit der Geste wollte er offenbar ausdrücken, dass es der umstrittene Vilda allen Kritikern gezeigt habe. Er »bedauere« seine Geste, so Rubiales.
Rubiales wehrt sich gegen Sperre
Mit seinem Verhalten unmittelbar nach dem WM-Finale am 20. August in Sydney zwischen Spanien und England hat Rubiales gegen die Bestimmungen von Artikel 13 des Fifa-Disziplinarreglements verstoßen. Gegen seine Sperre wolle er gerichtlich vorgehen, hatte er angekündigt.
Rubiales beteuert, der Kuss mit Hermoso sei in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt. Gegen ihn läuft in Spanien auch ein Ermittlungsverfahren, ihm droht laut Experten eine Haftstrafe von bis zu vier Jahren.