Rot für Hradecky und Drobny Die Torleute der Liga

Sie haben die Geschichte des Spieltags mitgeschrieben: Die Torhüter Lukas Hradecky und Jaroslav Drobny mussten das Feld vorzeitig mit Rot verlassen. Vor allem die Einlage des Eintracht-Keepers Hradecky sorgte für Aufsehen.

Eintracht-Torwart Lukas Hradecky in Leipzig
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Eintracht-Torwart Lukas Hradecky in Leipzig

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Ein Fußballspiel ist eine Aneinanderreihung von Sekundenentscheidungen. Zum Überlegen bleibt so gut wie keine Zeit, es zeichnet die Größten aus, dass sie in solchen Situationen meistens die richtige Entscheidung fällen.

Lukas Hradecky gehört jetzt noch nicht zu den Stars der Branche, in Finnland vielleicht, wo er die Nummer eins im Tor ist, aber am Samstag hat er in jedem Fall die falsche Entscheidung gefällt. Das Spiel bei RB Leipzig war gerade einmal 131 Sekunden jung, da rutschte der Torwart der Frankfurter Eintracht beim Herauslaufen aus, verlor den Halt und musste urplötzlich reagieren: Lässt er den auf ihn zurollenden Ball einfach passieren und riskiert damit ein Gegentor - oder nimmt er ihn, obwohl außerhalb des Strafraums, mit der Hand auf und riskiert damit den Platzverweis?

Hradecky entschied sich so, dass am Ende beides passiert war. Der Keeper musste vom Feld, und Leipzig nutzte den anschließenden Freistoß zur 1:0-Führung. Es war der schnellste Platzverweis für einen Torwart in der Bundesligageschichte.

Der Schlussmann, zuletzt von der "Süddeutschen Zeitung" noch zu einem der Gewinner der Hinrunde geadelt, sagte anschließend, er würde in einer ähnlichen Szene auch künftig so handeln. "Ich wollte kein Tor kassieren. Ich musste etwas entscheiden. Als Torwart kann ich den Ball doch nicht reingehen lassen."

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Das klingt plausibel, die Alternative wäre ein früher Rückstand, allerdings noch mit elf gegen elf Spieler, gewesen. So jedoch war die Partie quasi nach fünf Minuten vorentschieden. Eintracht-Trainer Niko Kovac hatte mit Branimir Hrgota den einzigen nominellen Stürmer vom Platz genommen, um Ersatztorwart Heinz Lindner aufs Feld zu schicken. Der hielt in der Folgezeit stark, aber das schnelle 1:0 konnte auch er nicht verhindern. Rückstand beim Tabellenzweiten und Unterzahl - da konnte man das Spiel eigentlich abhaken. Die Leipziger legten anschließend noch zwei Tore zum 3:0-Erfolg nach.

Vorwürfe an den Stammkeeper gab es anschließend zumindest nach außen hin nicht. "Dass passiert dir einmal in der Karriere, dass du ausrutschst in so einer Situation", sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. "Das passiert im Fußball, das macht ihn nur stärker."

Frankfurt spielt nun in Schalke und dann das Hessenderby gegen Darmstadt 98 möglicherweise ohne seine Nummer eins. Auch das ein Kollateralschaden der Entscheidung Hradeckys. Die starke Vorstellung von Ersatzkeeper Lindner am Samstag lässt das Ganze allerdings in mildernem Licht erscheinen.

Ähnliche Probleme hat auch Werder Bremen und sein Trainer Alexander Nouri. Der hatte sich in der Winterpause gerade auf Jaroslav Drobny als der klaren Nummer eins zwischen den Pfosten festgelegt, da darf er jetzt wieder umplanen. Der Tscheche wird nach seiner Kungfu-Einlage gegen Dortmunds Marco Reus bei der 1:2-Heimniederlage sicherlich eine höhere Sperre vom DFB kassieren. Felix Wiedwald ist dadurch unvermittelt wieder für die Stammformation gesetzt. Das Hin und Her im Werder-Tor geht weiter. Das sorgt nicht unbedingt für Stabilität - und am Wochenende kommt der FC Bayern. Da sollte man sich schon auf seinen Torwart verlassen können.



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
goat777 22.01.2017
1.
Tragisch für Bremen. Wiedwald ist nicht mal annähernd Bundesliga tauglich. Da hätte man in der Winterpause nachlegen müssen und eine Nummer 2 holen sollen.
widower+2 22.01.2017
2. Das sehe ich anders
Zitat von goat777Tragisch für Bremen. Wiedwald ist nicht mal annähernd Bundesliga tauglich. Da hätte man in der Winterpause nachlegen müssen und eine Nummer 2 holen sollen.
Wiedwald hat gestern stark gehalten und ist ebenso wie Drobny ein nur leicht unterdurchschnittlicher Bundesligatorwart. Bundesligatauglich sind beide. Und Zetterer gibt es auch noch.
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