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Fotostrecke: Star-Aufmarsch kurz vor der Rente

Foto: ADEM ALTAN/ AFP

Altstars in der Türkei Eine Liga im Vorruhestand

Podolski, Gomez, van Persie - die türkische Liga schmückt sich mit großen Namen. Sportlich haben die Stars ihren Zenit überschritten. Bezeichnend für eine Liga, die gerade den Anschluss in Europa verpasst.

An sich gibt es doch nichts Schöneres, als in der Türkei Fußball zu spielen. Das Wetter ist gut, der Verdienst noch viel besser, die Fans vergöttern die Stars bis an die Grenze des Zulässigen.

Nur eine sportliche Herausforderung, ein Zukunftsmodell, das ist die türkische Liga, die Süper Lig, nicht. Nicht mehr. Hier scheint zu spielen, wer den Anschluss an den modernen Hochgeschwindigkeitsfußball in Europa verpasst hat.

Lukas Podolski, 30, wechselte im Sommer zum Meister Galatasaray, dorthin, wo bereits der Niederländer Wesley Sneijder, 31, unter Vertrag steht. Mario Gomez, 30, ging zu Besiktas, Oranje-Star Robin van Persie, 32, spielt nun bei Fenerbahce an der Seite seines ehemaligen Manchester-Teamkollegen Nani, 28. Große Namen, zweifellos, Stars des europäischen Fußballs - und punktuell immer noch zu Großem fähig. Aber alle Genannten sind auch in die Türkei gegangen, weil die europäischen Top-Vereine keine Verwendung mehr für sie sahen.

Eine weitere Station eines sportlichen Abwärtstrends

Gomez und Podolski betonen selbstverständlich pflichtschuldig, dass sie ihr Engagement in der Türkei auch als Chance sehen, sich für den EM-Kader von Joachim Löw zu empfehlen. Aber eigentlich ist ihr Wechsel in die Süper Lig nur eine weitere Station eines sportlichen Abwärtstrends.

Die Süper Lig verkomme zum "Rentnerparadies", hat die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" gehöhnt. Tatsächlich ist es eine Liga, die auf dem Weg ist, in Europa die Rolle einzunehmen, die ansonsten die Nordamerikanische Profiliga MLS oder die Liga in China hat. Noch einmal die Möglichkeit für alternde Stars, ganz groß abzusahnen, bevor die Karriere zu Ende geht. Podolski kassiert in Istanbul drei Millionen Euro im Jahr, Gomez 3,5, van Persie gar fünf Millionen.

Oranje-Star van Persie: Begeistert in Istanbul empfangen

Oranje-Star van Persie: Begeistert in Istanbul empfangen

Foto: OZAN KOSE/ AFP

Dass der frühere Weltstar Samuel Eto'o, 34, mittlerweile für den Aufsteiger Antalyaspor kickt, dass dessen Präsident gar davon träumt, irgendwann Lionel Messi zu verpflichten, wenn er eines Tages nicht mehr gut genug für Barcelona sein sollte, passt ins Bild. Dass der ehrgeizige Erstligist Trabzon jetzt die Verpflichtung von Wanderarbeiter Marko Marin vermeldet, erst recht.

Es ist vor allem der Wettlauf der drei Istanbuler Renommierklubs, der den Transfer-Irrsinn in der Türkei anheizt. Vizemeister Fenerbahce war wegen des Manipulationsskandals in der Türkei zwei Jahre lang für die Teilnahme an europäischen Wettbewerben gesperrt und rüstete im Sommer mit mehr als 30 Millionen Euro Transferinvestitionen auf, um wieder in die Champions League zu kommen - das ist schon einmal schiefgegangen. In der dritten Qualifikationsrunde war Fenerbahce gegen Schachtjor Donezk chancenlos.

Galatasaray bleibt demnach das einzige Team, das auch in dieser Spielzeit an der Königsklasse teilnimmt. Dass dies die mächtigen Vereinspräsidenten von Fenerbahce und Besiktas zur Weißglut treibt, gehört zur Rivalität des Istanbuler Trios dazu. Rivalität ist ein sehr harmloses Wort. Anfang des Monats wurde auf zwei Fener-Spieler auf auf dem Rückweg vom Training geschossen. Die Täter entkamen unerkannt.

Elf nichttürkische Spieler in der Startelf möglich

Im März erst hat der türkische Verband Beschränkungen für ausländische Spieler in der Liga aufgehoben. Ab dieser Saison darf eine Startelf auch aus elf nichttürkischen Profis bestehen. Es gibt zwar noch die Auflage, dass ein Kader zur Hälfte aus türkischen Spielern bestehen muss, aber die Teams der Liga gehen dazu über, die hinteren Ränge im Kader mit Spielern aus dem eigenen Land aufzufüllen, um dem offiziell gerecht zu werden.

Fener-Fans: Auch die Unterstützung der Anhänger bröckelt

Fener-Fans: Auch die Unterstützung der Anhänger bröckelt

Foto: Sedat Suna/ dpa

Jugendarbeit wird schon seit Jahren vernachlässigt. Das wird zwar oft diskutiert und kritisiert, geändert hat sich daran wenig. Nationaltrainer Fatih Terim muss dies ausbaden, sein Team, 2002 immerhin noch WM-Dritter und 2008 noch im EM-Halbfinale, hat seitdem kontinuierlich an Qualität eingebüßt.

Die Türkei steht nur noch auf Platz 45 der Fifa-Weltrangliste hinter Tunesien und Nordirland, seit 2008 hat sie jedes große Turnier verpasst, bei Rang vier in der aktuellen EM-Qualifikationsgruppe braucht es keine große Fantasie, davon auszugehen, dass man auch in Frankreich 2016 nicht dabei sein wird.

Den Großvereinen scheint das egal zu sein. Ihre Präsidenten haben sich heillos im Konkurrenzkampf untereinander verstrickt. Besiktas hatte zunächst mit van Persie verhandelt, daraufhin packte Fenerbahce finanziell noch eine Schippe drauf. Bei Gomez war es umgekehrt. Dort schlug Besiktas zu, nachdem Gomez zunächst mit Fener geliebäugelt hatte. Das logische Resultat: Die Klubs sind mittlerweile hoch verschuldet, Galatasaray soll mit 300 Millionen Euro in den roten Zahlen sein. Sneijder musste in der Vorsaison monatelang darauf warten, bis er sein üppiges Gehalt ausgezahlt bekam.

Und selbst das, worauf man sich im türkischen Fußball immer verlassen konnte, die bedingungslose Treue der Anhänger, sie bröckelt. Die Liga hat ein neues elektronische Ticketsystem eingeführt, das von den Fans bisher kaum angenommen wurde. Der Zuschauerschnitt in der Süper Lig ist zuletzt auf armselige 6000 gesunken. Die 1:2-Heimniederlage von Galatasaray gegen Osmanlispor am Montag fand vor halbleeren Rängen statt.

Podolski hat am Montag gesagt: "Ich bin hier gut aufgenommen worden und spiele in den nächsten Jahren bei einem Top-Klub." Für die Türkei mag das noch gelten. Aber nur noch für sie.