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Rücktritt von Lukas Podolski Respekt!

Lukas Podolski prägte beim DFB die Zeit, als aus Rumpelfußballern wieder eine hochgeachtete Mannschaft wurde. Sein Abgang kommt ein bisschen spät - seine Verdienste schmälert das nicht.

Respekt. Nahezu stündlich fordert ihn ein Fußballer inzwischen ein, weil das Wort zur speziellen Sprache der Branche gehört. So kann leicht überhört werden, wenn jemand tatsächlich beklagt, dass der Respekt ihm gegenüber fehle. Lukas Podolski hat das getan, kurz vor der Europameisterschaft in diesem Sommer. Er fahre als Maskottchen mit nach Frankreich, hatte er hören und lesen müssen. Das waren teilweise Witze, aber auch ernst gemeinte Analysen des Kaders.

Auch jetzt, an dem Tag, an dem Lukas Podolski seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekanntgegeben hat, sind wieder Witze über ihn gemacht worden. Es ist Häme ausgeschüttet worden über einen, für den es längst an der Zeit gewesen sei, das Nationaltrikot in den Schrank zu hängen. Das ist vielleicht so. Man kann Lukas Podolski für seine Zeit beim FC Bayern und dem FC Arsenal auch als gescheitert ansehen.

Aber der Respekt gebietet es, auch eine Hymne zu singen auf den Fußballer Lukas Podolski, der sich als Straßenfußballer sieht. Zu Recht. Podolski braucht einen Ball, zwei Jacken, um Pfosten zu markieren, und ein paar Kumpel, die mit ihm kicken.

Diese Liebe zum Sport bringen Millionen mäßig und minder Talentierte mit, Podolski verwirklichte sie auf höchstem Niveau. Die Zahl seiner schwächeren Länderspiele ist in der jüngeren Vergangenheit gestiegen, aber auf zwölf Jahre in der Auswahl des DFB gesehen, steht Lukas Podolski auf einer Stufe mit Miroslav Klose. Das letzte seiner 48 Länderspieltore erzielte Podolski im März 2015. Ein schnödes Spiel gegen Australien, Podolski wird in der 73. Minute eingewechselt, acht Minuten später trifft er zum Ausgleich.

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Seine Schusstechnik und -gewalt mit dem linken Fuß hat ihn zu einem der besten deutschen Stürmer der Geschichte gemacht. Sein Pech in den vergangenen Jahren war, dass der deutsche Fußball viele Offensivspieler mit herausragenden Qualitäten hatte und hat. Aber Lukas Podolski hat die Zeit mitgeprägt, in der aus Rumpelfußball wieder Fußball wurde, der vor allem im Ausland hoch geschätzt wird: Bei der Weltmeisterschaft 2006 war es Podolski, der mit zwei frühen Toren im Achtelfinale gegen Schweden den Hype verstärkte. Zwei Jahre später bedeuteten seine beiden Treffer gegen sein Geburtsland Polen einen gelungenen Einstand in das EM-Turnier, das erst im Finale endete.

Lukas Podolski hat auch schwache Momente in der Nationalmannschaft gehabt. Seine Ohrfeige gegen Kapitän Michael Ballack auf dem Platz gehört gewiss dazu. In Erinnerung wird aber außer seinen Toren, Flanken und Distanzschüssen vor allem die Freude bleiben, mit der er gespielt hat. Der Druck, von dem viel die Rede ist, war ihm fremd, zumindest hat er ihn sich nicht anmerken lassen.

Podolski hätte bei seiner Vorgeschichte mühelos auf die EM in Frankreich verzichten und sich schon eher verstärkt seiner Familie widmen können, wie er es jetzt vorhat. Aber die Freude war noch zu groß. Er wusste, dass es kaum für die erste Elf reichen wird. Er wusste aber auch, dass er mit seinen Konkurrenten wie Julian Draxler und André Schürrle noch mithalten kann. Der Gegenbeweis blieb aus, bei Schürrle sogar dauerhaft.

Torjäger, Straßenfußballer, Mannschaftsspieler, zuletzt mehr und mehr Gute-Laune-Onkel in einer Gruppe junger Männer, die bei Turnieren schwer bei Laune zu halten ist: Lukas Podolski hat seinen Platz in der Ruhmeshalle des deutschen Fußballs sicher.

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