Mainz-Präsident Strutz "Wir müssen uns nicht mehr verstecken"

Seit Saisonbeginn spielt Mainz 05 in einem neuen Stadion. Im "SPONSORS"-Interview nennt Club-Chef Harald Strutz die Vorzüge der Arena, erklärt das Finanzierungsmodell und sagt, warum der FSV mit Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Kaiserslautern mittlerweile auf Augenhöhe agiert.

Mainz-Präsident Strutz: "Umsatz um bis zu neun Millionen Euro erhöhen"
DPA

Mainz-Präsident Strutz: "Umsatz um bis zu neun Millionen Euro erhöhen"


SPONSORS: Herr Strutz, welche Bedeutung hat die neue Arena für Mainz 05?

Strutz: Das Stadion ist neben sportlichen Erfolgen der mit Abstand wichtigste Faktor, um in Zukunft wirtschaftliche Ressourcen besser erschließen zu können.

SPONSORS: Was für ein Umsatzwachstum versprechen Sie sich dabei?

Strutz: Wir gehen davon aus, den Umsatz aus Spielbetrieb und Vermarktung pro Saison um bis zu zehn Millionen Euro erhöhen zu können.

SPONSORS: Wie wollen Sie das genau erreichen?

Strutz: Statt neun Logen, wie bislang im Bruchwegstadion, haben wir jetzt 35, und die sind fast alle vermarktet. Statt 1300 Business-Seats verfügen wir nun über 2300 Plätze in diesem Bereich, auch fast alle weg. Und nicht zuletzt steigt die gesamte Zuschauerkapazität von 20.300 Plätzen auf 34.000.

SPONSORS: Die kalkulierten Kosten des Stadionprojekts beliefen sich auf 60 Millionen Euro. Wie setzen sich diese zusammen?

Strutz: Für den reinen Stadionbau wurden 40 Millionen Euro veranschlagt, für die Planung und Zwischenfinanzierung fünf Millionen Euro und für den Ankauf der Grundstücke und die Schaffung der Infrastruktur weitere 15 Millionen Euro.

SPONSORS: Wie wurden diese Kosten gedeckt?

Strutz: Das Land hat 12,5 Millionen Euro beigesteuert, die Stadt Mainz 7,5 Millionen Euro für den Grunderwerb und die Infrastruktur. 32,5 Millionen Euro finanziert die Grundstücksverwaltungsgesellschaft Stadt Mainz mbH über einen Kommunalkredit. Mainz 05 hat Kosten von 7,5 Millionen Euro für den Stadionbau getragen und fungiert in den kommenden Jahren als Pächter der Arena. In der ersten Liga liegt die jährliche Pacht bei 3,3 Millionen Euro, in der zweiten sind es 2,3 Millionen Euro.

SPONSORS: Ist es richtig, dass sich die Kosten für das Gesamtprojekt letztlich auf rund 70 Millionen Euro erhöht haben?

Strutz: Ja, sofern Sie Baukosten und Infrastrukturkosten zusammenrechnen. Aber diese Kosten werden nicht von der öffentlichen Hand getragen. Sie resultieren unter anderem aus der Installierung einer Photovoltaikanlage auf den Stadiondächern. Zudem haben wir die vier Ecken des Stadions mit Glasfronten geschlossen und auf allen Sitzplätzen Klappsitze statt fester Schalen installiert. Das beides hat zusätzliche Kosten verursacht, die der Verein selbst trägt.

SPONSORS: Sie haben die gestiegene Zahl an VIP-Plätzen angesprochen. Besteht die Gefahr, dass die Atmosphäre im Stadion darunter leidet?

Strutz: Das glaube ich nicht. Wir haben bereits bei der Planung der Arena mit den Fangruppen zusammengesessen und Konzepte entwickelt. Unsere Stehplatztribüne hinter dem Tor mit 12.000 Plätzen ist nur ein Beispiel. Einzigartig bei den Logen sind übrigens die faltbaren Türen, durch die Stimmung in den Logen entsteht. Das gibt es nirgendwo sonst.

SPONSORS: Haben Sie die Preise für VIP-Plätze in der neuen Arena erhöht?

Strutz: In moderatem Umfang um etwa 500 Euro pro Saison. Eine VIP-Karte kostet bei uns im Durchschnitt 3300 Euro.

SPONSORS: Die erfolgreiche Vermarktung von VIP-Logen und Business-Seats haben Sie bereits angesprochen. Was ist der Schlüssel zum Erfolg?

Strutz: In erster Linie die Marke Mainz 05, die wir geworden sind. Und dann natürlich unsere eigene Vermarktungsabteilung. Mit Dag Heydecker haben wir einen erfahrenen Marketingchef geholt, der bereits bei den Adler Mannheim und 1899 Hoffenheim Strategien umgesetzt hat. Aber das beste Marketing ist der sportliche Erfolg.

SPONSORS: In dieser Saison trat Mainz 05 zum zweiten Mal im Europapokal an. Zugleich spielt Eintracht Frankfurt in der zweiten Liga. Findet im Rhein-Main-Gebiet gerade eine Wachablösung statt?

Strutz: Nein. Die finanziellen Möglichkeiten von Eintracht Frankfurt werden immer größer sein als unsere. Ob sich daraus auch der größere sportliche Erfolg ergibt, zeigt sich jede Saison aufs Neue. Aber zu einem Verein gehört nicht nur der sportliche Erfolg, sondern das Gesamtbild mit seriöser Wirtschaftsführung. Und da müssen wir uns in der Region nicht mehr verstecken, weder vor Eintracht Frankfurt noch vor dem 1. FC Kaiserslautern. Wir sind mehr als gleichberechtigt.

Das Interview führte Philipp Klotz

insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
betzebub 17.08.2011
1. Augenhöhe
Für die Freunde aus Mainz, die sich auf Augenhöhe wähnen weil sie jetzt zum 2. Mal Europacup gespielt haben (wobei Teilnahme eigentlich die Teilnahme an der 1. Runde erfordert, aber das nur nebenbei) und ein neues Stadion haben, bitte mal folgende Zahlen einprägen: 4 x Deutscher Meister 2 x Deutscher Pokalsieger mehr als 2 Teilnahmen Europacup und Champions League 8. Platz der ewigen Tabelle der Bundesliga (circa 1800 Punkte Vorsprung vor Mainz) etc. Wenn diese Zahlen mal bei Mainz 05 stehen, dann seid ihr auf Augenhöhe!
Umbriel 17.08.2011
2. Na ja
Ob so eine Infrastruktur nun vom Land gefördert werden muß oder nicht ist überall die gleiche Frage. Allerdings schwer zu entscheiden angesichts Subventionsmilliarden für italienische Olivenhaine, die es real ncihtmal gibt. Oder Multimilliarden für Banken und verlogene Staatsbanker aus Südeuropa. Sowie Sanierungsstau bei deutschen Schultoiletten und Schülermöbeln, die in Elterninitiativen in Eigenarbeit saniert werden müssen. FAZIT: Die Prioritäten der öffentlichen Geldverteilung müssen dringend geradegezogen werden. Solange die Basis-Infrastruktur nicht standardgemäß ist, gibts auch kein Geld für Fußballmillionäre und Euro - Dealer.
mrdude 17.08.2011
3. Und wieder
Zitat von sysopSeit Saisonbeginn spielt Mainz 05 in einem neuen Stadion. Im "SPONSORS"-Interview nennt Club-Chef Harald Strutz die Vorzüge der Arena, erklärt das Finanzierungsmodell und sagt, warum der FSV mit Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Kaiserslautern mittlerweile auf Augenhöhe agiert. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,779079,00.html
ein Bundesligist, der ein Stadion von der "Öffentlichen Hand"geschenkt bekommen hat. Hier mal eine kleine Auflistung: Bayern München - Olympia Stadion BVB - Westfalen Stadion HSV - Volkspark S04 - Parkstadion VFL - Ruhrstadion Köln - Müngersdorfer Stadion Kaiserslautern - Betzenberg (2x) Frankfurt - Waldstadion Berlin - Olympiastadion Hannover - Niedersachsenstadion usw, usf.... das ist doch alles nen Witz!
mrdude 17.08.2011
4. Ach Gottchen
Zitat von betzebubFür die Freunde aus Mainz, die sich auf Augenhöhe wähnen weil sie jetzt zum 2. Mal Europacup gespielt haben (wobei Teilnahme eigentlich die Teilnahme an der 1. Runde erfordert, aber das nur nebenbei) und ein neues Stadion haben, bitte mal folgende Zahlen einprägen: 4 x Deutscher Meister 2 x Deutscher Pokalsieger mehr als 2 Teilnahmen Europacup und Champions League 8. Platz der ewigen Tabelle der Bundesliga (circa 1800 Punkte Vorsprung vor Mainz) etc. Wenn diese Zahlen mal bei Mainz 05 stehen, dann seid ihr auf Augenhöhe!
die armen Lauterer.... da halte ich mal dagegen: 5x Deutscher Meister 3x Pokalsieger 2x Uefacupsieger und einfach sympathischer...;-)
loddarcontinua 17.08.2011
5. mrdude und der Stolz der Palz
Zitat von mrdudedie armen Lauterer.... da halte ich mal dagegen: 5x Deutscher Meister 3x Pokalsieger 2x Uefacupsieger und einfach sympathischer...;-)
Na ja alles übertrieben bzw. schlichtweg falsch! König-Beck-mäßig halt, typisch pälzisch...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.